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Ab sofort im Kino und nach einer wahren Geschichte: Filmkritik zu „Die Schüler der Madame Anne“

DÜSSELDORF. Geschichten aus den Pariser Vororten erzählen häufig von Gewalt. Etwa wenn junge Einwanderer aus Wut über ihre Chancenlosigkeit Autos anzünden. Der Film „Die Schüler der Madame Anne“ erzählt auch von Ereignissen aus diesem Umfeld. Aber es ist eine Geschichte über Erfolg. Es geht um eine 11. Klasse am Gymnasium der Pariser Problem-Vorstadt Créteil, die sich ähnlich auch in Wirklichkeit zugetragen hat. Der 20-jährige Co-Autor und Hauptdarsteller Ahmed Dramé (im Film heißt er Malik) entwarf ein Drehbuch auf der Basis seiner schulischen Erlebnisse und schickte es an die Regisseurin Marie-Castille Mention-Schaar.

In „die Schüler der Madame Anne“ schafft es die engagierte Lehrerin Anne Gueguen (Ariane Ascaride), eine Klasse voller anstrengender Jugendlicher auf den richtigen Weg zu bringen. Das gelingt ihr, indem sie die Klasse für die Teilnahme am jährlichen Landeswettbewerb zu „Widerstand und Deportation“ anmeldet. Infolgedessen setzten sich die Schüler freiwillig und zusätzlich zum normalen Unterricht mit dem Schicksal französischer Kinder und Jugendlicher auseinander, die in die Konzentrationslager der Nazis deportiert wurden. Ihre im Team recherchierte Arbeit gibt ihnen neues Selbstvertrauen.

Co-Autor und Hauptdarsteller Malik mit Lehrerin Anne.

Co-Autor und Hauptdarsteller Malik mit Lehrerin Anne.

Im Film werden Maliks Klassenkameraden von Laien gespielt, manche von ihnen stammen aus Créteil. Den dokumentarischen Aspekt verstärkt der Auftritt Léon Zyguels, der auch im realen Leben als Zeitzeuge arbeitet. Er besucht die Schüler, um über seine Jugend im Konzentrationslager zu erzählen. Sein Auftritt wirkt bewegend und eindringlich, aber dann hält die Kamera immer wieder die betroffenen Gesichter der Schüler fest.

Das ist, wie vieles in diesem Film, gut gemeint, macht aber einen plakativen und belehrenden Eindruck. So verwandeln sich die mutlosen und aggressiven Schüler nach dem Besuch des Zeitzeugen recht schnell in nachdenkliche und verantwortungsbewusste Menschen. „Und wir fühlen uns cool, wenn wir die Achterbahn langweilig finden“, sagt Malik nach dem Besuch Zyguels zu einem Freund. Trotzdem wirkt Lehrerin Anne meist glaubwürdig: „Wenn Sie nicht fähig sind, gute Schüler zu sein, seien Sie Jugendliche, die erzählen.“ Oder „es gibt eine Welt außerhalb der Vororte, wo es einen Platz für euch gibt. Aber das ist ein Rennen und ihr steht noch am Startblock.“

Insgesamt hat der Film einen hohen sozialkritischen Anspruch, mit dem er sich aber zu viel vornimmt. Die Ansätze sind da: Eltern beschweren sich etwa über „muslimisch“ lange Röcke, während auf der anderen Seite Mädchen von Klassenkameraden bedrängt werden, weil sie „Nuttenhosen“ tragen. Gleich am Anfang erscheinen zwei Abiturientinnen mit Kopftuch vor dem Schulleiter, um ihr Zeugnis abzuholen. Der händigt es ihnen jedoch nicht aus, weil sie ein Kopftuch tragen und das in der Schule verboten ist. Dieser Strang der Geschichte wird aber im Folgenden nicht weiterverfolgt. Für den Film sind die vielen losen Enden der Handlungsstränge eine vertane Chance, eine Vertiefung der Charaktere hätte die Geschichte spannender gemacht. Nina Braun

Kurzinfo: „Die Schüler der Madame Anne“ heißt im Original „Les Héritiers“. Ab dem 5. November ist er in Deutschland in den Kinos zu sehen.

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