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Digitale Bildung: Je älter die Lehrer, desto größer die Vorbehalte – KMK erarbeitet Vorgaben

DORTMUND. In Sachen digitaler Bildung liegen im Bundesvergleich die Stadtstaaten Hamburg und Bremen vorn – aus Sicht der Lehrkräfte jedenfalls. Das zeigt eine Studie der Deutschen Telekom Stiftung für den Länderindikator „Schule digital“ unter der Leitung des renommierten Dortmunder Bildungsforschers Wilfried Bos, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht werden soll. Das Ergebnis laut Presseportal des Hamburger Senats: Es stellt sich eine Spitzengruppe der Länder Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz heraus, in der die Lehrkräfte das Thema digitales Lernen besonders positiv bewerteten.

Tablets sind in deutschen Schulen alles andere als selbstverständlich. Foto: Michael Coghlan / flickr (CC BY-SA 2.0)

Tablets sind in deutschen Schulen alles andere als selbstverständlich. Foto: Michael Coghlan / flickr (CC BY-SA 2.0)

Bildungssenator Ties Rabe (SPD): „Ich freue mich sehr darüber, dass in dieser erstmals durchgeführten bundesweiten Studie die digitale Bildung an Hamburgs Schulen so positiv bewertet wird. Hamburg ist auf einem guten Weg. Wir wollen das gute Ergebnis als Rückenwind nutzen, um das Thema digitales Lernen im Unterricht fest zu verankern und weiter auszubauen.“

In der Studie wurden 1.250 Lehrer weiterführender Schulen aus ganz Deutschland repräsentativ zu zwölf Themen befragt. Fast die Hälfte (48 Prozent) von ihnen sagen, dass ihre Schüler eigene Geräte im Unterricht nutzen können. Nur ein Viertel befürchtet noch, die Kontrolle über den Unterricht zu verlieren, wenn sie Computer einsetzen. „Je älter die Lehrer, desto größer die Ängste“, sagt Bos, Professor am Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) an der TU Dortmund, einem Bericht der „Zeit“ zufolge, der die Studie bereits vorliegt.

Den Studienergebnissen könne man aber auch entnehmen, dass selbst die jungen Lehrer während ihrer Ausbildung nicht vermittelt bekommen hätten, wie sich aus digitaler Technik digitaler Unterricht machen lässt. „Dabei sollte das in jedem Fach selbstverständlich sein“, so Bos, der auch den deutschen Teil der ICIL-Studie mitverantwortet hat, einem internationalen Vergleich von Schülerleistungen in Sachen Medienkompetenz, bei dem die deutschen Schüler nur mittelmäßig abschnitten. Noch hänge es zu sehr am Engagement einzelner Lehrer, meint Bos, wie groß der IT-Einsatz schließlich ist. Vorgaben, die aus dem Kultusministerium kommen, seien die Ausnahme.

Bos weist im Vergleich der Bundesländer auf die Unterschiede hin: „Zunächst, dass die Lehrkräfte in diesen Ländern den Bereich digitales Lernen deutlich besser beurteilen als ihre Kolleginnen und Kollegen. Es ist erstaunlich, wie groß die Unterschiede hier sind und dass es derart eindeutige Spitzenreiter gibt. Im Einzelnen sind die Ergebnisse natürlich unterschiedlich. So geben zum Beispiel die Lehrkräfte in Bremen, Hamburg und Rheinland-Pfalz häufig an, dass an ihrer Schule ein Medienkonzept existiert. Gleichzeitig bestätigen die Lehrkräfte in diesen Ländern auch oft, dass sie über ausreichend Zeit für die Vorbereitung des computergestützten Unterrichts verfügen.“

Darüber hinaus, so heißt es beim Senat, meinten die Hamburger Lehrkräfte mehrheitlich, dass die Kooperation mit den Kollegen gut funktioniert und die Schulen in Sachen IT-Ausstattung sowie Internet-Zugang und -Ausstattung mit schülereigenen Geräten gut aufgestellt sind. Auch in Bezug auf die technische und pädagogische Unterstützung gaben die Hamburger Lehrkräfte ihren Schulen Spitzenwerte.

