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Inklusionsexperte im Interview: Was wir von Schweden lernen können – und was nicht

KÖLN. Deutschland orientiert sich in Bildungsfragen gerne an Schweden – auch bei der schulischen Inklusion gilt das Land als Vorbild. Experten wie der deutsche Sonderpädagoge Dr. Thomas Barow, der seit vielen Jahren in Schweden lehrt, warnen jedoch davor, das schwedische Bildungssystem zu idealisieren. 

N4T: In Schweden ist das gemeinsame Lernen bis zur 9. Klasse die Regel, in Deutschland eher die Ausnahme. Was spricht gegen Schweden als Vorbild?

Barow: Schweden hat international einen unglaublich guten Ruf, aber man muss auch hinter die Kulissen gucken. In der Praxis wird in Schweden häufig noch eine sehr traditionelle Form sonderpädagogischer Förderung betrieben, die nach meiner Einschätzung nur begrenzt dem Anspruch einer inklusiven Schule gerecht wird. Das liegt zum Beispiel daran, wie der Förderunterricht organisiert ist: Ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler – zwischen zwei und drei Prozent – verbringen mindestens die Hälfte ihrer Unterrichtszeit in Sonderschulen oder Sondergruppen. Diese Fördergruppen können teilweise kilometerweit von der eigentlichen Schule entfernt sein, sodass sie gar keinen Kontakt zur allgemeinen Schule haben. Die sogenannte „särskola“, die schwedische Förderschule für geistig Behinderte, wird überhaupt nicht in Frage gestellt. Anders als in Deutschland spielt die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung in der schwedischen Schuldebatte nur eine untergeordnete Rolle.

Werbeplakat der Aktion Mensch zum Thema Inklusion. Foto: Aktion Mensch

Werbeplakat der Aktion Mensch zum Thema Inklusion. Foto: Aktion Mensch

N4T: Was können Schweden und Deutschland voneinander lernen?

Barow: In Deutschland hört man oft den Ansatz, die Kinder müssen zu jeder Zeit gemeinsam in einer Klasse sein. Schweden versucht, flexible Strukturen zu schaffen. Es gibt durchaus Kinder, die zeitlich begrenzt besser gesondert gefördert werden können. Stellen Sie sich ein Kind vor, das im Klassenverband einfach nur Angst hätte, laut vor zu lesen, weil es noch nicht so gut lesen kann. In so einer Situation wäre es angemessen, mit diesem Kind zeitweise einzeln oder in einer Kleingruppe zu arbeiten. Eine Entideologisierung dieser Frage erscheint mir wichtig, wobei eine relationale Perspektive hilfreich ist: Nicht das Kind hat ein Problem, sondern es geht um die Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerin oder Schüler. Die Herausforderung besteht in der Harmonisierung von hohen Leistungserwartungen und Anerkennung von Unterschiedlichkeit. Eine Sache, die mir in Schweden gut gefällt, ist die positive Grundeinstellung: Jeder soll dazugehören. Ich habe das bei meinen Lehramtsstudenten immer wieder festgestellt. In Schweden wird nicht das Ob diskutiert, sondern das Wie. In Deutschland ist das meiner Erfahrung nach noch nicht immer gegeben, auch wenn sich in den letzten Jahren einiges zum Besseren gewandelt hat.

"Es ist nicht alles Gold, was glänzt". Thomas Barow kennt das schwedische Schulsystem. (Foto: Didacta-Messe)

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Thomas Barow kennt das schwedische Schulsystem. (Foto: Didacta-Messe)

Aber Schweden kann auch von Deutschland lernen. Bei uns im Norden durfte bis vor kurzem jeder unterrichten, der sich dazu berufen fühlte. Nur etwa 80 Prozent der Lehrkräfte an schwedischen Schulen sind fachlich adäquat ausgebildet, in der „särskola“ sind es noch deutlich weniger. Viele der Sonderpädagogik-Studenten, die wir in Göteborg in einem Teilzeitstudium ausbilden, arbeiten bereits als Sonderschullehrer – ohne formale Qualifikation. Ich finde es aus Gründen der Qualitätssicherung wichtig, dass man in Deutschland an dieser Qualifikation und an einer langen Ausbildung festhält.

N4T: Hat es Schweden angesichts der historischen Entwicklung seines Schulsystems bei der Umsetzung von Inklusion leichter?

