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Dem Handwerk fehlen Lehrlinge – vor allem weibliche

MAGDEBURG. Viele Handwerksbetriebe suchen vergeblich nach Lehrlingen. Die Kammern in Sachsen-Anhalt wollen künftig mehr junge Frauen und Abiturienten gewinnen.

Obwohl das Handwerk seit mehreren Jahren verstärkt auf Azubis aus der Europäischen Union setzt, sind in Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr wieder Hunderte Lehrstellen unbesetzt geblieben. Trotz der Verstärkung durch EU-Lehrlinge konnten die Betriebe 2015 rund 100 neue Lehrlinge weniger gewinnen als im Vorjahr. Im Norden des Landes fingen knapp 1300 junge Menschen eine Ausbildung an, wie die Handwerkskammer (HWK) Magdeburg mitteilte. Das waren 75 weniger als 2014. Im Süden des Landes sank die Zahl nach Angaben der HWK Halle um 28 auf rund 1330 – bei gleichzeitig Hunderten offenen Stellen.

Die Probleme sind vielzählig: Weiterhin weniger Schulabgänger, mitunter mangelhafte Vorkenntnisse der Bewerber sowie vergleichsweise geringes Interesse bei Abiturienten und Mädchen, erklären Experten der Kammern. Deutlich macht das etwa eine Zahl aus Magdeburg: Nur jede fünfte Lehrstelle wurde von einem Mädchen angetreten.

«Die Bewerberinnen konzentrieren sich leider immer noch auf wenige Berufe wie Friseurin oder Kauffrau für Büromanagement», sagte der Geschäftsführer der HWK Magdeburg, Burghard Grupe. «Den Trend versuchen wir zu durchbrechen.»

Gerade Betriebe im Metallhandwerk, in der Elektrotechnik und dem Nahrungsmittelgewerbe meldeten besonders viele offene Lehrstellen – und besonders wenig weibliche Azubis. Im Süden des Landes lernen laut Kammer beispielsweise 153 junge Menschen Konstruktionstechniker. Darunter ist jedoch nur ein Mädchen.

Um die Nachwuchssorgen zu entschärfen, blickt das Handwerk verstärkt auf die Abiturienten. Laut Landtagsbeschluss solle künftig auch an Gymnasien neben der Studien- auch die Berufsorientierung eingeführt werden. «Wir brauchen die Guten im Handwerk, da in vielen Gewerken inzwischen auch qualitativ hohe Ansprüche an den Nachwuchs gestellt werden», sagte Grupe. Mit den Vorkenntnissen ihrer Lehrlinge sind nicht wenige Betriebe unzufrieden. In einer Umfrage der Handwerkskammer Halle gab jedes sechste befragte Unternehmen an, dass das aus der Schule mitgebrachte Wissen nicht ausreichend sei.

Um die Nachwuchssorgen zu mindern, setzt das Handwerk auch auf EU-Azubis. Im Norden des Landes lernen demnach derzeit 61 ausländische Jugendliche. Im Süden wurden über das Projekt MobiPro laut Kammer rund 40 Azubis verpflichtet.

«Die ausländischen Fachkräfte allein werden das Problem nicht lösen», so HWK-Geschäftsführer Grupe. «Aber sie sind ein Mosaikstein. Wir haben noch keine Patentlösung und rechnen damit, dass sich die Lage weiter verschärft.» dpa

2 Kommentare

  1. Die Schülerinnen sind halt cleverer als die Ausbildungsbetriebe denken.

  2. Es gab doch ernst gemeinte Veröffentlichungen, dass das biologische Geschlecht überhaupt keine Rolle spielt. Folglich sind die Klagen des Handwerks genauso belanglos.

    Und jetzt mal richtig: So lange der Weg zum Abitur so einfach bleibt (Ehrgeiz, gesunder Menschenverstand und sehr gutes Leseverständnis genügen, also gerade das, was die Mädchen gängigen Studien zufolge besser können als Jungs), wird das Handwerk seine Schwierigkeiten mit dem Nachwuchs behalten. Mit Abitur wird man nicht Konstruktionsmechaniker (aka Metallbauer), ein viel mehr körperlich als intellektuell anstrengender Beruf, für den bereits ein Hauptschulabschluss genügt.

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