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Tiere sind nicht nur zum Kuscheln da – im Zoo-Kindergarten spricht man auch über das Schlachten

Die einzigen Farbtupfer an diesem grauen Novembermorgen sind die rund zwei Dutzend Kinder, die mit knallgelben Gummistiefeln, Regenhosen und bunten Mützen durch den Eingang des Magdeburger Zoos laufen. Jedes einzelne dreht sich zum Kassenhäuschen und ruft «Zookindergarten Magdeburg». Als ob sich die Kassiererin nicht denken könnte, dass die Gruppe um diese Zeit, in der sonst kein Mensch in den Zoo geht, zum gleichnamigen Kindergarten gehört.

Der liegt nur etwa 20 Meter vom Eingang entfernt. Hier werden Kinder ab drei Jahren mit einem besonderen und in Deutschland wohl einmaligen Konzept betreut. Die Einrichtung wirbt damit, der «erste und bisher weltweit einzige Zoo-Kindergarten» zu sein. Einmal in der Woche schauen die Kinder dank einer Kooperation mit dem Tierpark hinter die Kulissen.

Die Zusammenarbeit geht weit über einen gelegentlichen Ausflug hinaus. Die Kinder füttern Tiere, lassen sich von Tierpflegern Wissenswertes zu den Arten erzählen und dürfen viele Tiere streicheln. Die Besuche stehen meist im Zusammenhang mit einem Thema, das die Erzieher in der Woche behandelt haben.

Organisiert wird der Kindergarten auf Vereinsbasis, die Eltern zahlen Mitgliedsbeiträge. Die Betreuung läuft zweisprachig. Drei Muttersprachler sprechen im Beisein der Kinder ausschließlich Englisch. Oft fragen die Kleinen auf Deutsch und die englischsprachigen Erzieher antworten in ihrer Sprache – Spielen mit der neuen Sprache statt Unterricht.

Verwilderte Ziegen auf dem An Teallach, Schottland. (Foto: AndiW/Wikimedia Public Domain)

Dass Ziegen nicht nur niedlich sind, sondern auch zum Essen, lernen die Kinder im Zoo-Kindergarten auch. (Foto: AndiW/Wikimedia Public Domain)

Wobei – für manche ist sie nicht ganz so neu. Etwa für die fünfjährige Emi, die einen japanisch stämmigen Vater hat und auch zu Hause Englisch spricht. «Alle Erzieher verstehe ich», sagt sie stolz. Und dann erzählt sie, wie sie sich auf die Schule freut, in der sie neben Deutsch und Englisch auch noch Französisch lernt. «Gestern haben sich zwei Kinder auf Englisch unterhalten. Nur eines hat einen englischen Hintergrund», erzählt Mary Jamora, die zu den Muttersprachlern gehört und viele Jahre in den USA gelebt hat.

Hans-Günther Roßbach von der Uni Bamberg hat bei der mehrsprachigen Erziehung auch Bedenken. Die Zweitsprache solle nicht nur auf Wunsch von Eltern gelehrt werden, um Kindern einen Vorteil gegenüber Altersgenossen zu verschaffen. Wenn die Kinder aber ohnehin zu Hause mit zwei verschiedenen Sprachen aufwachsen würden, gebe es keine Nachteile. «Es muss passen», sagt der Professor für Elementar- und Familienpädagogik.

Die Kinder sind mittlerweile bis zum Ziegengehege gelaufen. Der Kurator für allgemeine Zoologie, Ulf Lender, versucht, sich Gehör zu verschaffen. Aber die Kinder haben erst einmal nur Augen für die Tiere. Er kennt das schon. Dass mit Eröffnung des Zookindergartens im Jahr 2008 plötzlich regelmäßig Kinder kamen, sieht er positiv. «Das war keine Umstellung, sondern eine Belebung.»

«Warum sind wir denn bei den Ziegen?» fragt Lender. «Füttern!» ruft ein Junge. Aber bevor die Kinder damit beginnen, erzählen sie dem Zookurator das Märchen von den sieben Geislein. «Diese Woche sind Märchen das Thema im Kindergarten», sagt die pädagogische Leiterin der Einrichtung, Katrin Gusewski.

«Unser Schwerpunkt ist die Umweltbildung», erklärt sie. Auf dem über 2000 Quadratmeter großen Gelände des Kindergartens wird auch Obst und Gemüse geerntet. Den Lauf der Natur lernen die Kinder anhand eines Komposthaufens kennen.

Professor Roßbach sieht Wald- und Naturkindergärten durchaus skeptisch. Besuche in Zoos und im Wald dürften die normale pädagogische Arbeit nicht ersetzen. Gegen einen wöchentlichen Zoo-Besuch sei aber nichts einzuwenden.

«Der Trend, wieder mehr in die Natur zu gehen, ist da», sagt der Sprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Ulf Rödde. Es gehe darum, Kinder als kleine Forscher zu begreifen, die die Welt entdecken. Dafür eigne sich die Natur besonders gut, sagt Rödde.

Im Zookindergarten lernen die Jungen und Mädchen auch, dass Kinder nicht nur niedlich und nicht nur zum Kuscheln da sind. Die Kinder nehmen das schreckliche Ende, das der böse Wolf bei den sieben Geißlein nimmt, genauso hin wie die Erklärung des Zoo-Mitarbeiters vor dem Rentier-Gehege. Die Rentiere könne man auch schlachten, das Fleisch essen und das Leder verarbeiten, erzählt er. dpa/Oliver Müller-Lorey

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Zookindergarten Magdeburg

 

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