Startseite ::: Politik ::: Programmieren soll Allgemeinbildung werden – Baden-Württemberg verankert Informatik als Pflichtfach

Programmieren soll Allgemeinbildung werden – Baden-Württemberg verankert Informatik als Pflichtfach

STUTTGART. Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD) verankert Informatik als Pflichtfach in der siebten Klasse.

Das jetzt vorgestellte Konzept sieht vor, zusätzlich zur fächerübergreifenden Leitperspektive „Medienbildung“ und dem „Basiskurs Medienbildung“ in Klasse 5 einen neuen „Aufbaukurs Informatik“ in der Klassenstufe 7 anzubieten. In den Klassenstufen 8 bis 10 sollen weitere Inhalte aus der Informatik über spezielle Vertiefungsmöglichkeiten vermittelt werden. Begleitend wird ein darauf abgestimmtes Fortbildungskonzept für Lehrerinnen und Lehrer aufgelegt.

„Ein wichtiges Ziel der Bildungsplanreform ist, Kinder und Jugendliche gut auf die Entwicklungen und künftigen Anforderungen in unserer Gesellschaft vorzubereiten. Mit der verbindlichen Verankerung von Inhalten aus der Informatik und der Informationstechnischen Grundbildung wollen wir der fortschreitenden Digitalisierung Rechnung tragen und Schülerinnen und Schülern durchgängig passgenaue Angebote in diesem wichtigen Zukunftsfeld machen“, erklärte Kultusminister Andreas Stoch (SPD).

Computer im Unterricht? Gibt's in Deutschland nicht allzu häufig. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Programieren und kodieren: Informatik soll Bestadnteil der Allgemeinbildung werden. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Der „Aufbaukurs Informatik“ in Klassenstufe 7 soll für Schülerinnen und Schüler aller allgemein bildenden Schularten verbindlich sein und im Umfang von einer Stunde pro Woche unterrichtet werden. Dafür werden zusätzliche Deputate geschaffen. Schülerinnen und Schüler lernen hier beispielsweise, wie ihre Computer und mobilen Endgeräte aufgebaut sind und setzen sich mit Grundkonzepten der Programmierung auseinander. Die Einführung ist für das Schuljahr 2017/2018 vorgesehen.

Als Vertiefungsmöglichkeit in den Klassenstufen 8 bis 10 wird in den Gymnasien und Gemeinschaftsschulen ein neues Profilfach eingeführt. Das Profilfach trägt die Bezeichnung „Informatik, Mathematik, Physik“ (IMP) und kann von den Schulen alternativ zum bereits bestehenden Profilfach „Naturwissenschaft und Technik“ (NwT) angeboten werden. Im Fokus von IMP steht die Informatik; Inhalte aus Mathematik und Physik werden darauf abgestimmt vermittelt. Ein praktisches Beispiel ist die Kodierung von Informationen in Bild-, Audio- oder Videodateien: In IMP lernen Schülerinnen und Schüler die mathematischen Grundlagen, die etwa bei der MP3-Technologie oder Bildbearbeitungsprogrammen zur Anwendung kommen bzw. welche physikalischen Zusammenhänge eine Rolle spielen, wenn diese Daten mittels WLAN oder Mobilfunk übertragen werden.

An den Werkrealschulen/Hauptschulen und Realschulen wird in den Klassenstufen 8 bis 10 ein neues Wahlfach „Informatik“ eingeführt, das interessierte Schülerinnen und Schüler freiwillig belegen können. In diesem Wahlfach sollen insbesondere alltagsrelevante Themen mit Informatikbezug aufgegriffen und Interesse geweckt werden. Die Einführung der Vertiefungsmöglichkeiten ist für das Schuljahr 2018/2019 vorgesehen. nin

15 Kommentare

  1. Milch der frommen Denkungsart

    Ach – und welche Fächer sollen für diesen Neuling, dessen Inhalte eine derart kurzlebige Halbwertszeit aufweisen, denn Stunden abtreten oder gar weichen ? Wahrscheinlich solch marginale wie Deutsch und Geschichte.

