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Baustelle Schule: Lehrer beklagen massiven Sanierungsstau

DÜSSELDORF. Manchmal packen sogar Eltern mit an und streichen die Klassenzimmer. Lehrer beklagen einen Sanierungsstau an vielen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Das liegt es auch daran, dass die Städte klamm sind.

Lehrerverbände und Kommunen klagen über einen Sanierungsstau an Schulen in Nordrhein-Westfalen. Der Städtetag NRW forderte am Mittwoch ein Sonderinvestitionsprogramm des Landes zur Instandhaltung der Schulbauten. Laut einer Umfrage des Westdeutschen Rundfunks, an der sich 1021 Schulen beteiligten, befinden sich viele Gebäude in einem sehr schlechten Zustand. 85 Prozent meldeten Mängel an Klassenräumen, Toiletten, Sporthallen, Schuldächern, Aula, Schulhof oder Verwaltungsgebäuden. Der WDR folgert: «Nur 15 Prozent aller Schulgebäude sind baulich völlig in Ordnung.» Betroffen seien alle Schulformen gleichermaßen.

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, sagte, der Zustand hänge stark von der Investitionskraft der Kommune oder des Schulträgers ab. Gerade Ruhrgebietsstädte hätten sehr klamme Haushalte. Kommunen könnten die notwendigen Investitionen alleine nicht schaffen. «Was wir brauchen, ist eine deutliche Unterstützung durch den Bund», sagte der Chef der Bildungsgewerkschaft. Wenn man bundesweit gleiche Bildungschancen haben wolle, müsse der Bund dazu beitragen. Auch den Ganztagsschulausbau gäbe es nicht ohne Mitfinanzierung des Bundes.

In den Schulbau sei über Jahrzehnte zu wenig investiert worden, kritiserte Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Sie betonte, dass ein gutes Umfeld sich positiv auf das Sozialverhalten auswirke.

Die vom Land bereitgestellte Bildungspauschale reiche nicht aus, um kurzfristig den Modernisierungsbedarf zu leisten, erklärte der Städtetag NRW. Kommunen hätten den Sanierungsstau nicht fahrlässig herbeigeführt. Viele Städte könnten wegen Sparzwängen die Investitionen zu Erhalt und Sanierung schlichtweg nicht bezahlen.

Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbandes Lehrer NRW, sprach angesichts des Zustands der Gebäude von einem «Desaster mit Ankündigung». Es sei typisch, dass das Schulministerium die Verantwortung dafür an die Kommunen weiterreiche. Schon beim Thema Inklusion – dem gemeinsamen Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten – lasse sich beobachten, wie Schulen und Kommunen mit Problemen alleingelassen würden. dpa

Zum Bericht: WDR-Umfrage: Schulgebäude in NRW sind marode

2 Kommentare

  1. Wenn Eltern oder Vereine in den Schulen selbst handanlegen wollen und das auch noch tun können, glückwunsch!
    Meist sieht das jedoch anders aus: Sie wollen auf eigene Kosten sanieren?! – Geht nicht, ist nicht erlaubt.
    Schon zu meiner Schulzeit war ein Gutteil der Schulen sanierungsbedürftig und das ist jetzt fast 10 Jahre her. Manche Stadt hat das damals noch vorhandene Geld lieber in irrsinnige Prestigeprojekte gepumpt, statt in die Schulen.

    • In der Zeit, in der Schule einmal renoviert wird, ist die Fußgängerzone bereits fünfmal umgestaltet worden. Der Handelsstandort muss nämlich attraktiver werden und die Einzelhändler dürfen auf keinen Fall belastet werden.

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