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Demokratie auch für die Kleinsten: Kinder sollen Mitbestimmung schon in der Kita lernen

SCHWERIN. Respekt und gegenseitige Wertschätzung ist nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) das wichtigste Lernziel in den Bildungseinrichtungen des Landes. Das beginne bereits in der Kita, sagte Sellering bei der Fachtagung «Kinder – Kitas – Kooperationen», die am Dienstag nach zweitägiger Dauer in Schwerin zu Ende ging. «Kinder haben eine angeborene Fähigkeit zur Kooperation und wollen mitgestalten und Verantwortung übernehmen», sagte er. Dafür müsse ihnen der Rahmen geschaffen werden. Mehr als 100 Kita-Erzieher und Vertreter von Trägern diskutierten in Schwerin über bürgerschaftliches Engagement in den Kindereinrichtungen sowie über Möglichkeiten der Mitbestimmung für die Kinder.

Herzstück der deutschen Demokratie: der Bundestag. (Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)

Herzstück der deutschen Demokratie: der Bundestag. Mitbestimmung können auch schon die Kleinsten üben. (Foto: Deutscher Bundestag/Marc-Steffen Unger)

Bei der Konferenz wurde deutlich, dass ein Schlüssel für erfolgreiche Kita-Arbeit die Öffnung nach außen ist. Henrike Regenstein von der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Mecklenburg-Vorpommern lobte: «Wir haben im Land eine Vielzahl von Beispielen, wie sich zivilgesellschaftliche Akteure in die pädagogische Arbeit der Kitas einbringen – Elternbeiräte, die Veranstaltungen und Ausflüge organisieren, Feuerwehren, die das neue Klettergerüst aufbauen, Fahrgemeinschaften zum Schwimmtraining, Vorlesepatenschaften.» Solches ehrenamtliche Engagement sei ein Schatz, der gehegt und gepflegt werden müsse und nicht selbstverständlich sei.

Ein umfangreiches Netzwerk nach außen hat die Kita «Kinderland» in einem Parchimer Plattenbaugebiet aufgebaut. Für Leiterin Bianca Meyer-Maak ist dieses Netzwerk unerlässlich, wie sie berichtete. In der Schwerpunkt-Kita übernehme der Landkreis für 70 Prozent der Eltern die Beiträge. Kinder aus aktuell 16 Nationen würden betreut.

Enge Beziehungen bestehen nach Meyer-Maaks Worten zu den Flüchtlingsunterkünften, zur Grundschule und zu anderen Kitas. Soll ein Flüchtlingskind aufgenommen werden, gehen die Leiterin und die betreffende Erzieherin in die Unterkunft. «Wer das nicht gesehen hat, kann es sich sonst nicht vorstellen», sagte Meyer-Maak. Im Elterncafé, in der Krabbelgruppe oder in der Sprachwerkstatt lernen sich einheimische und zugezogene Eltern kennen.

Wie können Kinder das Mitbestimmen lernen? Auch das ist eine Frage, der bei der Tagung nachgegangen wurde. In Workshops gab es zum Beispiel Tipps, wie Beschwerdeverfahren für die Kinder etabliert werden können, wie man Kinderparlamente organisiert oder wie man bereits mit Krippenkindern im freien Spiel das Teilhaben üben kann. dpa

Zum Bericht: Nötiger denn je: Wie Lehrer ihren Schülern Demokratie vermitteln – Beispiele aus der Praxis

11 Kommentare

  1. Ganz wichtig ist z.B. das Mitbestimmen der KiTa-Kinder darüber, was sie essen und wann sie schlafen wollen. Bei Schulkindern: ob sie etwas lernen wollen.

  2. Als ob es daran liegen würde. Die Leute sind nicht Politik- oder Demokratieverdrossen, sie können die Pappnasen, die vorgaukeln, es würde sich um ein demokratisches Parlament und demoktratische Entscheidungen handeln nicht mehr sehen. Warum wohl haben viele Bürger die Meinung, dass nur wirtschaftliche Interessen zählen?