Rabe: „Ich freue mich über dieses Ergebnis. Es zeigt, dass Hamburg im bundesweiten Vergleich gut aufgestellt ist. Allerdings macht die Studie auch deutlich, dass alle Bundesländer in diesem wichtigen Themenfeld erst am Anfang stehen und noch viel zu tun haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der Unterricht in allen Fächern deutlich stärker für digitale Lernangebote öffnen muss. Computer und digitale Medien prägen mittlerweile die gesamte Berufs- und Bildungswelt, egal ob in Fabrik, Büro, Handwerksbetrieb oder Hochschule. Deshalb müssen Kinder und Jugendliche besser vorbereitet werden.“

Rabe will deshalb nach eigenem Bekunden eine Reihe von Initiativen umsetzen: „Auf meine Anregung hin arbeiten die Staatssekretäre und Staatsräte aller 16 Bundesländer in der Kultusministerkonferenz daran, ein konkretes Handlungskonzept zum Thema digitales Lernen zu erarbeiten. Insbesondere in den Bereichen Bildungspläne und Lehrerfortbildungen müssen wir vorankommen.“ Was er nicht nennt: Auch kräftige Investitionen in die technische Ausstattung werden nötig sein. Bei einer Umfrage des VBE noch im vergangenen Jahr hatten nur wenige Lehrer (12 Prozent) angegeben, dass die Schule über Klassensätze an Tablet-Computern oder Smartphones verfügt. Bei der großen Mehrheit (86 Prozent) ist dies nicht der Fall. News4teachers

Zum Bericht: Nur nicht klotzen: Samsung bringt Lehrern die digitale Bildung schrittweise nahe

8 Kommentare

  1. „In Sachen digitaler Bildung liegen im Bundesvergleich die Stadtstaaten Hamburg und Bremen vorn – aus Sicht der Lehrkräfte jedenfalls.“

    Und? Wie sieht’s ansonsten mit dem Lernniveau in beiden Stadtstaaten aus?
    L kennen sich in der digitalen Welt evtl. besser aus als die L in anderen Bundesländern. Auf die Lernleistungen der Sch scheint es sich kaum auszuwirken.

  2. „„Je älter die Lehrer, desto größer die Ängste“, sagt Bos, Professor“ – aha, Ängste. Irrational muss es ja sein, wenn man digitale Medien nicht nutzen will, nichwahr? Wäre es auch denkbar, dass die älteren Lehrer ihre Versuche mit digitalen Medien schon hinter sich haben, das Gute behalten und den Rest als nutzlos abgehakt haben?
    Dass Junge experimentierfreudiger, Alte dagegen erfahrener und effizienter sind, ist ja nicht wirklich ein neuer Befund in Biologie und Soziologie.

  3. Ich bin 61, also alt!
    Gerade heute habe ich für die Schulaufgabe am Freitag (heute ist in Bayern unterrichtsfrei) 2 Anfragen an meine „Schülermail“ erhalten und konnte sie zeitnah klären.
    Am vorgeschriebenen Pädagogischen Tag erarbeitete meine Gruppe ein Konzept für eien Infoflyer unter Berücksichtigung der Grundsätze des DTPs-
    Schert doch nicht Alles über einen Kamm!
    Wir Alten sind doch nicht blöd!
    Wir hlten uns nur an den Apostel Paulus:
    „Drum prüfet alles, was ihr findet und was gut ist, behaltet“
    Und modern, anders ist halt nocht immer besser!

    rfalio

  4. bekanntlich nimmt die Technikaffinität mit dem Alter durchschnittlich ab. die Studie macht nur dann Sinn, wenn die Affinität bei Lehrern signifikant stärker abnimmt als bei der restlichen Bevölkerung, besonders bei den Teilen, die in ihrem Beruf viel mit Technik arbeiten müssen.

    Korrelation und Kausalität sind manchmal schwierig zu trennen …

  5. Wann gibt es endlich ein Publikationsverbot für unterdurchschnittlich in Statistik bewanderte Gesellschaftswissenschaftler? Als stochastische Grundlage zum Aufheben des Publikationsverbotes würde es mir schon reichen, wenn die Experten den Unterschied zwischen einer Korrelation und einer Kausalität ansatzweise begreifen würden.

    • begreifen muss aus meiner Sicht nicht sein, wenn sie die korrelation zu möglichen anderen Ursachen herausrechnen würden …

      (das setzt aber ein noch viel tieferes Verständnis von Statistik voraus. dann ist begreifen, nachdenken und dann doch nicht veröffentlichen einfacher …)

    • gute Idee mit dem Publikationsverbot – starten Sie doch bitte eine Petition! Wir unterschreiben alle, oder?

  6. ‘Bücher werden in Schulen bald obsolet sein…Es ist möglich, jeden Zweig des Wissens (…) mit Hilfe von Filmen zu lernen. Unser Schulsystem wird innerhalb von zehn Jahren vollkommen verändert sein.”
    Ein Zitat von T. A. Edison aus dem Jahr 1913

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