    • So eng muss man das nicht sehen, weil IMP als Wahlpflichtfach angeboten wird und nur an sehr großen Schulen mit entsprechend vielen potenziell an Mathe-Physik-Informatik interessierten Schülern zustande kommt. Die eine Stunde in der 7 würde ich aus dem naturwissenschaftlichen Bereich oder aus dem frei zu verteilenden Topf wählen, auch wenn dadurch die Mathe-Deutsch-Englisch-Förderstunde wegfiele.

      Inwiefern Schüler in der Klasse 7 an das Programmieren herangeführt werden können, kann ich nicht beurteilen. Prozentrechnen mit Tabellenkalkulationsprogrammen sind schon schwierig genug.

    • Nein, es kann doch in den Gymnasien alternativ zu NwT angeboten werden. In Realschulen, Werkrealschulen und Hauptschulen wird es als Wahlfach angeboten. Also bleiben Deutsch und Geschichte unberührt.

  2. Wenn Informatik als Pflichtfach so umgesetzt wird, wie in Bayern, wird die Anzahl derjenigen die sich für Informatik begeistern weiter sinken.

    • Details?

      Informatik und Computernutzung / Medienkompetenz sind zwei grundlegend verschiedene Dinge, letztere wird durch die Politik aber häufig als Informatik bezeichnet.

      • Ich spreche schon von Informatik: Tabellenkalkulation, Datenbanken, Programmierung.

        • da schreiben wir von unterschiedlichen Dingen. für mich fängt informatik da an, wo reine Computernutzung im Sinne von Tabellenkalkulation, Datenbank usw. aufhört, d.h. Programmierung und die Strukturen dahinter. die Nutzung können interessierte Laien (Lehrer beliebiger Fächer) vermitteln, Informatik selbst nicht, es sei denn sie haben selbst mal programmieren gelernt.

          • Naja mit Hilfe der Tabellenkalkulation und Datenbanken kann aufs Programmieren vorbereitet werden. Die Strukutren dahinter (Klassen, Objekte, Attribute usw.) werden hier ja auch betrachtet, zum Leidwesen der Schüler.

  3. Haben die Schwaben genug Informatik-Lehrer, um all diese Fachstunden zu geben?

    • wahrscheinlich nicht. Physiker können das per def sowieso (weil sie gelernt haben, sich schnell in komplexe Situationen einarbeiten zu können) und sie in der 7 eine Stunde Physik abgeben mussten. so unrealistisch finde ich das nicht, weil weder Informatik in der 7 noch das Wahlfach imp viel mit Programmierung wie in der sek ii zu tun haben werden.

      • Nun, bei uns in RP gibt es zu wenige Physiklehrer. Auch den gewünschten Informatik-Unterricht in der Mittelstufe können wir nicht halten.

        • Nicht nur da …

          Wenn die nicht vorhandenen Physiklehrer anstelle des nicht erteilbaren Physikunterrichtes den (den Physikunterricht zu ersetzenden und) neu zu etablierenden Informatikunterricht übernehmen würden, ist der Mangel insgesamt nicht größer geworden. Das dürfte den Politikern schon reichen.

  4. Das wäre jedoch sehr schade, wenn der Unterricht aus Mangel an Informatiklehrern nicht so umgesetzt werden könnte. Wollen Informatiker wohl keine Lehrer werden? Ich zweifle daran, dass ein Fortbildungskonzept für Lehrer/innen ausreicht.

    • Ich wiederhole meinen obigen Kommentar sinngemäß: Vermutlich wird jeder technisch interessierte Lehrer den Informatikunterricht, wie er den Plänen nach in Klasse 7 bzw. dem Wahlfach IMP vorgesehen ist, ertragreich halten können. Große Fortbildungen werden dafür nicht erforderlich sein.

      Ach ja: Informatiker, keine ausgebildeten Lehrer, wären schön blöd, wenn sie für ein Drittel des Nettogehaltes bei (anfangs) ähnlich viele Arbeitsstunden pro Woche an eine Schule gehen würden.

      • einen Unterricht in Programmieren könnte ich wohl halten, aber was in den derzeitigen Informatik-Lehrplänen steht, davon verstehe ich gar nichts.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*