Barow: Schweden hat natürlich eine längere Tradition der gemeinsamen Schule. Das dreigliedrige System in Deutschland ist immer noch der große Stolperstein, an den sich keiner so richtig traut. Jeder Bildungspolitiker, der die Dreigliedrigkeit ernsthaft in Frage stellt, hat ein großes Problem, wiedergewählt zu werden. Der Gedanke der Schule für alle steckt – abgesehen von der Grundschule – in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Allerdings hat Schweden seit den 90er Jahren ein Schulsystem entwickelt, das von Dezentralisierung und Privatisierung gekennzeichnet ist. Rund 14 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Klasse 1 bis 9 gehen in Privatschulen, im Bereich der gymnasialen Bildung ist es ungefähr ein Viertel. Untersuchungen belegen, dass es dadurch teilweise zu einer sozialen Spaltung kommt. Auch sind die Leistungen schwedischer Schülerinnen und Schüler gesunken. Ich befürchte, dass wir uns auf dem Rückweg in ein mehrgliedriges System befinden mit der Gefahr, dass sich Gegensätze verstärken.nin

Auf der didacta 2016 in Köln diskutiert Dr. Thomas Barow unter anderem mit NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann über Inklusion aus europäischer Perspektive.

Forum Bildung
Inklusion: Der europäische Blick
19. Februar 2016; 10:30 – 11:45 Uhr; Halle 6, E 50/F 51 Weitere Informationen unter www.bildungsmedien.de/didacta
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Weitere Veranstaltungen zum Thema:

Forum Unterrichtspraxis
Multiprofessionelle Kooperation in der inklusiven Schule 18. Februar 2016; 13:00 – 14:00 Uhr; Halle 7, B 50/C 51 Weitere Informationen unter www.bildungsmedien.de/didacta
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Forum Unterrichtspraxis
Das Plus-Netzwerk der Gesamtschule Oelde 19. Februar 2016; 14:00 – 15:00 Uhr; Halle 7, B 50/C 51
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e. V.

Sonderschau
Wege zur Inklusion
16. – 20. Februar 2016; jeweils 9:00 – 18:00 Uhr; Halle 8, E 40/F 45
Veranstalter: Ausschuss Frühe Bildung im Didacta Verband der Bildungswirtschaft

17 Kommentare

  1. „Viele der Sonderpädagogik-Studenten, die wir in Göteborg in einem Teilzeitstudium ausbilden, arbeiten bereits als Sonderschullehrer – ohne formale Qualifikation. Ich finde es aus Gründen der Qualitätssicherung wichtig, dass man in Deutschland an dieser Qualifikation und an einer langen Ausbildung festhält.“

    So, so, in Deutschland wird an einer langen Ausbildung festgehalten.
    Gibt es in Deutschland das Studium der Sonderpädagogik eigentlich noch? Immerhin werden immer mehr Förderschulen geschlossen.
    Ist es nicht etwas mutig, bei der Unterweisung in Inklusions – Schnellkursen überhaupt von Qualität zu
    sprechen?

  2. Keine Sorge, die Sonderpädagogik wird es noch lange geben, allein schon, weil die Schritte in Richtung Inklusion – gerade auch in der Ausbildung zukünftiger Lehrer*innen – viel zu zaghaft sind.

    Und das Inklusionsschnellkurse nichts mit Qualität zu tun haben, dürfte allen klar sein.

    Aber sie passen halt einfach wunderbar zum unbedingten Willen, halbherzige Konzepte – die (wie in M-V) neben der internationalen und nationalen Debatte selbst die Empfehlungen der eigenen Erxpertenkommission nicht integriert und eigentlich nur die Förder-/Sonderschule im Gebäude der Regelschule ansiedeln will – mit schickem Aufkleber versehen möglichst kostenneutral an die Gesellschaft bringen zu wollen.

    Darunter leider Kinder und Pädagog*innen. Und der Rest der Republik ist dann sicher, das Inklusion schlimm ist und nicht funktionieren kann. Kein Wunder, kann man da nur sagen.

  3. @ Georg: ich habe jeden Tag 6 Inklusionskinder. Sie auch?

    • Sind Sie allein mit den Kindern?

      Sind Sie langfristig und intensiv weitergebildet worden?

      Gibt es eine umfänglich verfügbare fachliche Beratung für Sie?

      Hat Ihre Schule ein Konzept, dass von allen mitgetragen und für gut befunden wird?

      Ist Ihre Klassengröße spürbar reduziert worden?

      Ist Ihr Stundendeputat merklich gesenkt worden, damit Sie sich auf die Kinder einstellen und auf deren Besondernheiten entsprechend vorbereiten können?

      Werden alle Kinder als besonders und einzigartig angesehen und ist entsprechend auch das Selbstverständnis der Schule inklusive ihrer Struktur, Abläufe, Konzepte und Ausstattung geändert worden?

