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Malu Dreyer im News4teachers-Interview: „Geld für Integration auszugeben, ist unerlässlich“

MAINZ. Die SPD hat unlängst einen Plan zur Integration vorgestellt, der zusätzliche Milliarden für die Bildung vorsieht. Das Papier, das die Ministerinnen Andrea Nahles, Manuela Schwesig, Barbara Hendricks, die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz sowie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer ausgearbeitet haben, trägt den Titel: „Neustart in Deutschland – 12 Punkte für einen Integrationsplan Deutschland“. Darin vorgesehen ist eine Aufhebung des Kooperationsverbots, das Finanzhilfen des Bundes im Schul- und Kitabereich untersagt. Der Bund soll zum Beispiel zwei Milliarden Euro allein für die Schaffung von 80.000 zusätzlichen Kitaplätzen bereitstellen. News4teachers befragte Malu Dreyer zu der Initiative – sowie zur Arbeit der Schulen in Zeiten von vielen Flüchtlingskindern.

"Ich habe Hochachtung vor der Leistung der Pädagoginnen und Pädagogen in unserem Land": Malu Dreyer, MInisterpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Foto: Land Rheinland-Pfalz

„Ich habe Hochachtung vor der Leistung der Pädagoginnen und Pädagogen in unserem Land“: Malu Dreyer, MInisterpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Foto: Land Rheinland-Pfalz

News4teachers: Sie haben zusammen mit Ihren vier Mitstreiterinnen aus der SPD einen Zukunftsplan für Deutschland aufgestellt, einen Zwölf-Punkte-Plan. Welche Bereiche sprechen Sie damit an und wohin soll es Ihrer Meinung nach in Zukunft gehen?

Dreyer: Mit dem Zwölf-Punkte-Plan haben wir einen umfassenden Integrationsplan für Deutschland vorgelegt. Er setzt auf die bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern beim Thema Bildung, die Stärkung von Ehrenamt und Zivilgesellschaft, den Kitaausbau, den Ausbau von Ganztagsangeboten, Möglichkeiten für einen schnelleren Berufseinstieg, Initiativen gegen Langzeitarbeitslosigkeit, die Förderung des Wohnungsbaus und mehr Mittel für soziale Integration in den Städten. Bei allen Punkten geht es uns um Gesellschaftspolitik für alle Menschen, um Chancengleichheit und um sozialen Zusammenhalt. Wir wollen die Chancen der Zuwanderung nutzen und das Wachstumspotenzial unserer Wirtschaft erhöhen.

News4teachers: Sie fordern, das Kooperationsverbot in der Bildung aufzuheben. Was könnte im Bildungsbereich verändert bzw. umgesetzt werden, wenn es gelänge?

Dreyer: Der Bund könnte die Chancen von Bildung für die Integration nachhaltig und umfassend finanziell unterstützen. Mit Bundesmitteln könnte man Ganztagsschulen ausbauen, Schulsozialarbeit stärken und mehr Pädagogen für die Sprachförderung einstellen. Davon würden nicht nur Flüchtlinge, sondern alle profitieren.

News4teachers: Wo sehen Sie Probleme bei der Umsetzung Ihres Integrationsplans? Und wie sieht die CDU Ihre Pläne?

Dreyer: Es wäre wichtig, wenn die Union endlich erkennt, dass ihre Scheindebatten uns nicht weiter bringen. Das Thema Integration ist für solche Spielchen viel zu wichtig. Wir haben ein umfassendes wie realistisches Konzept vorgelegt und stellen damit die Integrationsdebatte vom Kopf auf die Füße. Nun muss die Union Farbe bekennen, wie wichtig ihr die Integration der Flüchtlinge in unsere Gesellschaft ist.

News4teachers: Auf die Frage nach der Finanzierung sagte Frau Hendricks in der Presse „Das wird der Finanzminister schon hinbekommen“. Welche Ansätze sehen Sie selbst als sinnvoll – woher könnten die angedachten fünf Milliarden Euro kommen?

Dreyer: In Zeiten guter Konjunktur und niedriger Zinsen hat der Bund die Möglichkeit zu investieren. Geld für Integration auszugeben, ist unerlässlich für eine erfolgreiche Zukunft unseres Landes. Wenn wir heute nicht investieren, wird es in Zukunft mehr kosten.

News4teachers: Schulen in ganz Deutschland schauen natürlich gespannt darauf, was die Politik im Bildungsbereich plant? Was würde Ihr Konzept dazu beitragen, um die Situation für Schulen zu verbessern?

Dreyer: Zusätzliche Lehrkräfte und eine gute Versorgung der Schulen mit Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern können viel bewirken. Alle Kinder können noch gezielter gefördert werden. Das ist gut für die Schülerinnen und Schüler, wäre aber auch eine Entlastung für die Lehrerinnen und Lehrer. Für eine Ganztagsschul-Offensive sieht der 12 Punkte-Plan eine Milliarde Euro im Jahr vor. Rheinland-Pfalz ist ein Land der Ganztagsschulen. Mehr als jede zweite Schule ist bei uns inzwischen eine solche. Wir wissen deshalb, wie wichtig Ganztagsschulen für Förderung und zum gemeinsamen Lernen und Kennenlernen sind. Gerade jetzt können sie uns helfen.

News4teachers: Was würden Sie Schulleitern und Lehrern gerne mit auf den Weg geben, um Ihnen Mut für kommende Herausforderungen zu machen?

Dreyer: Ich habe Hochachtung vor der Leistung der Pädagoginnen und Pädagogen in unserem Land. Ich weiß, wie viel sie leisten und bin mir sicher, dass sie auch die aktuelle Herausforderung meistern werden. Integration braucht Zeit und Geduld, aber auch Kraft und gemeinsame Anstrengungen. Wenn sie gelingt, birgt sie Chancen für alle! Die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen passen wir stetig an.

Laura Millmann stellte die Fragen.

Zum Bericht: Flüchtlingskinder: Mehr Milliarden für die Bildung – SPD setzt Merkel unter Druck

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