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Zahl der Flüchtlingskinder in Schulen steigt nur langsam

SCHWERIN. Prognosen dazu, wie viele Flüchtlingskinder die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern in nächster Zeit aufnehmen müssen sind laut Schulminister Brodkorb ausgesprochen schwierig. 100 Zusätzliche Lehrerstellen sollen einen Puffer bilden. Die Besetzung kommt dabei eher schleppend voran.

Die Zahl der Flüchtlingskinder in den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns steigt bisher langsam. Am Ende des vergangenen Schuljahres im Juli drückten 3371 Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache im Nordosten die Schulbank, wie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) am Donnerstag in Schwerin sagte. Ende Oktober seien es 3643 gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 272 Schüler in drei Monaten. Damit haben knapp drei Prozent aller rund 140 000 Schüler im Land eine andere Muttersprache als Deutsch.

Prognosen zur Zahl noch ankommender Flüchtlingskinder gleichen derzeit eher dem Blick in die Kristallkugel, daher soll in Mecklenburg-Vorpommern ein Puffer geschaffen werden. Foto: Christian Schnettelker / flickr (CC BY 2.0)

Prognosen zur Zahl noch ankommender Flüchtlingskinder gleichen derzeit eher dem Blick in die Kristallkugel, daher soll in Mecklenburg-Vorpommern ein Puffer geschaffen werden. Foto: Christian Schnettelker / flickr (CC BY 2.0)

Die Zahlen sollen künftig monatlich erfasst werden, um bei Bedarf zusätzliche «Deutsch als Zweitsprache»-Lehrer einzustellen, sagte Brodkorb. Ständig sollen 100 Stellen als Puffer vorgehalten werden, da Prognosen ausgesprochen schwierig seien. Geld dafür sei im Landeshaushalt vorhanden, sagte der Minister. «Wir haben keine Stellen- und Geldsorgen. Unser Thema ist es, schnell gute Lehrer zu finden.» Bundesweit würden Deutschlehrer für Zuwandererkinder gesucht. Von den aktuell ausgeschriebenen rund 100 Stellen für Lehrer und Erzieher in diesem Bereich sind Brodkorb zufolge bislang 37 besetzt, bei den anderen läuft das Verfahren noch.

Mehrere Gründe vermutet Brodkorb für die verhaltene Zunahme der Zahl ausländischer Schüler. Einer sei, dass offenbar viele Flüchtlinge nicht in Mecklenburg-Vorpommern bleiben, wenn sie ihre Aufenthaltsgenehmigung bekommen haben und ihren Wohnort frei wählen können. Zu Verzögerungen bei der Einschulung könne es kommen, wenn ein ärztliches Gesundheitsattest noch fehlt. Die Schulpflicht für Flüchtlingskinder beginnt in Mecklenburg-Vorpommern dem Minister zufolge, wenn die Familien die Notunterkunft und die Erstaufnahmeeinrichtung verlassen und einen längerfristigen Wohnsitz in einer Kommune haben.

Seit Schuljahresbeginn gibt es auch an Berufsschulen ein Angebot für ausländische Jugendliche. Im ersten Jahr gebe es dort einen Deutsch-Intensivkurs, im zweiten Jahr die Möglichkeit zum Erwerb der Berufsreife. Frühzeitig sollten sich Unternehmen vorstellen, die Lehrlinge suchen. Brodkorb schätzt, dass frühestens zum kommenden Ausbildungsjahr im Herbst 2016 die ersten jugendlichen Flüchtlinge eine Berufsausbildung aufnehmen können. Aktuell lernen den Angaben zufolge 312 Zuwanderer in den Deutschklassen von neun Berufsschulen im Land.

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Simone Oldenburg, forderte zusätzliche Bemühungen für die Integration von Flüchtlingskindern in den Schulklassen. Diese Kinder erforderten mehr Aufmerksamkeit der Lehrer. Die Schulen müssten dafür zusätzliche Lehrerstunden zugewiesen bekommen. An den Berufsschulen seien die Kurse voll. Auch fehle dort ein Zwischen-Angebot für Jugendliche, die nach Schuljahresbeginn eintreffen und nicht in die bereits gestarteten Kurse eintreten können. (Iris Leithold, dpa)

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