      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Sie alle Fragen – bis sicherlich auf die erste – mit „Nein“ beantworten werden.

      Kennzeichen für gut gemachte Inklusion wäre aber, wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten könnten – bis auf die erste natürlich.

  4. @ Georg: Heißt das, sie sind dagegen? Ich habe mir das nicht ausgesucht und schon gar nicht die Bedingungen, dachte Sie wären so ein Befürworter. Die Kritik ist doch deshalb allgemein so groß, weil sich eben nichts ändert. Die Sonderschulkollegen kriegen A13 und Ermäßigungsstunden wegen den Besprechungszeiten, ich natürlich nicht.

    Deshalb werde ich das auch in Zukunft ablehnen (wenn ich kann)!!!

  5. Ich meine, alles andere hat sich natürlich bis teilweise auf den drittletzten und ersten Punkt nicht geändert. Deshalb: Bitte nicht weiter schlechte Inklusion, sondern gute Sonderschulen.

    • Ihrer Bitte, Mississippi, schließe ich mich voller Überzeugung an und vermute mal, dass dies die meisten Lehrer offen oder insgeheim tun.

    • Nee, ich bin für Inklusion, aber all die Fragen oben (und noch viele andere mehr) müssten mit ja beantwortet werden, damit es funktionieren kann und sich auch so nennen dürfte.

      Sonst bleibt fast alles so wie es ist, nur eben mit zusätzlichen Kindern, für die die Struktur überhaupt nicht gemacht ist.

      Nicht umsonst kritisieren Inklusionsbefürworter ja immer wieder aufs Neue die mangelhafte Umsetzung und weisen beständig darauf hin, dass es SO nicht funktionieren KANN.

      So wie es anscheinend bei Ihnen ist, sollte es nicht sein – weder für Sie noch für die Kids.

      • Es ist so, wie oft in der Bildungspolitik. Gutgemeinte Neuerungen werden aufgestülpt, ohne vorher die Bedingungen dafür zu schaffen.

        • Und genau das ist das Problem.

          Nicht Inklusion selbst ist das Problem, sondern die Art und Weise, wie sie eingeführt und ausgestattet werden soll.

          Zu eng definiert (reduziert auf Kinder mit Beeinträchtigungen und nicht als umfassender Ansatz, der jedes Kind als Individuum sieht), als Sparmodell (weil die öffentlichen Haushalte leer sind), nicht ausreichend vorbereitet, den Empfehlungen der eigenen Expertenkommissionen und der nationalen wie internationalen Debatte und Erfahrungen nicht folgend (wie in M-V).

          Das geht dann leider zu oft nach hinten los oder kann nur gerettet werden, weil sich die LK in den Schulen mit hohem Engagment einbringen und Konstruktionsfehler ausgleichen, die auf bildungspolitischer Bühne verkackt wurden.

          In M-V z. B. blockiert die CDU in der Großen Koalition möglichst alles, was mit Inklusion zu tun hat. Entsprechend kommt ein Kompromiss heraus, der von den meisten Verbänden im Land kritisiert und abgelehnt wird, weil er Inklusion auf „behinderte“ Kinder reduziert (wie oben beschrieben), zentrale Ausstattungs- und Organisationsfragen unbeantwortet lässt und eigentlich nur Sonderschulbereiche in Regelschulen einführen will, womit die Anormalität der sogenannten „I-Kinder“ erhalten bleibt. Kombiniert wird das alles mit viel zu wenig Geld, viel zu geringer Stellenausstattung, fehlenden Stundenreduzierungen, Schmalspurweiterbildungen.

  6. Wenn ich mich recht an den Inklusionsverlauf erinnere, wurde eingangs gebetsmühlenartig mit der UN-Konvention argumentiert und mit der Behauptung, alles sei viel leichter als die ewig Gestrigen mit ihren Einwänden glauben machen wollten, denn die Inklusion bereichere beide Seiten – sowohl die behinderten als auch die nichtbehinderten Schüler – und erweise sich als Gewinn für alle Beteiligten. Mit etwas Fortbildung und gutem Willen würde jeder Lehrer feststellen, wie wunderbar die Inklusion funktioniert.
    Als sich dann die Enttäuschungen mehrten und Hilfeschreie von überforderten Lehrern nach außen drangen, wurde die Argumentation in Bahnen gelenkt, bei denen es nur noch um Forderungen nach mehr Geld, Personal und Ausstattung ging. Der Inklusionsgedanke selbst blieb unangetastet.
    Dies gibt den Skeptikern Recht, die in der Inklusion von Anfang an nichts anderes als ein Sparmodell vermuten, das die Abschaffung der teuren Sonder- bzw. Förderschulen vorsieht.
    Im Moment dreht sich die Diskussion nur noch um finanzielle und personelle Aspekte, weil es den Inklusionsbefürwortern gelungen ist, vom entscheidenden Punkt abzulenken und Probleme mit der Inklusion allein auf schlechte äußere Bedingungen zurückzuführen.
    Dass der radikale Inklusionsgedanke selbst schon ein Irrtum sein könnte, ist nicht mehr Thema. Hier zeigen Vermeidungsstrategien ihren Erfolg.
    Über Rahmen- und Arbeitsbedingungen oder Methoden sollen sich die Gemüter gern bis in alle Ewigkeit streiten – wichtig ist nur, dass die Inklusion selbst nicht zur Debatte steht und eine Förderschule nach der anderen sang- und klanglos verschwindet.

