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Einmalig: Bremen führt Theater als Leistungskurs ein – Modellprojekt für Schulen bundesweit

BREMEN. In der Schule fürs Leben lernen? Eine Bremer Oberschule geht kreativ an dieses Ziel heran: Dort gibt es den bundesweit einzigen Leistungskurs im Fach Darstellendes Spiel. Theaterspielen wird so zum Abiturfach wie Mathe oder Biologie.

In Anja Engels Klassenzimmer gibt es weder Tische noch Stühle. Die Schülerinnen der zwölften Klasse laufen kreuz und quer durch den Raum, nur mit Gestik und Mimik sollen sie eine spontan ausgedachte Figur darstellen. Auf Kommando von Lehrerin Engel bleiben sie stehen und erklären, wen sie gerade spielen: Eine Schülerin mimt eine alte Frau, die nicht ohne Hilfe über die Straße kommt. «Ich bin Kevin, fünf Jahre, und kriege den Legostein nicht mehr aus meinem Ohr raus», sagt eine andere. Solche Improvisationsübungen gehören zum typischen Aufwärmprogramm am Anfang des Unterrichts – im Leistungskurs Darstellendes Spiel.

Anders als in Mathematik oder Deutsch sollen die Schüler sich in diesem Leistungskurs aus ihrer Komfortzone herauswagen. Schülerin Anuschka findet es befreiend, beim Theaterspielen jemand anderes sein zu können. «Ich gehe mit mehr Kraft aus dem Kurs heraus», sagt die 18-Jährige. «Man wird selbstbewusster und lernt, wie man besser mit sich und anderen umgeht», meint ihre Klassenkameradin Vanessa.

Theater als Schulfach ist zwar nicht neu. Den bundesweit einzigen Leistungskurs gibt es aber erst seit 2014 an der Oberschule am Leibnizplatz in Bremen. Im Modellversuch prüfen die Bremer Bildungsbehörde und die Kultusministerkonferenz bis 2017, ob es künftig Leistungskurse im Fach Theater bundesweit geben soll.

Die Oberschule am Leibnizplatz bekam den Zuschlag für den Versuch wohl auch wegen ihrer engen Verbindung mit der Schauspielkunst. In unmittelbarer Nachbarschaft hat die Bremer Shakespeare Company ihren Sitz. Die Profi-Schauspieler gestalten den Kurs zum Teil mit.

Schultheaterszene

Theater im Abitur? In Bremen ist das jetzt möglich. Foto: David Ortmann / flickr (CC BY-NC 2.0)

Und die Nachfrage wächst: Im ersten Jahrgang waren es noch neun Schülerinnen. Für das kommende Schuljahr hätten sich bereits 20 Teilnehmer angemeldet, sagt Engel. Von ihrer derzeitigen zwölften Klasse – ein Junge und elf Mädchen – haben einige sogar extra wegen des Theater-Kurses die Schule gewechselt.

Darstellendes Spiel bietet einen kreativen Freiraum, den andere Fächer nicht haben. Im Schauspiel haben die Jugendlichen die Möglichkeit, verschiedene Facetten ihrer Persönlichkeit auszuprobieren. «Auf der Bühne darf man alles sagen und Dinge tun, die man sonst nicht tut», sagt Kursleiterin Engel.

Den Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung sieht Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, als Gewinn. Dieser komme in der Schule häufig zu kurz. «Es ist toll, wenn die Schüler das mit ins Abitur einbringen können», sagt Meidinger. Auch Nathalie Forstman begrüßt die Wertschätzung, die die Bühnenkunst mit einem Theater-Leistungskurs erhält. Forstman leitet die «Jungen Akteure», eine Schauspielwerkstatt am Theater Bremen. Im Darstellenden Spiel könne man lernen, kreative Lösungen zu finden. Außerdem wecke das Fach bei jungen Menschen Interesse am Theater.

Wie aber passt ein derartiger Kurs in den Lehrplan? Wie in anderen Fächern gehören auch Theorie und Klausuren zum Darstellenden Spiel. In der Abiturprüfung müssen die Schüler ein eigenes Konzept für ein Stück entwickeln. Etwas vorspielen müssen sie aber nur, wenn sie sich freiwillig für eine praktische Zusatzprüfung entscheiden.

Und was nehmen die Schüler aus dem Kurs mit für das spätere Leben? Sie lernen laut Engel, sich sicher auszudrücken und erfolgreich zu kommunizieren. Das kann bei Vorstellungsgesprächen hilfreich sein oder auch in Berufen, die Auftritte vor großen Menschenmengen mit sich bringen. Einer ihrer ehemaligen Theaterschüler mache heute in der Politik Karriere, erklärt die Lehrerin. Jan Ewringmann, dpa

3 Kommentare

  1. bislang war literatur — in nrw der theaterkurs — als Ersatz für Kunst oder Religion ein Garant für 15 notenpunkte, vorausgesetzt die Aufführung war erfolgreich, was sie immer war. ein kleines geschmäckle hat der lk für mich doch, schon weil bremen im ländervergleich sehr weit unten liegt und das damit möglicherweise ändern möchte.

  2. In der heutigen Zeit ist doch schauspielern wichtiger als Wissen. Gutes vorgaukeln von Wissen steht höher im Kurs als echtes Wissen. Diejenigen die echtes Wissen und Können haben, werden dann von den nicht-wissenden als Bedenkenträger abgekanzelt und bekommen noch volle Zustimmung der Mehrheit. Also weiter so. Weniger Wissen, mehr Schauspielerei.

    • Bullshit – in Mathe erfinden die sus auch nix Neues, die wenden bekannte Formeln auf variierende Aufagbenstellungen an.

      Auch die D-LK verfassen keine Literatur.

      „In der heutigen Zeit ist doch schauspielern wichtiger als Wissen. Gutes vorgaukeln von Wissen steht höher im Kurs als echtes Wissen“ – Sehen Sie, Sie derfinieren ja schon selbst die Voraussetungen für gute Lehrer.

      In D sind mehr Ingenieure im Vertrieb oder technischen Support beschäftigt als in der Fertigung – von dem Bereich F&E (neudeutsch D&R) ganz zu schweigen,

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