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Besetzte Turnhallen – Berlin bietet Ersatzprogramm für Schulsport

BERLIN. Weil Turnhallen durch Flüchtlinge belegt sind, geht es für rund 8000 Berliner Schüler statt des traditionellen Schulsports nun zum Klettern, Tanzen oder Schwimmen. Bisher nähmen 341 Klassen an 31 Schulen Angebote des neuen Bündnisses für den Schulsport in Anspruch, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Freitag. Die Zahl könne sich noch auf etwa 40 Schulen erhöhen. Lehrer an betroffenen Schulen können auf einem Online-Portal alternative Sportstätten für ihre Klassen buchen.

30 Schulsporthallen werden aktuell als Flüchtlingsunterkunft genutzt – als Notlösung, wie Scheeres betonte. Weitere Schulen sind indirekt betroffen, weil Kinder aus anderen Schulen ihre Hallen zusätzlich nutzen.

Finanziert wird das Projekt aus einem Sonderbudget des Landes von 1,5 Millionen Euro, das bis Juni zur Verfügung steht. Pro Klasse können zunächst bis April 500 Euro beantragt werden. Wie viele Wochenstunden Sport damit möglich sind, will Scheeres nicht festlegen. «Die Schulen sollen so viele Sportangebote wie möglich wahrnehmen können, wenn sie es möchten.» Die meisten Schüler im Programm kommen bisher aus Pankow und Reinickendorf, wo viele Hallen belegt sind.

Bundesweit sind Flüchtlinge in Sporthallen untergebracht - der Sportunterricht muss deshalb häufiger wohl ausfallen. Die Sporthalle auf dem Foto ist übrigens nicht betroffen. Foto: Stadt Kamp Lintfort, flickr(CC BY-NC-SA 2.0)

Bundesweit sind Flüchtlinge in Sporthallen untergebracht – der Sportunterricht muss deshalb häufiger wohl ausfallen. Die Sporthalle auf dem Foto ist übrigens nicht betroffen. Foto: Stadt Kamp Lintfort, flickr(CC BY-NC-SA 2.0)

Sportzentren seien dem Bündnis preislich entgegengekommen, da die Schüler zu typischen Leerzeiten dorthin kämen, sagte Christian Schwab vom Sportnetzwerk funpool. Nach seinen Angaben sind bisher etwa 40  Sportzentren online buchbar – Tendenz steigend. Das Buchungsportal Eversport macht nach eigenen Angaben keinen Profit bei Buchungen: Man hoffe langfristig auf neue Kunden, hieß es.

Daneben bietet der Berliner Leichtathletikverband nun etwa Lauftreffs in Schulnähe, wie dessen Präsident Gerhard Janetzky sagte. Der Verband beklagt schon länger Trainings-Einschnitte bei Profis und Nachwuchs, weil Flüchtlinge in Hallen untergebracht wurden. Als Alternative zum Schulsport wolle man auch Zirkeltraining etwa auf dem Schulhof improvisieren oder Sportwanderungen ins Olympiastadion anbieten.

Sicherlich müsse das Angebot noch dichter werden, damit Schulen auch in ihrer Nähe fündig würden, so Schwab. «Wir müssen auch erst lernen, was der Bedarf ist.» Für Grundschüler etwa seien womöglich Indoor-Spielplätze sinnvoller als die bisherigen Angebote. dpa

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