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Jetzt doch: Syrische Flüchtlinge sind hochqualifiziert – neue Studie des UNHCR

GENF. Noch vor wenigen Tagen verlautbarte das ifo Zentrum für Bildungsökonomik unter Berufung auf PISA-Daten, das Bildungsniveau der Flüchtlinge aus Syrien sei vermutlich dramatisch schlecht. Jetzt kommen Ergebnisse einer Befragung von syrischen Flüchtlingen durch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR – und siehe da: Es sind offenbar doch die Hochqualifizierten, die sich auf den Weg nach Deutschland gemacht haben. 86 Prozent von ihnen geben an, über das Abitur zu verfügen, die Hälfte davon sogar zusätzlich über einen Hochschulabschluss.

Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, die Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Foto zeigt syrische Flüchtlinge auf dem Bahnhof von Wien. Foto: Josh Zakary / flickr (CC BY-NC 2.0)

Viel wird davon abhängen, ob es gelingt, die Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Das Foto zeigt syrische Flüchtlinge auf dem Bahnhof von Wien. Foto: Josh Zakary / flickr (CC BY-NC 2.0)

Was stimmt denn nun? Anders als das ifo Zentrum, das sich im Auftrag der OECD PISA-Ergebnisse anschaute – und damit eine Betrachtung des durchschnittlichen Bildungsniveaus der syrischen Gesamtbevölkerung vor Krieg und Flucht liefern konnte –, hat UNHRC aktuelle Informationen von den Flüchtlingen selbst gesammelt, und zwar zwischen April und September direkt an der türkisch-griechischen Grenze, die die allermeisten von ihnen überqueren. Dabei wird deutlich, dass es sich bei den Flüchtlingen nicht um einen repräsentativen Querschnitt durch die syrische Bevölkerung handelt – sondern um „the flowers of their country“, wie das Hilfswerk etwas blumig ausdrückt, also um die Bildungselite des Landes.

Die überwiegende Mehrzahl von ihnen, 78 Prozent, sind unter 35 Jahre alt. Die größte Gruppe, 16 Prozent, gab an, unmittelbar vor ihrer Flucht noch studiert zu haben. Die anderen waren überwiegend berufstätig: neun Prozent zum Beispiel als Kaufleute, sieben Prozent als Handwerker wie Schreiner oder Elektriker, fünf Prozent als Ingenieure oder Architekten, vier Prozent als Ärzte oder Apotheker, dazu noch Lehrer, Rechtsanwälte, Designer und IT-Fachleute. Gut 62 Prozent stammten aus den größten syrischen Städten Damaskus und Aleppo.

„Alles in allem zeigt sich das Bild einer hochausgebildeten Bevölkerungsgruppe, die auf der Flucht ist“, heißt es beim UNHCR. Die meisten der Befragten gaben als Ziel Deutschland an, gefolgt von Schweden. Neben Familienzusammenführung und der Hoffnung, überhaupt aufgenommen zu werden, sind es vermutet gute Arbeitsmarktchancen, die als Grund dafür genannt werden, nach Deutschland zu wollen – sowie der hervorragende Ruf des deutschen Bildungssystems. Offenbar sehen die Familien hier gute Chancen für ihre Kinder.

Der Chef des ifo Zentrums, Ludger Wößmann, hatte dagegen gestern von seiner Studie berichtet, die ein insgesamt „niederschmetterndes Bild“ ergebe. Legt man die Ergebnisse der internationalen Schulleistungsstudien PISA und Timss von 2011 – also für die heute 18-Jährigen – zugrunde, schafften 65 Prozent der Schüler in dem heutigen Bürgerkriegsland nicht den Sprung über das, was die OECD als Grundkompetenzen definiert. Dies bedeute konkret, „dass zwei Drittel der Schüler in Syrien nur sehr eingeschränkt lesen und schreiben können, dass sie nur einfachste Rechenaufgaben lösen können. Und das bedeutet, dass diese Schüler in Deutschland, selbst wenn sie Deutsch gelernt haben, kaum dem Unterrichtsgeschehen folgen können“.

Das Übertragen dieser Daten auf die Flüchtlinge ist aber wohl falsch. Das sagt auch schon die Logik: Eine Flucht kostet Tausende von Dollar – für die einfache und bildungsferne syrische Bevölkerung ist das unbezahlbar. News4teachers

Zum Bericht: Bildungsforscher: Viele Flüchtlingskinder werden dem Unterricht kaum folgen können – selbst wenn sie Deutsch gelernt haben

9 Kommentare

  1. Was sagen denn die Arbeitsmarktzahlen aus Ländern, die schon lange syrische Flüchtlinge aufnehmen, z.B. Schweden?

  2. Der hervorragende Ruf des deutschen Bildungssystems?

    Hervorragend ist wirklich nur sein Ruf. Das sollte den Leuten mal jemand erklären. Vielleicht organisieren sie sich dann gleich nach Ankunft und machen Druck, das ihre Kinder nicht so ausgesiebt werden, wie die Kids aus den anderen Mgrantengruppen.

    Und dann später noch selbst dafür verantwortlich gemacht werden, weil sie sich ja nicht integrieren wollen.

