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Baden-Württemberg: Grüne stehen zum Gymnasium

REUTLINGEN. Mit großer Mehrheit haben sich die Südwest-Grünen für den Erhalt des Gymnasiums ausgesprochen. Ein Antrag der Grünen Jugend, langfristig nur noch auf die Gemeinschaftsschule zu setzen, lehnten 174 Delegierte beim Parteitag in Reutlingen ab. 28 Stimmen entfielen bei schriftlicher Abstimmung auf den Vorschlag der Jugendorganisation.

Seine Regierung hat einen Gesetzentwurf für die Inklusion vorgelegt: Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Steht klar hinter den Gymnasien des Landes: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte sich im Vorfeld für das Gymnasium als sehr beliebte und leistungsfähige Schule stark gemacht. Er gab zu bedenken, dass die gesellschaftlichen Eliten in anderen Ländern Privatschulen besuchten, während alle Menschen in Deutschland auf öffentliche oder Schulen in freier Trägerschaft gingen. „Das ist für den Zusammenhalt dieser Gesellschaft ein unermesslicher Wert.“

Dagegen betonte die Sprecherin der Grünen Jugend, Lena Schwelling, Grün-Rot habe den Auftrag, ein ungerechtes gegliedertes Schulsystem abzuschaffen. Dieses sei aber noch nicht vollständig überwunden. Die Einrichtung gymnasialer Oberstufen laufe bei den Gemeinschaftsschulen schleppend an, weil auf Druck des Koalitionspartners SPD an 44 Modellschulen der neunjährige Weg zum Abitur angeboten werde. Sie wolle das Gymnasium nicht am 14. März 2016 dichtmachen, sondern langfristig die Gemeinschaftsschule wirklich zu einer Schule für alle machen und damit ihre Zukunft sichern: „Lasst bitte nicht zu, dass die heilige Kuh Gymnasium unser zartes Pflänzchen Gemeinschaftsschule schluckt.“

Der Delegierte Till Seiler aus Konstanz pflichtete ihr bei und betonte, das von Kretschmann „per ordre de Mufti“ verordnete Zwei-Säulen-Modell sei nicht zukunftsträchtig. „Die Gemeinschaftsschule soll eine Schule für alle sein, nicht für die Hälfte der Schülerschaft“, sagte der Gymnasiallehrer. Es sei eine Legende, wenn behauptet werde, dass die Gemeinschaftsschulen keine fachwissenschaftlich ausgebildeten Lehrer benötigten. Die 271 Gemeinschaftsschulen bräuchten Multiprofessionalität.

Der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann konterte, dass die Gemeinschaftsschulen Bestand haben könnten neben dem Gymnasium. Es sei wichtig, dass sich die Schullandschaft von unten entwickele und nicht von Parteitagen oder Regierung bestimmt werde. Lehrer, Schulen und kommunale Schulträger müssten mitgenommen werden. (dpa)

Zum Beitrag: Kretschmann stellt klar: Mit ihm ist die Abschaffung des Gymnasiums nicht zu machen

Titelbild: Peter Gugerell / Wikimedia Commons

Ein Kommentar

  1. So eindeutig, wie die Überschrift besagt, scheinen mir die Grünen aber nicht hinter dem Gymnasium zu stehen.
    In wenigen Monaten ist Landtagswahl. Sollten die Grünen dann wieder in die Regierung gewählt werden, geht es m. E. der gymnasialen Schulform garantiert an den Kragen. Vor der Wahl an ihr zu rütteln, wäre nach Kretschmanns Worten „politischer Selbstmord“.
    Es ist also reine Wahltaktik, im Moment noch den Eindruck zu erwecken, als stünden die Grünen zum Gymnasium.

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