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Plattdeutsch als Schulfach statt Französisch? Bildungsminister will Vorschlag ernsthaft prüfen

SCHWERIN. Auf Plattdeutsch gibt es Literatur und Theater. Doch in der jungen Generation droht die Sprache der Norddeutschen auszusterben. Was tun dagegen? Nicht alle Ideen rufen gleich Begeisterung hervor.

Das schwindende Interesse an der niederdeutschen Sprache beunruhigt in Mecklenburg-Vorpommern Heimatverbände, Medien und Politik. Für Diskussion sorgt jetzt der Vorschlag, an einigen Schulen des Landes Plattdeutsch als reguläres Unterrichtsfach zu ermöglichen, um junge Leute für die Pflege der Sprache zu gewinnen. Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) steht nach eigenen Angaben dem Vorschlag des Niederdeutschbeirats offen gegenüber. Doch müssten zunächst die rechtlichen Voraussetzungen und die Vereinbarkeit mit den Maßgaben der Kultusministerkonferenz geprüft werden, sagte der Minister am Mittwoch. Erst danach sei eine öffentliche Diskussion sinnvoll.

Zu Wochenbeginn hatte er sich in Schwerin mit dem Niederdeutschbeirat getroffen, dem neben Verbänden, Rundfunksendern und Zeitungen auch Wissenschaftler angehören. Wie die «Ostsee-Zeitung» (Mittwochausgabe) berichtete, war dabei unter anderem über Literatur- und Musikwettbewerbe oder Rundfunksendungen für Jugendliche aber auch über ein Unterrichtsfach Niederdeutsch gesprochen worden. Die Sprachpflege hat in Mecklenburg-Vorpommern Verfassungsrang.

Brodkorb schließt aber bereits aus, dass ein solches Fach zusätzlich zum bestehenden Schulprogramm ab Klasse 5 hinzugefügt werden kann. «Die wöchentliche Stundenzahl ist bereits hoch. Da können wir nicht noch drei Stunden drauf packen», sagte er. Denkbar sei ein Wahlrecht bei der zweiten Fremdsprache an Regionalschulen. «Wer nach Schulabschluss Klempner werden will, kann mit Plattdeutsch im Alltag wahrscheinlich mehr anfangen als mit Französisch», sagte Brodkorb.

Für Gymnasien könne eine solche Alternative nicht gelten, da zur Hochschulreife zwei moderne Fremdsprachen erforderlich seien.
Der Linke-Landtagsabgeordnete Torsten Koplin begrüßte das Vorhaben, dem Plattdeutschen an den Schulen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Doch dürfe keine Konkurrenzsituation zu modernen Sprachen gerade der europäischen Nachbarländer herbeigeführt werden. «Im Zeichen der europäischen Integration müssen diese ihren Vorrang behalten. Alles andere wäre eine weltfremde Fehlentwicklung, die sich an der Vergangenheit und nicht an der Gegenwart und Zukunft orientiert», sagte Koplin. dpa

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