    Der Dreischritt ist herrlich: Gesellschaft schafft Fakten durch Diskriminierung und legitimiert diese im Nachhinein mit Verweis auf die angebliche kulturelle Besonderheit der Gruppe, die diskriminiert wurde.

    Alles schön nachzulesen bei Gomolla/Radtke, Hormel und vielen anderen.

    Als ein Beispiel von vielen, wie sich die deutsche Schule der Migrantenkids entledigt, weil sie schlicht nicht willens ist, sich auf die Unterschiedlichkeit ihrer Schülerschaft einzulassen.

    „Beim Sonderschulaufnahmeverfahren (SAV) zeigte sich die Tendenz, dass im Fall von Kindern mit Migrationshintergrund die sprachlichen Bildungsvoraussetzungen weitgehend ignoriert und Bestimmungen zum Schutz vor einer Überweisung aufgrund sprachlicher Probleme häufig umgangen werden (z.B. mangelnde Überprüfung der muttersprachlichen Kenntnisse; verfrühte Umschulungsempfehlungen in Vorbereitungsklassen). In den Begründungen schwerwiegender Lernstörungen, die in den Interviews vorgetragen werden, sich jedoch auch in Sonderschulgutachten finden, sind Hinweise auf den Sprachstand der Kinder, wie auch Annahmen über ihr sozio-kulturelles Herkunftsmilieu und ihre religiöse Orientierung („Rückzug in die Herkunftsgruppe“, „Koranschulbesuch“ und „islamischem Fundamentalismus“), oft zentrale Argumente. Mit ähnlichen Deutungsmustern wurde in der Schulbehörde der legitime Widerspruch v.a. türkischer Eltern gegen eine SOLB-Überweisung als „Kulturkonflikt“ zurück gewiesen. Ferner wurde deutlich, wie separate, die Schulzeit verlängernde Fördermaßnahmen zu Beginn der Schullaufbahn im weiteren Ausleseprozess in der Grundschule die Schwelle senken, dass zur Objektivierung weiterer Lernschwierigkeiten auf ein SAV zurückgegriffen wird.“ (Gomolla)

    https://heimatkunde.boell.de/2008/02/18/institutionelle-diskriminierung-im-bildungs-und-erziehungssystem-theorie

    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/Literatur_Themenjahr_Behinderung/Hormel_Scherr_Diskriminierung_Grundlagen_Forschungsergebnisse.pdf?__blob=publicationFile

    • Wer viel redet, glaubt am Ende, was er sagt. (Honoré de Balzac)

      • So langsam empfinde ich es als unerträglich, wie hier user der Leserschaft ihren scheinbar einzig richtigen Blick auf die „bundesrepublikanische Gesellschaft“ penetrant oberlehrerhaft – besserwisserisch und einseitig mit dem ideologischen „Hammer“ einzutrichtern versuchen. Für mich geht das schon fast in Richtung ideologische „Gehirnwäsche“.

        Immer mehr Nutzer scheinen sich aus dem Forum zu verabschieden, weil diese Form der Auseinandersetzung einfach nervig, langweilig und ermüdend ist.
        Wenn es so weitergeht, hoffe ich nicht, dass irgendwann ein trauriger Nachruf auf n4t geschrieben werden muss.

        • Milch der frommen Denkungsart

          @ mehrnachdenken:

          Es sind halt die Nachgeburten jener Geisteshaltung, die das Gemeinwesen durch ihre lasche Liberalität schon früher in der ersten Integrationswelle beinahe ersaufen sowie das deutsche Schulwesen durch die fortwährende Senkung der Anforderungen auch fast zu Tode nivellieren ließ, aber dem erstaunten Publikum sogar jetzt noch ihre pharisäischen Wahrheiten als allein seligmachende präsentiert und ihm sektiererisch die richtige Weltsicht vorbe- tet; aber Moralisten waren ja stets von jeher potentielle Meuchelmörder.

          • Im Forum von news4teachers hat jede und jeder das Recht, seine Meinung zu äußern – sofern sie oder er die Regeln des Presserechts einhält, das etwa Verleumdung, Beleidigung und Volksverhetzung unter Strafe stellt. Wir möchten allerdings darum bitten, Begriffe wie „potentielle Meuchelmörder“ nicht in einem Kontext zu gebrauchen, in dem Mitdiskutierende (und natürlich auch andere) angesprochen werden. Das geht zu weit.

            Herzliche Grüße
            Die Redaktion

        • mehrnachdenen, das passt zu Ihnen. Die Gehirnwäsche, die diejenigen betreiben, die Dinge posten, die sie nicht kennen oder die ihrer Meinung widersprechen. Da ist es wieder, das Opferdenken. Ich habe sie doch gar nicht angesprochen, mich gar nicht auf sie bezogen.

          Und eigentlich wollten sie doch eigentlich nicht mehr auf meine Kommentare antworten.

          Und doch passiert wieder das, was ich schon die ganze Zeit beklage. Klagen und persönlich werden, statt zu diskutieren.

          Lesen Sie doch stattdessen einfach mal was von den Sachen, die ich verlinke.

      • Wer wenig liest und diskutiert, dem bleibt am Ende nur andere zu zitieren.

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