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Imageproblem der MINT-Berufe – liegt es an der Schule?

BERLIN. Immer weniger Azubis entscheiden sich für eine Ausbildung in einem mathematisch-technischen Beruf. Schulabgänger hätten oft falsche Vorstellungen, was die Berufsbilder anginge, heißt es in einer jetzt erschienen Studie.

Berufe mit mathematisch-naturwissenschaftlichem Schwerpunkt haben ein massives Imageproblem, das schon in den Schulen beginnt. Deshalb entscheiden sich Jugendliche dann oft gegen eine Ausbildung in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Zu diesem Ergebnis kommt das jetzt veröffentlichte «MINT-Nachwuchsbarometer 2015» der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Körber-Stiftung. Vor allem Schülerinnen sind skeptisch – ihr Anteil in MINT-Ausbildungsberufen stagniert bei rund 10 Prozent.

Ihm macht’s Spaß. Aber immer weniger Schüler entscheiden sich für eine Ausbildung im MINT-Bereich. Foto: Chris Hunkeler / flickr (CC BY-SA 2.0)

Ihm macht’s Spaß. Aber immer weniger Schulabgänger entscheiden sich für eine Ausbildung im MINT-Bereich. Foto: Chris Hunkeler / flickr (CC BY-SA 2.0)

«Während es bei den MINT-Studienanfängern, insbesondere in den Ingenieurwissenschaften, einen leicht positiven Trend gibt, ging die Zahl neu abgeschlossener MINT-Ausbildungsverträge binnen zehn Jahren um acht Prozent zurück», lautet ein Fazit der Studie. Dabei klafften Vorstellung und Realität weit auseinander. «Von MINT-Auszubildenden wird ein Großteil der durch die Schüler genannten Vorurteile nicht bestätigt.»

Um den Trend umzukehren, seien eine verbesserte Berufsorientierung und vor allem praktische Erfahrungen von zentraler Bedeutung. «Für über 60 Prozent der MINT-Azubis war ein Betriebspraktikum wichtigste Entscheidungshilfe bei der Wahl einer technischen Ausbildung.» Ohne Gegenmaßnahmen werde die vom Institut der deutschen Wirtschaft für 2015 diagnostizierte Lücke von rund 78 000 beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften weiter wachsen. (dpa)

• zum Bericht: Techniknachwuchs braucht das Land!
• zum Bericht: Studie zeigt auf: MINT-Fächer bei Schülern zusehends unbeliebter

12 Kommentare

  1. Die MINT-Fächer in der Sek I haben — abgesehen von Biologie — den Ruf „schwer“ im Sinne von „anspruchsvoll“ zu sein. Außerdem ist es gesellschaftlich anerkannt, diese Fächer „blöd“ zu finden bzw. in ihnen „schlecht“ zu sein. Ob sie wirklich „schwer“ oder „blöd“ sind, sei einmal dahin gestellt, zweifelsfrei bauen sie aber so stark aufeinander auf, dass sich Lücken von 3 Stunden nicht Aufpassen (wollens) ohne unmittelbare Nacharbeit genauso unmittelbar bemerkbar machen — nicht erst nach vielen Monaten oder gar erst Jahren wie in so gut wie jedem anderen Fach, wobei auch hier Latein die Ausnahme bildet. Die Stöhnerei der Schüler darüber ist aber ähnlich laut wie über Mathematik, genauso der Anteil nicht ausreichender Noten. Gleichzeitig ziehen gerade die MINT-Fächer in der für die schulischen Leistungen ungünstigsten Zeit — der Pubertät — am meisten an.

