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Ist das jetzt Ironie? Oder Ausdruck einer Bildungskatastrophe? Neues – lustiges! – Buch präsentiert Stilblüten von Schülern

HAMBURG. So einfach kann es manchmal sein, ein wirklich witziges Buch herauszubringen: einfach diejenigen fragen, die mitten im Leben stehen – Lehrer eben. Die Macher von „Spiegel online“, genauer: die Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg-Kruse, haben genau das getan, und Lehrer dazu aufgerufen, die skurrilsten Stilblüten und Fehler aus Prüfungen, Klausuren und Unterrichtsstunden zu verraten. Hunderte von Einsendungen kamen zurück. Und die besten davon sind jetzt in dem Buch versammelt, das nun unter dem bezeichnenden Titel herauskam: „Nenne drei Nadelbäume: Tanne, Fichte, Oberkiefer: Die witzigsten Schülerantworten“ (Ullstein, 219 Seiten, 9,99 Euro).

Nadelbaeume

Tatsächlich versammelt das Werk witzige Bonmots, die manchmal rätseln lassen: Ist das jetzt Ironie – und der Verfasser echt genial? Oder ist das der bittere Ernst einer mittelschweren Bildungskatastrophe? War „Fuck ju Göthe“ am Ende gar keine Parodie? Sondern eine völlig realistische Doku aus deutschen Klassenzimmern?

Was das Buch zudem lesenswert macht: Es ist keine reine Anekdotensammlung, sondern lässt auch prominente Protagonisten aus dem Bildungsbetrieb zu Wort kommen – den Philologenverbandschef Heinz-Peter Meidinger zum Beispiel. Der bricht eine Lanze für die Schüler. „Die heutige Schülergeneration ist nicht dümmer, auch nicht oberflächlicher als frühere.“ Allerdings können einem angesichts der zusammengetragenen Sammlung da schon Zweifel kommen.

Geboten werden Beispiele aus allen Schulformen – von der Grundschule bis zum Abitur. Und schon das nach Fächern geordnete Inhaltsverzeichnis macht deutlich, wohin die Reise geht. „Dear Mum and Dead“ – vom Brief an die Mama und den Toten aus dem Englisch-Unterricht –, über den bekenntnisorientierten Religionsunterricht („Meine Konfession ist 75B“) bis hin zur Sexualerziehung und dem berüchtigten „Coitus corruptus“. Prädikat der News4teachers-Redaktion: lustig.
Aber lassen wir die Urheber doch auszugsweise selbst sprechen:

Zum Fach Deutsch – hier eine zeitgenössische Neufassung von Goethes „Erlkönig“: Dem Vater grauset‘s – er reitet geschwind, er hält in den Armen das ätzende Kind.

Auch in Sachen Biologie ist Kreativität gefragt:

  • Wann ist der Zeitpunkt des Eisprungs im weiblichen Zyklus? Mittwoch.
  • Was ist der Uterus? Ein Planet.
  • Wie nennt man das ungeborene Kind im Mutterleib? Sombrero.
  • Das weibliche Sexualhormon: Estragon.

Mit dem Englisch soll’s hapern? Ein Gerücht

  • Aufgabe: Nenne ein Synonym für „not clear and difficult to understand or see“: „Women.“
  • Übersetze: „I mustn’t give this gadget to anyone else.“: „Ich darf es niemandem geben, außer Else erlaubt es.“

Voller Durchblick auch in Geschichte

  • Nenne drei Stil-Epochen: Ägypter, Römer, Imker.
  • Kennt jemand Pompeji? Ja, das war doch der mit dem Spinat.
  • Marx und XY schrieben das kommunistische Manifest. Wie heißt der berühmte Mitstreiter von Marx? Moritz.
  • Welche Stände gab es im Mittelalter? Brotstände, Blumenstände, Gemüsestände.
  • Wer wurde im Jahr 1871 der erste deutsche Kaiser? Guido Westerwelle.
  • Aus einer Klassenarbeit, 9. Klasse: Die Menschen in Deutschland begrüßten sich damals immer mit „Hi, Hitler“!

In Erdkunde sind Schüler manchmal sehr dankbar für Lehrerhinweise.

  • Gib den Namen der Meerenge an, die die Bucht von San Francisco mit dem Pazifik verbindet. Kleiner Tipp: Die Meerenge heißt genauso wie die Brücke darüber: Golden Gate Bitch.
  • Welches Körperteil sollte man bei einem Erdbeben besonders schützen? Das Genital.
  • Nenne die Bundesländer Deutschlands: Schließlich Hohlstein.

Auch mit Tieren sind unsere Schüler sehr vertraut.

  • Warum bezeichnet man Pferde als Steppentiere? Pferde sind Stepper, sie steppen mit ihren Hufen.
  • Wie schützen sich Tiere vor dem Winter? Die Kaninchen fliegen in den Süden.
  • Was sind Salmonellen? Das sind die kleinen Fischchen auf der Pizza, von denen mir immer schlecht wird.
  • Weiß jemand, wo die Pinguine leben? Süd-Polen.
  • Wie heißen die Nachkommen des Rehs? Reh-Kids.

Das Buch kann u.a. auch bei Amazon bestellt werden.

 

Ein Kommentar

  1. Entschuldigung, die Bsp. reichen mir schon, um mir das Buch nicht zu kaufen. In dieser geballten Zuspitzung kann ich über die „geistigen Höhenflüge“ von Sch schon gar nicht mehr schmunzeln, geschweige denn lachen.
    Nicht falsch verstehen, ich bin für Humor durchaus empfänglich. In diesem Fall ist mir aber eher zum Heulen zumute.
    Peinlich, diesen „Dünnpfiff“ auch noch zu veröffentlichen und damit Geld zu verdienen. Wer sollte sich jetzt mehr schämen, die Sch oder ihre L?

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