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GEW lobt und tadelt Kretschmann vor der Wahl: Bildungsreformen können sich sehen lassen, Lehrer-Arbeitsbedingungen nicht

STUTTGART. Knapp sechs Wochen vor der Landtagswahl hat die GEW die von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geführte Landesregierung von Baden-Württemberg für die Auflösung eines Reformstaus gelobt – und die bisherige Opposition davor gewarnt, die Bildungslandschaft nach dem 13. März wieder umzukrempeln. Die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz kritisierte aber auch, dass es von Grün-Rot kaum Vorschläge für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Lehrern gebe.

Durchwachsenes Zeugnis von der GEW: Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Durchwachsenes Zeugnis von der GEW: Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: BÜNDNIS 90/Die Grünen/Flickr CC BY 2.0

Die Belastung in den Schulen sei hoch, die Fehlzeiten durch Krankheit würden absehbar steigen, sagte die GEW-Chefin voraus. Allerdings gehe keine Partei in ihrem Wahlprogramm darauf ein, wie ausfallende Lehrer vertreten werden sollen, beklagte die GEW-Chefin. Moritz forderte außerdem, Schulleiter kleiner Schulen zu entlasten und junge Lehrer wieder besser zu bezahlen. Kein gutes Zeugnis stellte Gewerkschaftschefin Moritz den Gegnern von Rot-Grün in der Auseinandersetzungen um die schulischen Veränderungen im Land aus: Die Debatte wird von ihnen ihrer Ansicht nach «hoch emotional und unsachlich» geführt.

Am heftigsten umstritten ist in der grün-roten Bildungspolitik die Verankerung der Leitperspektive «Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt» im Bildungsplan. Aus Sicht der GEW sieht der Bildungsplan jedoch eine durchaus altersgemäße Befassung mit unterschiedlichen sexuellen Identität und Lebensweisen vor. Bei mehreren «Demos für alle» in Stuttgart waren Tausende Menschen gegen eine «Sexualisierung unserer Kinder» auf die Straße gegangen. «Aufgabe der Schule ist es, Toleranz und Akzeptanz gegenüber der Verschiedenheit von Menschen zu schaffen», sagte Moritz. Das sei besonders jetzt wichtig, wo Rechtspopulismus, Rassismus und Gewalt gegenüber Minderheiten zunehmen. Moritz schlussfolgerte: «Jede „Demo für alle“ liefert den Beweis für die Notwendigkeit der Verankerung dieser Leitperspektive.»

Das SPD-geführte Kultusministerium wies die Kritik, die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen seien dringend verbesserungsbedürftig, zurück. Damit Schulleitern kleiner Schulen mehr Zeit für Leitungsaufgaben haben, wurden nach Angaben des Ministeriums 88 zusätzliche Deputate zu deren Entlastung bereitgestellt. Die Zahl der ausgefallenen Lehrerstunden liege seit Jahren bei rund drei Prozent. dpa

5 Kommentare

  1. Also bitte: Wie soll man einer Betonideologie sachlich begegnen? Frau Moritz sollte zur Kenntnis nehmen, dass der Schulbetrieb nur deshalb noch läuft, weil sich gestandene Lehrer das Kotzen auf den Schulflur verkniffen haben. Anders kann man Phrasen wie „individualisiertes Lernen“ (das „Arbeitsbogenunwesen“) oder „längeres gemeinsames Lernen“ nicht kommentieren. Es raubt den Kindern die Chance auf Kognitionsentwicklung und dem nterricht jede intellektuelle Siubstanz; es macht alles Reflexionswissen zu Objektbegriffen und konterkariert die letzten zwanzig Jahre fachdidaktische Enhtwicklungen. Diese Bildungspolitik kann nicht gelobt werden;: sie steht für die Entpersonalisierung und Banalisierung der Bildung, für Niveauverlust, für ideologische Fluchtwelten, für das Treten der Intellektualität mit den Füßen.

    • Absolut richtig! Guter KommentarR

      • Gut begründet -Ihre Zustimmung?!
        Und so wohl unterlegt mit mit eigenen Argumenten.

        Ich für meinen Teil empfinde den DDR-Kommentar (oder habe ich da jetzt die Buchstaben verstauscht?) für eine typisch „losgelassene frustrierte Meinung“ (einfach formuliert) – ohne „kognitiven“ Bezug (um einen Begriff aufzugreifen).

  2. Auch die GEW hat den Wahlkampf eröffnet. Aber es sieht unabhängiger aus, wenn man auch was kritisiert.

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