  2. Tja, man muss halt in dem MINT-Fächern ab und an mal dicke Bretter bohren, was in useren Wohlfühlschulen nicht mehr gewollt ist. In den Fremdsprachen reicht es mittlerweile, den Sinn eines Textes annähernd zu verstehen. Genaues Arbeiten ist dort nicht mehr gefragt bzw. gewollt. In Mathe oder in Physik reicht das nicht, wobei es irgendwann einmal bestimmt reicht, wenn das Ergebnis einer Addition ungefähr stimmt (1 + 3 liegt im Bereich von 0 bis 100). Informatik wird von den Schülern mit Daddeln oder Facebook verwechselt. Informatik ist auch nicht das Erlernen einer Anwendersoftware, was in den Ministerien oft so gesehen wird. Dementsprechend sind Schüler dann schnell enttäuscht, wenn sie auch in Informatik DENKEN müssen.
    Lernen darf nicht mehr anstrengend sein, lernen muss Spaß machen, ein völlig verqueres Verständnis von Lernen. Dass es auch Befriedigung verschaffen kann ein dickes Brett gebohrt zu haben, wird völlig vergessen.

    • Zumindest in NRW wurde im Physik-Grundkurs die Mathematik nahezu vollständig aus dem Lehrplan entfernt und durch 24 Kernexperimente ersetzt, von denen 2 in der Abiturprüfung abgefragt werden. Folglich reicht auch dort wie in Biologie ein gutes Leseverständnis. In Mathematik werden große Teile der Rechnungen vom GTR erledigt, Beweise „echter“ mathematischer Sachverhalte, die über das bloße Nachrechnen à la „Zeigen Sie, dass die Funktion xyz einen Hochpunkt bei abc besitzt“, sind schon lange optional. Das böse Erwachen kommt an den Universitäten, die jetzt schon über die fehlenden Fachkenntnisse in Mathematik klagen. Nach dem Abitur 2017, dem ersten Abitur nach dem neuen Lehrplan, wird die Fassungslosigkeit der Universitäten noch weiter zunehmen.

    • Nachtrag: Informatik an der Universität ist im Wesentlichen (angewandte) Mathematik, z.B. das Beweisen von Betriebssystemen und nebenbei Programmieren mit C oder C++/C#. Mit Daddeln, Facebook oder PowerPoint hat das überhaupt nichts mehr gemeinsam.

  3. Blöd sind die schüler eben nicht. Was bitte ist denn verlockend an Berufen wie Elektroinstallateur oder Installateur für Gas/Wasser/flüssige-Medien? Die suchen billige Hilfskräfte zum „Schlitze kloppen“. In den KMUs sieht es für fertige Gesellen im regelfall auch so aus, dass sie nach der ausbildung befristet für ein Jahr weiterbeschäftigt werden und dann sich ’nen Job bei einem Escort-Service für Facharbeiter – aka Leiharbeitsfirma – suchen dürfen.

    Wer clever ist macht eine „Büro-Lehre“, die machen nicht viel in der Berufsschule (Buchungssätze) und der Job geht 9 to 5 ohne Samstags-/Sonntags-/Feiertagsarbeit. Besser geht nicht, wird nämlich auch besser bezahlt als Facharbeiterjobs. MINT – oder übersetzt „muss ich nicht tun“. Wer die Nachfrage nach Fachkräften wirklich so groß, wie er dargestellt wird, würde es bessere Gehälter geben. Die Tariftabellen für technische und kaufmännische Berufe in Unternehmen sprechen Bände.

    Früh aufstehen, sich den Arsxx in zugigen Hallen abfrieren, sich ggf. nach der arbeit noch in seiner freizeit waschen müssen, Berufskleidung selbst zahlen müssen und sich den bewegungsapperat zu ruinieren ist eben nichts für Clevere. Mir fällt da immer der Spruch mit den Erdnüssen und den Affen ein.

    • Nichts für „Clevere“ oder nichts für „Bequeme“? Leute, die sich nichts abverlangen mögen clever zu nennen, ist reichlich fragwürdig.

      • Ich glaube hier sprechen wieder einmal Blinde über Farbe.

