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Gleiches Geld für alle Lehrkräfte: GEW nimmt den Kampf wieder auf – Streik in Berlin

BERLIN. Die GEW kämpft wieder: Sie will die gleiche Bezahlung für angestellte wie für verbeamtete Lehrer erreichen – und eine Angleichung für die Grundschullehrkräfte gleich mit. Bei der Tarifeinigung im öffentlichen Dienst der Länder 2015 wurde diese Hauptforderung nicht erfüllt. Deshalb gibt die größte Lehrergewerkschaft keine Ruhe. Und lässt in Berlin die Muskeln spielen. 

Rund 400 Lehrkräfte habe heute in Berlin gestreikt. Foto: GEW

Rund 400 Lehrkräfte habe heute in Berlin gestreikt. Foto: GEW

Mehr als 400 angestellte Lehrer in Berlin sind am Dienstag nach Angaben der Gewerkschaft GEW für höhere Gehälter auf die Straße gegangen. An mehr als 60 Schulen – darunter 46 beruflichen Schulen und Oberstufenzentren, drei Eliteschulen des Sports, zwei Musik-Gymnasien und zwölf allgemeinbildenden Schulen – fiel dadurch Unterricht aus. Nach Angaben der Schulverwaltung beteiligten sich 391 angestellte Lehrer. An den 66 zum Warnstreik aufgerufenen Schulen seien derzeit 2409 Lehrkräfte angestellt.

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will mit dem Warnstreik erreichen, dass angestellte Pädagogen genauso wie verbeamtete Lehrer bezahlt werden. Die GEW forderte erneut Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) auf, mit ihr über eine bessere Eingruppierung zu verhandeln. Die Protestkundgebung wurde deshalb vor dem Amtssitz des Finanzsenators abgehalten.

«Wir fordern die Entgeltgruppe 13 für alle Lehrkräfte mit voller Lehrerausbildung, egal ob sie an einer Grundschule oder einem Gymnasium unterrichten», erklärte die Berliner GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik. «Wenn Herr Kollatz-Ahnen nicht endlich mit uns über einen Tarifvertrag verhandelt, stehen wir demnächst wieder hier, dann aber mit deutlich mehr Kolleginnen und Kollegen.»

«Schon bald werden mehr als die Hälfte aller Berliner Lehrkräfte Angestellte sein – und die lassen sich nicht mehr länger als Lehrkräfte zweiter Klasse behandeln», so die Gewerkschafterin. Insgesamt gibt es nach Angaben der Bildungsverwaltung fast 13.000 tariflich beschäftigte Lehrer in Berlin. Nach Angaben der GEW verdienen angestellte Lehrer im Laufe ihres Lebens zwischen 100.000 und 140.000 Euro weniger als verbeamtete Lehrer.

Kollatz-Ahnen lehnt Tarifverhandlungen bisher ab. Zuständig dafür sei die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), seitdem Berlin dort wieder Mitglied ist. Diese hatte im Frühjahr 2015 nach monatelangen Tarifauseinandersetzungen auch mit dem dbb Beamtenbund und Tarifunion einen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst abgeschlossen. Die GEW stimmte der Einigung nicht zu, weil ihre Hauptforderung bezogen auf die angestellten Lehrer nicht erfüllt wurde.

Der dbb Berlin sieht in dem Lehrerstreik kein geeignetes Mittel, die Forderungen der GEW zu erfüllen. Ziel müsse es sein, alle Lehrer wieder zu verbeamten, erklärte der Verband am Dienstag. Er unterstützte Kollatz-Ahnen, dass nicht der Senat, sondern die TdL zuständig für Tarifangelegenheiten sei. dpa

3 Kommentare

  1. Es ist nicht wahr, dass die TDL für die Eingruppierung von Lehrkräften zuständig ist. Eingruppieren können (und tun sie auch) die Länder wie sie wollen.

    Schön wäre es allerdings es gäbe eine bundeseinheitlich – mit der ausnahme Hessens – ausgehandelte Lehrereingruppierungsordnung (LEGO).

  2. Ja, da stimme ich Ihnen zu.

    Das ohne ein Streikrecht für Beamte bzw. ohne den konsequenten Support von Verdi (die die GEW leider zunehmend im Stich lässt, wie in den letzten Tarifrunde gesehen) wird das leider mehr als schwer.

    • VER.DI und GEW sind beides Dienstleistungsgewerkschaften. Die kämpfen nicht nur gegen einander sondern auch noch innerhalb des DGB gegen die Industriegewerkschaften um mehr Einfluss.

      Hängengelassen wurde die GEW in der letzten Tarifrunde übrigens nicht von VER.DI sondern von den Verbänden innerhalb des DBB.

      Der Blödsinn der gemacht wird ist ja, dass die prozentualen Lohnerhöhungen eins zu eins auf die besoldungen übertragen werden. Da das Steuerbrutto bei den beamten geringer ist, haben sie auch weniger mit der Kalten Progression zu kämpfen. Die Steuerlast ist bei gleichen Lebensumständen (Familienstand/Zahl der Kinder/Alter/etc.) geringer. Das führt zu einer sich immer weiter öffnenden Schere zwischen den Netto-Entgelten.

      Beamte vergessen auch immer, dass sie die Kosten für die Private Krankenzusatzversicherung steuermildernd als Vorsorgeaufwendungen ansetzen können.

      Weiterer Witz des TV-L ist, dass es innerhalb der Tarifgruppen für Lehrer an Grund-, Haupt- und Realschulen das Eingruppierungsmerkmal Nichterfüller (E11) gibt, dieses im höheren Dienst aber entfällt.
      Seiteneinsteiger mit abgeschlossenem Zweiten StEx für ein Lehramt in der Primar- oder Sekundarstufe werden nicht in E12 sondern in E11 eingestuft, Seiteneinsteiger mit Lehramt für die Sekundarstufe I+II erhalten auch als Tarifbeschäftigte E13.

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