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Gegen den Terror: Beckmann fordert mehr Zeit für Lehrer, um präventiv arbeiten zu können

DORTMUND. Nach den Attentaten von Paris hat VBE-Chef Udo Beckmann die Diskussion darüber eröffnet, wie das Abgleiten von Jugendlichen in Gewalt und Terror verhindert werden kann. „Wir müssen verhindern, dass es überhaupt dazu kommt, dass Menschen sich radikalisieren“, sagte Beckmann. Dabei gehe es auch um pädagogische Maßnahmen.

Wir sind Paris: Nach den Anschlägen wurde das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Nationalfragge angestrahlt. Foto: Sandro Schroeder / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Wir sind Paris: Nach den Anschlägen wurde das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Nationalfragge angestrahlt. Foto: Sandro Schroeder / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Viele Schulen haben laut Beckmann mit Prävention Erfahrung. Vorbilder fänden sich etwa im Netzwerk „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“, deren Mitglieder sich unter anderem dazu verpflichten, Aktivitäten und Initiativen zu entwickeln, um Diskriminierungen zu überwinden. Allein in Nordrhein-Westfalen haben sich bisher 499 Schulen dem Netzwerk angeschlossen. Als Prävention gegen extremistische Ansichten empfiehlt der VBE darüber hinaus, Beziehungs- und Erziehungsarbeit in pädagogischen Einrichtungen zu stärken. Voraussetzung allerdings sei, so Beckmann, dass den Beschäftigten dort die notwendige Zeit dafür zur Verfügung gestellt werde.

Eine dann mögliche Beziehungs- und Erziehungsarbeit beinhalte beispielsweise:

  • Sensibilität: Extremistische Einstellungen kündigen sich durch verändertes Alltagsverhalten an, etwa durch andere Kleidung.
  • Auf Augenhöhe bleiben: Auch wenn es bei manchen Argumenten schwer fällt – auch diese Ansichten ernst nehmen und Alternativen aufzeigen.
  • Politische Bildung stärken: Themen aus dem Alltag der Jugendlichen thematisch aufgreifen und einbinden.
  • Kritisches Denken fördern: Jugendliche sollten ermutigt werden, Dinge zu hinterfragen, etwa in Debatten oder Rollenspielen.
  • Beziehungen anbieten: Jugendliche brauchen Vorbilder. Menschen, die sich radikalisieren, suchen Anschluss und haben wenig Selbstwertgefühl.

Beckmann betont: „Beziehungs- und Erziehungsarbeit braucht Zeit und Personal. Wir brauchen mehr Sozialpädagogen an den Schulen. Wer darüber hinaus präventiv arbeitende Lehrer möchte, muss dies in der Gesamtarbeitszeit hinreichend berücksichtigen. So wie die Lehrerarbeitszeit zurzeit gestrickt ist, lässt sie für die notwendige Beziehungsarbeit immer weniger Raum.“

Darüber hinaus sei Präventionsarbeit eine gesamtgesellschaftliche, langfristige Aufgabe. Lehrer spielten dabei zwar eine wichtige Rolle. Sie könnten die Aufgabe jedoch nicht allein schultern. Schulen bräuchten zusätzlich professionelle Netzwerke etwa mit der Jugendarbeit und der Polizei, auf die sie jederzeit zugreifen können. News4teachers

Zum Bericht: Anwerber auf dem Schulhof: Salafismus stellt Lehrer vor neue Herausforderungen

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