    • Richtig. Ich zähle zu den Skeptikern,

      Übrigens wurde hier in den Kommentaren der schwierige Umgang mit den ESEL-Kindern diskutiert. Die eigentlich kaum oder garnicht beschulbaren mehrfach geistig schwerstbehinderten Kinder, unter Sonderpädagogen sehr direkt als „Dauersabberer“ bezeichnet, wie ich kürzlich erfahren habe, fanden gar keine Erwähnung. In den Hochglanzprospekten der Politik sowieso nicht. Wohin gehen die eigentlich, wenn die nächst gelegene Förderschule 100km oder so entfernt ist? Mit vier Wochenstunden Sonderförderung ist Kindern, die 24/7-Dauerbetreuung benötigen nicht geholfen. Mit im Zweifel alle paar Monate wechselnde Inklusionshelfer je nach Art der Behinderung auch nicht.

      • So ist es. Gezeigt werden doch meist nur Körperbehinderte, siehe Bild oben und wenn es um behindertengerechte Umbauten geht sind doch nur Aufzüge und Rampen gemeint. Viel schwieriger ist es doch, Geistigbehinderte zu inkludieren. Ich selber hatte vor 40 Jahren schon einen rollstuhlfahrenden Lehrer und eine rollstuhlfahrende Mitschülerin.

  7. „Dass der radikale Inklusionsgedanke selbst schon ein Irrtum sein könnte, ist nicht mehr Thema.“

    Bald wird wieder der Deutsche Schulpreis verliehen. Ist es nicht so, dass dort nur Schulen eine Chance haben, nominiert zu werden, wenn sie die heutigen Vorstellungen von „modernem“ Unterricht erfüllen.
    Dazu gehört zweifellos auch ein Inklusionskonzept.
    Wie das im konkreten Fall einer vorgeschlagenen Grundschule aussieht, möchte ich Ihnen vorstellen:

    „Jeder Mensch ist wertvoll! Jeder ist anders. Es ist normal, verschieden zu sein. Inklusion beginnt in unseren Köpfen.

    Leitsatz: Inklusion

    Unsere Grundschule versteht sich als eine Gemeinschaftsschule für ALLE und unterstützt eine wohnortnahe Beschulung ALLER KINDER- ungeachtet ihrer Begabungen, Herkunft, Religion oder Handicaps. Wir wollen eine Schule sein, die niemanden zurückweist oder ausgrenzt. Wir versuchen nicht, die Kinder passend für die Schule zu machen, sondern eine passende Schule für die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu bauen. Seit vielen Jahren werden bei uns KINDER mit und ohne sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf gemeinsam unterrichtet.

    Inklusion konkret!

    Besucher unserer Schule erkennen sehr schnell, dass die Inklusion bei uns täglich gelebt wird. Unsere KINDER und Kollegen sind in ihrem Aussehen, Empfinden, Lernverhalten, in ihrer Nationalität, ihren Interessen, Neigungen, Handicaps, Bedürfnissen und Fähigkeiten unglaublich unterschiedlich und dennoch arbeiten wir erfolgreich, friedlich und partnerschaftlich zusammen. Kinder aus zehn verschiedenen Nationen besuchen unsere Schule und bereichern mit ihren kulturellen Einflüssen das Leben in der Schule. Am Tag der Sprachen bringen sie uns ihre Heimat und das Verständnis füreinander näher. Unsere Schule hat Partnerschulen in ganz Europa, pflegt Brieffreundschaften zu Schülern aus Portugal und Dänemark, ist Europaschule in Niedersachsen, engagiert sich im Comenius-Projekt und sucht gezielt den Austausch mit anderen Nationen, um so gegenseitige Toleranz und Akzeptanz aufzubauen (vgl. Europa-Curriculum). Unterschiede begreifen wir als Chance und Bereicherung. Jeder hilft jedem. Wir achten aufeinander und finden gemeinsam Lösungen, wenn etwas nicht funktioniert. Jede Klasse tagt wöchentlich in einem Klassenrat. Unser Schülerrat trifft sich in regelmäßigen Abständen, um die Belange, Wünsche und Bedürfnisse, die alle betreffen, zu diskutieren. Alle dürfen mitbestimmen, wie wir an unserer Schule leben und was wir brauchen, um glücklich lernen zu können. Wir haben Schnelllerner und Lerner, die mehr Zeit benötigen, Kinder, die sich bereits sehr selbstständig bilden und andere, die noch viel Hilfe durch einen Lernbegleiter benötigen. Dennoch lernen wir GEMEINSAM in unseren Klassenfamilien. Niemand wird ausgeschlossen oder separiert. Weil die Kinder so verschieden in ihren Anlagen, Bedürfnissen und Lernhaltungen sind, benötigen sie individualisierte Formen von Unterricht.

