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„Sozialen Einfluss schwächen“ – Unions-Minister beanspruchen Führungsrolle bei Begabtenförderung

BERLIN. Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Brunhild Kurth (Sachsen) und ihre beiden Amtskollegen Ludwig Spaenle (Bayern) und Alexander Lorz (Hessen) haben ein gemeinsames Ziel. Die einzigen drei Minister aus der CDU wollen die Begabtenförderung an ihren Schulen vorantreiben – und die 13 Kultusminister von SPD, Grünen und Linken unter Druck setzen. «Wir sehen uns als Motor, als Impulsgeber, dieses Thema wieder auf die Tagesordnung zu bringen», sagte die sächsische Ressortchefin, Brunhild Kurth. Mit Spaenle und Lorz unterzeichnete sie eine gemeinsame Absichtserklärung. Damit verärgerten die drei Länderminister ihre Amtskollegen spürbar.

«Wir haben unterschiedliche Philosophien in der Bundesrepublik Deutschland», sagte Spaenle auf einer gemeinsamen Konferenz zur Begabtenförderung in Berlin, die von den unionsgeführten Ländern organisiert worden war. Alle Bundesländer seien eingeladen gewesen. Tatsächlich kamen auch Experten aus den Kultusministerien sozialdemokratisch regierter Länder.

Der Unions-Vorstoß habe «für viel Unmut gesorgt», sagte eine Expertin aus dem SPD-geführten Saar-Kultusministerium über die Stimmung beim KMK-Treffen am Donnerstag. Auch der Sprecher der SPD-regierten Länder in der KMK, Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe, machte das deutlich: «Normalerweise hatten wir erwartet, dass diese Teamaufgabe auch im Team weiter vorangebracht wird», sagte er. «Jetzt haben die drei CDU/CSU-regierten Länder gesagt, dass sie mit einer eigenen Konferenz ausscheren wollen.»

Fordert die Länder zum Einsatz auf: KMK-Präsidentin Brunhild Kurth. Foto: PR

Fordert die Länder zum Einsatz auf: KMK-Präsidentin Brunhild Kurth. Foto: PR

Denn erst im Juni hatten alle 16 Kultusminister gemeinsam eine Förderstrategie für «Überflieger» beschlossen. Traditionell war Begabtenförderung ein Steckenpferd der Konservativen – bei linken Politikern stand sie lange unter dem Verdacht der Eliteförderung. Diese Spaltung hoffte man spätestens mit der gemeinsamen Förderstrategie überwunden zu haben.

Hessens Kultusminister Lorz hingegen betonte, die unionsgeführten Länder hätten eine längere Tradition, Begabte zu fördern. «Deshalb glauben wir, dass wir etwas vorzuzeigen haben», sagte er. Spaenle schlug in dieselbe Kerbe: Für Länder mit der Union an der Spitze habe die Unterstützung für Talente einen zentralen Platz in der Agenda.

Jetzt drängen Bayern, Hessen und Sachsen auf eine konkrete Umsetzung der Förderstrategie, die sich KMK-Chefin Kurth als Vorstoß unter ihrer Leitung anrechnet. Doch das Projekt hatte einen langen Vorlauf: Bereits 2009 beschlossen alle Länder bereits eine Grundsatzposition zur begabtengerechten Förderung.

In ihrer Absichtserklärung vereinbarten Kurth, Spaenle und Lorz, bei der Umsetzung der Förderstrategie eng zusammenzuarbeiten. Die Unterzeichner, so heißt es in dem Papier, seien aber auch für die Beteiligung weiterer interessierter Länder an ihren Vorhaben offen.

Die drei Unionsminister kündigten in der Erklärung eine gemeinsame Arbeitsgruppe an, die den Austausch von Schulen, Fördernetzwerken und Beratungsstellen organisieren soll. Ziel sei auch, gemeinsame Projekte zu entwickeln. Zudem sollen gemeinsame Fortbildungen für Lehrer angeboten werden. Denn vor allem auf Lehrer setzen die Unterzeichner: Die sollen Talente früher entdecken und dadurch den Einfluss der sozialen Herkunft schwächen.

Dass die Herkunft in Deutschland Bildungschancen besonders stark prägt, war eines der Ergebnisse der Pisa-Studie vor 15 Jahren, die nicht nur Bildungsexperten schockte. Die Schüler hierzulande schnitten in zentralen Fächern schlecht ab, sie lagen oft unter dem internationalen Durchschnitt. Inzwischen habe Deutschland aufgeholt, was die leistungsschwachen Schüler betreffe, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Aber, so bekräftigte auch der Psychologe Wolfgang Schneider aus Würzburg, im Bereich der Leistungsstarken sei Deutschland noch nicht am Ziel. dpa, Sophie Rohrmeier

Mehr Information

Grundsatzposition der Länder zur begabtengerechten Förderung 2009

Hintergrund zu Pisa 2000 (Bundeszentrale für politische Bildung)

Förderstrategie der KMK vom Juni 2015

Pressemitteilung Bayerisches Kultusministerium

Pressemitteilung Sächsisches Kultusministerium

2 Kommentare

  1. Zitat: „… im Bereich der Leistungsstarken sei Deutschland noch nicht am Ziel“.
    Wie ist das zu verstehen, da doch Deutschland bisher alles dafür getan hat, die Leistungsstarken zu vernachlässigen?
    Wieso dann „noch nicht am Ziel“? Das war doch in den letzten Jahrzehnten nie ein Ziel. Im Gegenteil.

  2. In einer richtig gemachten und entsprechend finanzierten inklusiven Schule wäre es eine Selbstverständlichkeit, auch diesen Kids jeweils individuelle Angebote zu machen, die auf ihre Stärken eingehen und sie entsprechend begleiten.

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