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Schulen als „Frühwarn-System“: Lehrer sollen sich gegen islamische Radikalisierung rüsten

HANNOVER. Die radikal-islamische Propaganda erreicht Jugendliche auf dem Smartphone oder im Internet. Um ein Abgleiten junger Menschen zu verhindern, will das Land Niedersachsen Lehrer und Schulen im Kampf gegen die Gehirnwäsche von Salafisten und der Terrorgruppe IS stärken.

Mit solchen Merchandising-Produkten werden Jugendliche für islamistische Terrorgruppen geködert. Screenshot

Mit solchen Merchandising-Produkten werden Jugendliche für islamistische Terrorgruppen geködert. Screenshot

Vom Schulhof in den Dschihad – angesichts einer wachsenden Zahl junger Salafismus-Anhänger gibt es an Schulen in Niedersachsen Sorge vor einer islamischen Radikalisierung. Derzeit gebe es anders als in anderen Bundesländern zwar keine Radikalisierungsfälle an Schulen, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) zum Auftakt einer Fachtagung in Hannover. Damit dies so bleibt, sollen die Schulen aber zu einem Frühwarnsystem gegen eine islamische Radikalisierung junger Leute werden. Bei der Tagung informierten Experten Pädagogen und Sozialarbeitern über neue Tendenzen des Islamismus sowie über Mechanismen der Radikalisierung von Jugendlichen.

Ministerin Heiligenstadt betonte, im Kampf gegen das Gedankengut von Salafisten leiste auch der islamische Religionsunterricht, der sich an den Schulen im Ausbau befindet, gute Arbeit. 30 islamische Religionslehrer unterrichteten bereits an einer weitaus größeren Zahl von Schulen, seit 2012 läuft die reguläre Ausbildung weiterer Lehrkräfte.

Der Osnabrücker Islamwissenschaftler Michael Kiefer erklärte, die Schüler lernten dort, über den Inhalt des Korans nachzudenken und die Schrift anders als die Salafisten nicht strikt wortwörtlich zu nehmen. «Der Religionsunterricht ist als Prävention nicht zu unterschätzen.»
Was aber ist der Reiz, den der Salafismus und insbesondere die Terrorgruppe Islamischer Staat auf junge Leute ausüben?

Islamwissenschaftler Kiefer erklärte, es sei die Anerkennung und die Aufnahme in eine Gemeinschaft, die gerade junge Leute anlocke, die sich in der Gesellschaft ausgeschlossen oder gescheitert fühlten. Die Ideologie des IS biete bei der Suche nach Orientierung ein komplettes Wertesystem mit klaren Strukturen nach einem strikten schwarz-weiß-Schema von Geboten und Verboten. Das vermittelte Gefühl sei, zu einer Avantgarde zu gehören.

Zudem kultiviere der Islamische Staat in seiner Videopropaganda eine Form der Hypermännlichkeit, die starke, schwarz gekleidete und gut aussehende Kämpfer mit martialischen Waffen zeige. Dies spreche junge Männer an und locke verstärkt auch junge Frauen, die diese Kämpfer heiraten wollten. Ein Fünftel der zum IS aufbrechenden Menschen seien inzwischen Frauen. Alleine aus Oberhausen in Nordrhein-Westfalen seien in letzter Zeit 17 Frauen mit ihren Kindern zu der Terrormiliz ausgereist. Über soziale Medien probierten sie, weitere Menschen zur Ausreise zu bewegen. Dass Propaganda über soziale Medien bis auf den Schulhof reiche, belegte Kiefer am Fall des niederrheinischen Dinslaken – von dort sei 2013 eine ganze Schülertruppe nach Syrien aufgebrochen.

Der Migrationsexperte des Sozialministeriums, Hans-Joachim Heuer, betonte, dass es neben der Schule zunächst die Mütter junger Menschen seien, die die ersten Anzeichen einer Radikalisierung ihrer Kinder bemerkten. Für Angehörige gefährdeter Jugendlicher habe sich die vor einem Jahr geschaffene Präventionsstelle gegen Radikalisierung als erfolgreich erwiesen. 40 Fälle von radikalisierten jungen Leuten bearbeite die von den muslimischen Verbänden mit Unterstützung des Sozialministeriums betriebene Anlaufstelle derzeit.

Auf die Gefahr des Alltagsrassismus wies der Hamburger Lehrerfortbildner Rames Michael Oueslati hin. Dadurch könnten gerade solche Menschen zu einer Radikalisierung bewegt werden, die im normalen Leben erfolglos seien. Von Michael Evers, dpa

Zum Bericht: Wie wird ein Jugendlicher zum Terroristen? Experten fordern: Lehrer und Eltern müssen aufmerksam sein

Ein Kommentar

  1. Jugendliche aus migrationsgepragten Familien, die sich ausgeschlossen und gescheitert fühlen und Lehrerinnenfortbildner, die auf Alltagsrassismus hinweisen.

    Damit wären wir wieder beim bei mir so überaus beliebten und hier im Forum ja so gefürchteten Thema: Was ist eigentlich Rassismus? Ein Problem? Oder nur ein perfider meinungsdiktatorischer Maulkorbversuch des Gutmenschen-ZK für die deutsche Volksseele?

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