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Integration von Flüchtlingskindern im Fokus: Heute beginnt die „didacta“

KÖLN. Turbulente Zeiten fürs Bildungssystem: Mit Hunderttausenden Flüchtlingen wächst die Vielfalt in Kitas und Schulen. Auch der Bedarf an geeignetem Unterrichtsmaterial steigt. Das zeigt sich zur weltgrößten Bildungsmesse „didacta“, die heute in Köln startet – die Themen Integration und Sprachförderung rücken in den Mittelpunkt. Daneben gibt es Schwerpunkte beim digitalen Lernen sowie der Inklusion. Eine Referentin hat Heiteres im Angebot: Sie wirbt für Humor im Unterricht. News4teachers berichtet die Woche über tagesaktuell von der Messe.

Die "didacta" ist die größte Bildungsmesse der Welt. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

Die „didacta“ ist die größte Bildungsmesse der Welt. Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

Mit den Hunderttausenden Flüchtlingskindern, die neu an die Schulen in Deutschland gekommen sind, wächst auch der Bedarf an speziellen Unterrichts- und Lernmaterialien. 2015 sei die Nachfrage für Kitas, Schulen und Erwachsenenbildung deutlich gestiegen, berichtete der Verband Bildungsmedien vor dem Start der weltgrößten Bildungsmesse didacta in Köln. Allein für die Sprachförderung in den Übergangs- oder Willkommensklassen habe die Branche inzwischen weit über 1000 Titel im Angebot, sagte Verbandschef Wilmar Diepgrond.

Die Integration der Flüchtlinge stelle das Bildungssystem vor große Herausforderungen, was aber nicht als Problem, sondern als Bereicherung und «große Chance» zu sehen sei, betonte Wassilios Fthenakis, Präsident des Didacta-Verbands. Sprache sei als «Instrument der Teilhabe» essenziell. Sprachförderung gehe aber bisher noch «selten über Altbekanntes hinaus», fokussiere sich zu stark auf Vokabeln, Grammatik, Syntax. Die Konzepte müssten weiterentwickelt und modernisiert werden. Schon jetzt habe jedes dritte Kind unter zehn Jahren einen Migrationshintergrund, der Anteil werde zunehmen.

Die Bildungswirtschaft stelle für den Integrationsprozess neue Materialien, Technologien und Bildungskonzepte bereit, die auf der Didacta ab kommenden Dienstag präsentiert werden, sagte Fthenakis. Nachholbedarf habe Deutschland bei der digitalen Bildung. Deutschland investiere hier zu wenig, die virtuelle Kompetenz der Kinder müsse gestärkt werden. Diepgrond zufolge ist die Nachfrage nach digitalen Medien nach wie vor sehr gering. Das liege vor allem an den Rahmenbedingungen – etwa fehlende technische Ausstattung oder geringe Finanzmittel der Schulen.

Lachen erlaubt: Humor sollte stärker als didaktisches Mittel im Unterricht eingesetzt werden. Dafür wirbt Eva Ullmann, Referentin bei der „didacta“. «Humor hat viele Funktionen. Er kann die Lernatmosphäre beflügeln, die Stimmung lockern, Spannung erzeugen, aber auch Lerntiefe schaffen», sagt Ullmann, Gründerin des Deutschen Instituts für Humor. Richtig dosiert und eingesetzt, führe Humor zu einem lebendigeren Unterricht und könne Motivation und Konzentration der Schüler steigern.

Die Offenheit für das Thema wachse an den Schulen, berichtet Ullmann, die seit Jahren Seminare anbietet. «Ich bin sehr entzückt und überrascht, wie viel Humor in den Einzelpersonen liegt. Humor wird aber nicht an allen Schulen als nützliche Ressource gesehen.» «Leichtigkeit und Spielfreude» seien oft noch schwach ausgebildet.
Dabei seien humorvolle Elemente für alle Altersklassen und Schulformen geeignet. Auch für alle Fächer. Gerade in den logischen, stark strukturierten Naturwissenschaften plädiere sie auch mal für spaßige Methoden: so könne man etwa im Chemieunterricht beim Wiederholen des Periodensystems Arbeitsblätter im Comic-Stil austeilen, in denen die Atome als bunte Figuren auftreten. Einige Studien hätten bereits belegt, dass Humor beim nachhaltigen Einprägen des Lernstoffs helfe.

Pädagogen müssten nicht befürchten, dass sie sich zum Clown vor der Klasse machen. Allerdings gelte: «Eine gewisse Autorität und Dominanz muss ich als Lehrer schon mitbringen.» Und nicht jede Art von Humor passe: «Es gibt einen sozialen, liebevollen Humor, der niemanden herabsetzt und Nähe schafft im Unterricht.» Ironie verstehen Schüler in der Regel erst ab der sechsten, siebten Klasse. Bissiger, aggressiver Humor sei mit Vorsicht zu genießen, er könne aber zum Beispiel Distanz zu einer bestimmten Sachproblematik erzeugen.
Zur Didacta 2016 zeigen rund 800 Aussteller aus 40 Ländern fünf Tage lang ihre Neuheiten aus den Bereichen Kita, Schule, Hochschule, berufliche Bildung und neue Technologien. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören die Integration von schulpflichtigen Flüchtlingskindern, das gemeinsame – inklusive – Lernen von Schülern mit und ohne Behinderung und die digitale Bildung. News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Doppelschlag am Rhein – erst „didacta“, dann der Deutsche Schulleiterkongress

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