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Schulforscherin sieht Lehrer für die Integration von Flüchtlingskindern gut aufgestellt

DORTMUND. Überlastete Lehrkräfte, die sich an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit bei der Integration von Flüchtlingen engagieren, in einem Schulsystem, das überfordert vor einer schulischen Flüchtlingskrise steht. Angesichts der Herausforderungen, die sich den deutschen Schulen bei der Aufnahme von Flüchtlingskindern stellen, malen viele Kommentatoren Zukunftsbilder in dunkelsten Farben. Doch es besteht auch Anlass zu Optimismus. Nele McElvany, Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) der TU Dortmund beispielsweise sieht die Lehrkräfte an den Schulen für die Herausforderung fachlich gut gerüstet. Dabei zahlten sich auch die Reformen der letzten Jahre aus.

Mindestens 325.000 Flüchtlingskinder, so eine Schätzung der Kultusministerkonferenz, sind in den vergangenen beiden Jahren nach Deutschland gekommen und müssen nun in den Schulen unterrichtet werden – eine große Herausforderung für die Lehrerinnen und Lehrer. Prof. Nele McElvany, Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) der TU Dortmund, sieht die Lehrkräfte allerdings für diese Herausforderung fachlich gut gerüstet. „Seit dem PISA-Schock haben sich die Schulen stark auf die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund fokussiert. Vor allem im Bereich der Sprachförderung hat sich viel getan. Das zahlt sich jetzt aus – die Konzepte sind da“, so die Bildungsforscherin. „Wir fangen nicht bei null an.“ Auch die Einstellung der meisten Lehrkräfte zu heterogenen Lerngruppen sei positiv.

Die Herausforderungen sind groß, aber es mehren sich die Stimmen, die Deutschlands Schulen zur Integration von Flüchtlingen gut aufgestellt sehen. Foto: Enno Lenze / flickr (CC BY 2.0)

Die Herausforderungen sind groß, aber es mehren sich die Stimmen, die Deutschlands Schulen zur Integration von Flüchtlingen gut aufgestellt sehen. Foto: Enno Lenze / flickr (CC BY 2.0)

Die Grundschulen etwa haben sich laut McElvany bei den großen und nach wie vor aktuellen internationalen Vergleichsstudien IGLU 2011 (Lesekompetenzen) und TIMSS 2011 (mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen) als überaus leistungsfähig erwiesen. Danach erreichen Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland im internationalen Vergleich im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften ein Kompetenzniveau, das im oberen Drittel liegt. In allen Bereichen lägen die Ergebnisse über dem OECD-Mittelwert und über dem EU-Mittelwert. Und: Besonders positiv seien Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund aufgefallen. Sie verbesserten gegenüber den Vorgängerstudien in allen drei Bereichen ihre Leistungen; der Abstand zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern ohne Migrationshintergrund wurde sichtbar verringert.

Grund zum Optimismus – so McElvany – biete auch die Tatsache, dass die Mehrheit der befragten Lehrkräfte positiv gegenüber einer heterogenen Schülerschaft eingestellt sei, also Unterschiede in Leistung und sozialem sowie kulturellem Hintergrund (die durch Flüchtlingskinder ja zunächst vergrößert werden) nicht mehr als Lernhindernisse betrachteten. Dies belegten nicht zuletzt aktuelle IFS- Studien.

Bezüglich der Einstellungen und Motivation zu kultureller, leistungsbezogener und sozialer Heterogenität von Lehrkräften lässt sich demnach sagen, dass diese insgesamt positiv ausgeprägt sind. Im Mittel schätzen Lehrkräfte heterogene Lerngruppen als wertvoll für Schülerinnen und Schüler beispielsweise bezüglich deren schulischem Lernen, der Persönlichkeitsentwicklung und dem Erwerb sozialer Kompetenzen ein.

Neben diesen positiven Einschätzungen zur Nützlichkeit heterogener Schülergruppen für Schülerinnen und Schüler seien die Lehrenden selber auch motiviert, heterogene Schülergruppen zu unterrichten. Den erwarteten eigenen Erfolg im Umgang mit Heterogenität bewerteten sie Lehrer im Durchschnitt günstig.

Gleichzeitig wird allerdings auch der eigene Aufwand beim Umgang mit heterogenen Schülergruppen im Bereich Zeit und Anstrengung (insbesondere für leistungsheterogene Gruppen) gesehen. Negative Emotionen der wie Stress oder Sorge in Bezug auf das Unterrichten heterogener Schülergruppen seien zwar niedrig, bei einem Teil der Lehrerschaft aber durchaus vorhanden.

Insgesamt gäben diese Befunde Anlass zu Optimismus. „Einstellungen und Motivation stellen wichtige Kompetenzen von Lehrkräften dar, die über das Lehrverhalten im Unterricht auf die Unterrichtsqualität und somit auch auf die Leistungen der Schülerinnen und Schüler wirken“, erklärt McElvany. Dass gleichwohl mehr Ressourcen etwa in Form von zusätzlichen Lehrerstellen nötig seien, um die Schulen für die zusätzlichen Schülerinnen und Schüler angemessen auszustatten, sei von den Befunden natürlich unberührt.

Eine ähnliche Ansicht wie McElvany hatte jüngst auch OECD-PISA-Direktor Andreas Schleicher vertreten. Auch er sieht das deutsche Bildungssystem durch die Integration Hunderttausender Flüchtlingskinder vor einer großen, aber machbaren Bewährungsprobe.

Auch im internationalen Vergleich stehe Deutschland Schleicher zufolge relativ gut dar. Dennoch empfiehlt auch der OECD-Direkor weitergehende politische Maßnahmen. So sollten etwa Schüler gemischt und nicht nach Leistungsniveau getrennt unterrichtet werden. Eine frühe Aufteilung auf verschiedene Schulzweige und Klassenwiederholungen sollten vermieden werden. (zab, pm)

• zum Bericht: Frankreich für OECD-Direktor schlechtes Beispiel schulischer Integrationsarbeit – „Deutsche Bildungspolitik hat etwas bewegt“
• zum Bericht: Flüchtlingskinder: Lehrer an der Grenze des guten Willens – Hilferufe nehmen zu

4 Kommentare

  1. Was soll sie auch anderes sagen …

  2. Na das es nicht so ist, hätte sie auch sagen können.

    Oder etwa nicht?

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