        Die Ausbildungssituation in den MINT-Berufen ist es, die die potentiellen Kandidaten abschreckt. So toll ist das „Blaumann-Image“ nicht. Die Mitarbeiter in Büros und Verwaltung schauen nämlich ganz schön herablassend auf ihre „malochenden“ Kollegen herab. Die Aushilfsktaft in der Poststelle hat dann auch noch Zeit sich die Finger zu manuküren, während die Fachkraft für Lagerlogistik sich die Fingernägel ruiniert.

        Die Bürokauffrau ohne Grundkenntnisse in Business-Englisch ist deutlich öher angesehen als die Mitarbeiterin in der Produktion.
        Selbst ein Schachtmeister im Tiefbau genießt nicht das ansehen einer medizinischen Fachangestellten – aka Sprechstundenhilfe – oder einer Steuerfachgehilfin.

        So lange sich die Betriebswirte – vor allem die im Marketing und Vertrieb – sich iund anderen suggerieren können, dass sie es sind, die den Wert eines Unternehmens oder eine Marke ausmachen und nicht die Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung sowie der Produktion, so lange wird es keinen Run auf MINT-Berufe geben.

        Ich rate allen meinen interessierten Schülern von MINT-Berufen eindeutig ab. Wo anders lässt sich leichter und mehr Geld verdienen. Der Kurzschluss – praktische Begabung = handwerklicher Beruf = zu dämlich für eine „bessere Ausbildung“ – sitzt in zu vielen Köpfen, da in längst vergangenen Zeiten die Arbeiter aus der Hauptschule und die Angestellten aus der Realschule kamen.

    • Ist es nicht die Wirtschaft, die immer alles über den Preis regeln will. Also sollte die Wirtschaft nicht jammern, sondern die MINT-Berufe attraktiver machen :-), so dass in Zukunft die Schüler clever sind, die MINT-Berufe wählen.

      • Deshalb heißt es doch Fachkräftemangel, deren Bezahlung ist so mangelhaft, dass die Fachkräfte gezwungen sind etwas andere zu tun, um nicht auszusterben.

      • Die gut bezahlten MINT-Berufe sind die Akademiker (Physiker, Chemiker, Maschinenbauer, Mathematiker usw.). Deren Ausbildung ist nichts für bequeme, setzt aber eine Menge Cleverness im Sinne von Denkvermögen voraus. Die wirklich Cleveren machen BWL, weil Krawatte binden und inhaltsleere Worthülsen absondern können dafür ausreicht.

        Mechatroniker, Gaswassersch***e, Elektroinstallateur sind zweifellos technisch, mit Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft im Sinne der Buchstabenkombination MIN(T) haben sie für mich eher wenig gemeinsam. Der Frauenanteil ist dort trotzdem sehr gering. Das gesellschaftliche Ansehen der „typischen“ Frauenberufe wie Friseurin, Erzieherin, Krankenschwester und Altenpflegerin ist genauso „groß“ wie ihr Einkommen.

        • … nur können sich diplomierte Biologen, Physiker, Chemiger und Mathematiker – oder eben solche mit Masterabschluss – mit dem akademischen Grad den Arsch abwischen. Ohne Promotion läuft in diesen Bereichen nichts oder eine berufliche Karriere als „Laborratte“, weshalb die Naturwissenschaftler und Mathematiker mit Universitätsabschluss im Regelfall eine wissenschaftliche Laufbahn angestreben. Unter Facharbeiter fallen die auch nicht, wenn sie in Industrieunternehmen eine Stelle antreten. Einstein würde posthum vermutlich einen heftigen Brechanfall bekommen, wenn über sich lesen würde, er habe einen MINT-Beruf ausgeübt.

  4. „Vor allem Schülerinnen sind skeptisch – ihr Anteil in MINT-Ausbildungsberufen stagniert bei rund 10 Prozent.“

    Bestimmt alles umweltbedingt und Ausdruck starker Benachteiligung, lach. Hallo, ein gutes Betätigungsfeld für Gender – Aktivistinnen.

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