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Landprämie für unbeliebte ländliche Regionen? Thüringen will Lehrer lieber gleich eingruppieren

ERFURT. Sollen Lehrer, mit Sonderprämien aufs Land gelockt werden? In vielen Ländern wird die Frage diskutiert. In Sachsen beispielsweise sollen sich Lehramtsstudenten für Stipendien verpflichten, nach ihrem Abschluss an einer Schule in einer strukturschwachen Region zu arbeiten. Thüringens Bildungsministerin Birgit Klaubert erteilt einer Landprämie hingegen eine Absage. Stattdessen will sie mit Änderungen am Besoldungsgesetz ihr Land für Lehrer attraktiv machen.

In Thüringen soll es nach Vorstellung von Bildungsministerin Birgit Klaubert (Linke) vorerst keine Prämien für Lehramtsstudenten geben, um sie für eine Unterrichtstätigkeit auf dem Land zu gewinnen. Sie bezweifele positive Effekte einer solchen Förderung, sagte Klaubert. Das Nachbarland Sachsen will mit Stipendien mehr Pädagogen aufs Land locken. Statt Prämien will Klaubert Änderungen am Besoldungsgesetz vornehmen. «Dabei geht es um die Frage: Werden Lehrer ordentlich eingruppiert?» Die Vergütungsgruppe entscheidet darüber, wie viel ein Lehrer verdient.

Idyllisch aber unbeliebt. Flächenländer mit großen ländlichen Regionen haben Nachteile im Konkurrenzkampf um die Nachwuchslehrkräfte. Foto: Mandy Graupner / pixelio.de

Idyllisch aber unbeliebt. Flächenländer mit großen ländlichen Regionen haben Nachteile im Konkurrenzkampf um die Nachwuchslehrkräfte. Foto: Mandy Graupner / pixelio.de

«Es hat in der Vergangenheit viele Klagen darüber gegeben, dass Lehrer nicht ordentlich eingruppiert wurden», erklärte Klaubert. Nach ihrer Vorstellung hätten Lehrer von einer gerechteren Eingruppierung unterm Strich mehr als von einer einmaligen Prämie. Wann Änderungen im entsprechenden Gesetz vorgenommen werden sollen, konnte Klaubert nicht sagen. «Dazu muss es Gespräche mit dem Finanzministerium geben, weil eine Änderung nicht kostenneutral sein wird.»

Die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Thüringen hält eine gerechtere Eingruppierung für einen Weg, um Thüringen für angehende Lehrer interessant zu machen. «Wir fordern seit Jahren gleichen Lohn für gleiche Arbeit – also, dass ein Lehrer an einer Grundschule genauso viel verdient wie ein Lehrer an einem Gymnasium», erklärte Sprecher Michael Kummer. Ein Pädagoge an einer Grundschule in Thüringen verdiene weniger als ein Gymnasiallehrer.

Nach Forderung der Gewerkschaft sollte sich Thüringen bei einer Neuregelung am Niveau der Nachbarländer orientieren. Das Land will jedes Jahr 500 neue Lehrer unbefristet einstellen. Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres Anfang Februar hatten 196 neue Lehrer ihren Schuldienst angetreten. Bei den fünf Schulämtern meldeten sich 1500 Bewerber. Thüringen gehört zu den wenigen Bundesländern, die zweimal im Jahr Lehrer einstellen. Klaubert sagte in der Vorwoche dazu: «Das zeigt: Auch in Zeiten eines härteren Wettbewerbs der Bundesländer um Absolventen bleibt Thüringen attraktiv für angehende Lehrer.»

Anders dürfte es im Sommer aussehen. Zu diesem Termin holen sich alle Bundesländer neue Pädagogen an ihre Schulen. «Es ist schwer, junge Lehrer im ländlichen Raum zu finden», räumte Klaubert ein. Vor allem für bestimmte Fächerkombinationen gebe es wenige Bewerber. Nach Ansicht der GEW müssen deshalb attraktive Beschäftigungsbedingungen geschaffen werden. Nach Angaben des Gewerkschaftssprechers wollen viele Lehrer kleine Schulklassen unterrichten und nicht vor 30 Schülern stehen. «Dafür müsste das Land das Personal aufstocken», gab Kummer zu bedenken. Allein im vergangenen Jahr seien 600 bis 700 Lehrer in den Ruhestand gegangen.

Das Land will in diesem Jahr neben den 500 neuen Lehrern zusätzlich Personal einstellen, weil mehr Flüchtlinge an Schulen unterrichtet werden müssen. Laut Ministerium sollen 200 Stellen befristet besetzt werden. Auch bei Lehrkräften, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten, seien von den dieses Jahr geplanten 50 neuen Stellen 28 bereits besetzt worden. (dpa)

• zum Bericht: 300 Euro monatlich extra: „Landprämie“ für sächsische Lehrer geplant
• zum Bericht: GEW: 1000 zusätzliche Lehrer an Thüringer Schulen benötigt – jährlich

2 Kommentare

  1. Thüringen müsste vor allen Dingen entweder verbeamten oder das brutto so weit anheben, dass das netto dem im benachbarten (verbeamtenden) sachsen-anhalt entspricht.

    • Letzteres geht so ohne Weiteres nicht, da TH Mitglied der TdL ist. Sie können allenfalls die Neueinstellungen zu E11 vornehmen. – Aber das gibt dann richtig Haue von den anderen Ländern, die ja um jeden Preis die LEGO (Lehrereingruppierungsordnung) verhindern wollen.

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