    Inklusiver Unterricht

    Eine gelebte Inklusion erfolgt nach unserem pädagogischen Grundverständnis in einem gemeinsamen Unterricht, der gemeinsame Lebens- und Lernerfahrungen ermöglicht und der ALLE KINDER spüren lässt, dass sie mit all ihren Facetten angenommen und für die Gruppe bedeutsam sind sowie Mitverantwortung für die Gemeinschaft tragen. Ein gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf ist ein binnendifferenzierter Unterricht mit einem ausgewogenen Wechsel von individualisierten und gemeinsamen Lernsituationen. ALLEN KINDERN wird viel Raum gegeben, entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten, Neigungen und Interessen sowie in ihrem eigenen Lerntempo voranzuschreiten, Arbeitsinhalte mitzubestimmen und somit positive Lernerfahrungen im Sinne von „Ich kann das!“ zu sammeln. Es geht im inklusiven Unterricht darum, ALLE KINDER dort abzuholen, wo sie in ihrem Bildungsprozess stehen und sie entsprechend ihrer individuellen Möglichkeiten stärkenorientiert zu begleiten. Dieser Unterricht unterstützt alle Kinder in ihrer Entwicklung, da er unterschiedliche Lernvoraussetzungen annimmt und dort Basiskompetenzen sorgfältig aufbaut. Im gemeinsamen Unterricht lernen wir immer wieder an individuellen oder gemeinsamen Gegenständen, die verschiedene Zugänge zu den Inhalten sowie eine Arbeit auf verschiedenen Anforderungsniveaus ermöglicht. Tägliche Treffen im PRÄSENTATIONSKREIS dienen dabei als wichtiges Instrument, um den Brückenschlag zwischen Individualisierung und gemeinschaftlichem Denken und Handeln zu schließen. Gleichzeitig dienen sie als Motor, um die Lernfreude hochzuhalten, als Ideengeber für neue individuelle oder gemeinsame Projekte und als Forum, um Kinderleistungen zu würdigen. Um diese hohen pädagogischen Ziele zu erreichen bzw. dieser kindlichen Vielfalt gerecht zu werden, ist eine an modernen Unterrichtsmethoden orientierte Pädagogik unerlässlich. Im gemeinsamen Unterricht werden die Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf zieldifferent beurteilt, d.h. für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf gelten die Vorgaben der entsprechenden Förderschulform. Um das Verfahren für Eltern transparent zu gestalten, werden ausführliche Elterngespräche zu den Bewertungen durch den Grundschul- und Förderschullehrer angeboten. Gemäß unserem inklusiven Verständnis ist der gemeinsame Unterricht einer äußeren Diffe-renzierung vorzuziehen. Allerdings kann bei begründetem Bedarf eine gezielte Förde-rung in Kleingruppen bzw. eine Einzelförderung notwendig sein (s. Inklusionskonzept). Zielsetzungen:
    Wir erweitern innerhalb der nächsten zwei Schuljahre unsere Handlungskompetenz im Umgang mit emotional auffälligen Kindern. Hierzu organisiert die Schulleitung schulinterne Fortbildungen und ermöglicht den Besuch von externen Fortbildungsveranstaltungen.“

    Anmerkung von mir:

    Die Schule ist kürzlich von der Schulinspektion besichtigt worden, und sie erreichte in allen Kategorien ein sehr gutes Ergebnis. Danach soll sie zu den besten Grundschulen in Niedersachsen gehören.

  8. Falsch.

    Die Preise werden ihnen von Kommissionen zugesprochen, die sich die Schule und ihre Konzepte meist vorher ankucken

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