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Schluss mit zu viel Bürokratie: Weil verspricht „Entrümpelungsaktion“ in Niedersachsens Schulen

GOSLAR. Konferenzen, Kommissionen, Gremien: Der Philologenverband beklagt eine Überlastung der Lehrkräfte durch unnötige Bürokratie. Das Land Niedersachsen will Abhilfe schaffen.

Charme-Offensive: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Foto Karsten Mosebach, Gymnasium-Melle (Foto-AG) / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Charme-Offensive: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Foto Karsten Mosebach, Gymnasium-Melle (Foto-AG) / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-3.0)

Niedersachsens Lehrer sollen künftig mehr Zeit für ihre eigentliche Aufgabe bekommen. Das Land werde an den Schulen eine große «Entrümpelungsaktion» starten, damit die Lehrkräfte sich auf ihre wesentliche Arbeit mit den Schülern konzentrieren können, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch in Goslar. Dort befassen sich die 350 Delegierten des niedersächsischen Philologenverbandes noch bis Donnerstag mit der Zukunft des Gymnasiums sowie den Themen Arbeitszeitbelastung und Bürokratisierung in den Schulen. Dem Verband gehören rund 7500 Gymnasiallehrer an.

Die «Hannoversche Allgemeine Zeitung» hatte zuvor berichtet, dass Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) alle 86.000 Pädagogen in Niedersachsen zu ihrer persönlichen Belastung befragen lassen will. Sie wolle wissen, welche Arbeiten in der Schule außerhalb des Unterrichts auch von anderen erledigt werden können, etwa von der Landesschulbehörde, sagte die Ministerin der Zeitung. Die Befragung solle auch praktische Konsequenzen haben.

Der Philologenverband beklagt, dass vor allem die zunehmende Bürokratisierung durch die «Eigenverantwortliche Schule» erhebliche Mehrarbeit verursacht. «Dazu gehört beispielsweise, dass jede Schule für jedes Unterrichtsfach eigene Lehrpläne aufstellen und ein umfangreiches Schulprogramm mit zahlreichen Konzepten erarbeiten muss», sagte der Vorsitzende Horst Audritz.

Das Programm müsse dann «von sogenannten Steuerungsgruppen und in diversen Konferenzen und Gremiensitzungen von Lehrkräften eigenverantwortlich erstellt und beraten und regelmäßig oft schon nach kurzen Zeitabständen evaluiert und erneut beraten und fortgeschrieben werden», sagte Audritz. Auch deshalb kommen Lehrkräfte nach seiner Einschätzung selbst unter Berücksichtigung der Ferien derzeit auf durchschnittlich 45 bis 50 Wochenstunden.

In einem für 2016 geplanten Dialogverfahren zur Arbeitsbelastung wolle Kultusministerin Heiligenstadt deshalb erfahren, «wo genau der Schuh drückt», teilte ihr Ministerium mit. Es gehe darum, welche außerunterrichtlichen Tätigkeiten möglicherweise verzichtbar sind und wo ein Zuviel an Bürokratie im Schulalltag abgebaut werden kann. Heiligenstadt kündigte Gespräche mit den schulpolitischen Verbänden und Gewerkschaften darüber an, wie der Dialogprozess gestaltet werden kann. Ziel sei es letztlich, dass sich die Lehrkräfte wieder mehr auf den Unterricht und die Arbeit mit den Schülern konzentrieren könnten.
Ministerpräsident Weil trat in Goslar Befürchtungen des Philologenverbandes entgegen, die Gymnasien könnten von der rot-grünen Landesregierung gegenüber Gesamtschulen benachteiligt werden. Dazu führte er Zahlen an: So gebe es in Niedersachsen heute 257 Gymnasien, neun mehr als vor zehn Jahren. 2005 hätten gut 24 Prozent der Schüler in Niedersachsen ein Gymnasium besucht, heute seien es fast 29 Prozent. Und der Lehrer-Schüler-Schlüssel habe sich im gleichen Zeitraum von 1:17,7 auf 1:13,6 verbessert.

Beifall erhielt der Ministerpräsident für seine Anregung, in der Schule wieder mehr Wert auf das Kopfrechnen und das Erlernen von Gedichten zu legen. Letzteres diene der Förderung des Gedächtnisses und der Steigerung der Konzentrationsfähigkeit. Von Matthias Brunnert, dpa

Zum Bericht: Frostiger Empfang für Heiligenstadt: Schulleiter fordern Unterstützung – statt mehr Bürokratie

3 Kommentare

  1. Ja, bitte tüchtig entrümpeln.

  2. ZITAT:

    „Beifall erhielt der Ministerpräsident für seine Anregung, in der Schule wieder mehr Wert auf das Kopfrechnen und das Erlernen von Gedichten zu legen. Letzteres diene der Förderung des Gedächtnisses und der Steigerung der Konzentrationsfähigkeit.“

    Ok, mach ich !

    • Dann sollte er aber auch dem Erwerb der richtigen Handschrift (die Grund“schrift“ zähle ich nicht dazu) wieder mehr Aufmerksamkeit widmen.
      Generell sollte er dafür sorgen, dass in Schulen wieder mehr geschrieben wird. Ich betone „geschrieben“.
      Auch diese „Dinio“ – Methode ist gut fürs Gedächtnis.
      Wenn er darüber mehr wissen möchte, empfehle ich ihm diese Seite: http://www.stolzverlag.de

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