  3. Zitat: «Kinder haben eine angeborene Fähigkeit zur Kooperation und wollen mitgestalten und Verantwortung übernehmen», sagte er.
    Was für eine Aussage! (Die ich nicht glaube.) Lasst doch die Kinder einmal Kinder sein und stülpt ihnen nicht das (rationale) Erwachsenendenken über! Auswüchse solchen Denkens erleben wir dann wie in dem Buch: „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden“ (Winterhoff) beschrieben.

  4. Genau. Es ist auch viel einfacher, Kindern vorzuschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben.

    Warum sie nach ihre Meinung fragen?
    Warum sie über ihre Angelegenheiten (in einem gewissen Rahmen) mitentscheiden lassen?
    Warum ihnen möglichst früh verdeutlichen, das Menschen gleichwertig sind und jede*r eine Stimme hat?
    Warum ihnen das Mehrheits bzw. das Konsensprinzip nahebringen?

    Irgendwann, quasi über Nacht, haben sie das mit der Demokratie doch verstanden. Erklärst du ihnen in Sozialkunde möglichst langeweilig einmal das mit Bundestag und Bundesrat, haben sie alle Werte dieser Gesellschaft doch ruck zuck verinnerlicht. Aber nein, stopp, es gibt ja noch den „heimlichen Lehrplan“, der das

    Nee, ganz ehrlich: Was es braucht ist eine frühe Erziehung zu Demokratie und Gleichwertigkeit der Menschen und nicht nur den „heimlichen Lehrplan“, der in seinen Grundfesten aus Autorität der Lehrkraft und starker Anpassung der SuS besteht.

    http://blk-demokratie.de/
    http://dgsainfo.de/fileadmin/dateiablage/download/Fleischer_Lorenz.pdf

    Und @GriasDi: Ich sehe das Problem mit Lobbyismus und dem Einfluss wirtschaftlicher Akteure auf das Handeln der Politik genau wie sie. Aber stattdessen die Demokratie als Ganzes zu verdammen, wäre ich vielmehr für eine scharfe Kontrolle der Lobbypolitik, wie sie z. B. von Lobbycontrol gefordert wird. Dann wäre einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste, Einflußkanal der Wirtschaft auf die Politik ausgehebelt.

    https://www.lobbycontrol.de/

    • @Georg:
      Genau, das Vorschreiben ist zunächst viel einfacher. Und zwar in dem Alter, in welchem Kinder rein entwicklungspsychologisch noch gar nicht in der Lage sind, ein Demokratieverständnis geistig zu durchdringen. Nur, weil man es ihnen früher anbietet, heißt es nicht, dass sie es auch früher annehmen. Dazu fehlen faktisch die Grundlagen im Gehirn. Ich habe meinen Buchvorschlag weiter oben durchaus ernst gemeint: Michael Winterhoff beschreibt sehr anschaulich, welche Entwicklungsschritte das Kind wann durchläuft und welche Erziehungsstile in die richtige bzw. falsche Richtung führen.
      Die von Ihnen genannte Anpassung wird immer so negativ hingestellt. Was ist eigentlich so schlimm daran, Anpassung zu lernen? In meinem ganzen Leben muss ich mich an irgendwelche äußeren Gegebenheiten anpassen. Es gehört also unbedingt dazu, dies als Kind zu erlernen (genauso wie Frustrationstoleranz z.B. in Bezug auf Fremdbestimmtheit).

  5. Es dürfen ja nicht mal „normale“ Lehrer darüber mit-entscheiden, was sie im Unterricht zu behandeln haben, warum sollten dann Schüler darüber bestimmen können. Das ist auch eine Form von Demoktratie. Ein demokratisch gewählter Landtag setzt ein Gremium ein, das über die Lehrpläne bestimmt. Daran haben sich dann alle, die mit Schule zu tun haben zu halten.

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