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Prozess beginnt am Mittwoch: Ex-Lehrer der Odenwaldschule wegen Kinderpornos vor Gericht

HEPPENHEIM. Unmengen kinderpornografischer Bilder soll ausgerechnet ein Lehrer der Odenwaldschule besessen haben. Der Fall gehört zwar nicht zum eigentlichen Missbrauchskandal des Internats, brachte die Privatschule aber in Bedrängnis. Nun beginnt der Prozess.

Das Idyll trügt: In der Odenwaldschule wurden zahlreiche Schüler missbraucht. Foto: Jakob Montrasio / flickr (CC BY 2.0)

Das Idyll trügt: In der Odenwaldschule wurden zahlreiche Schüler missbraucht. Foto: Jakob Montrasio / flickr (CC BY 2.0)

Vor fast zwei Jahren waren bei einem Lehrer der südhessischen Odenwaldschule Kinderpornos auf seinem privaten Computer entdeckt worden. Der 34-Jährige steht deshalb an diesem Mittwoch (3. Februar) vor dem Amtsgericht Bensheim. Er soll rund 120.000 Fotos und etwa 150 Videos besessen haben – die Opfer der gezeigten Übergriffe waren meist Jungen. Der Mann gab die Vorwürfe zu, die Schule entließ ihn. Mittlerweile hat die Odenwaldschule den Betrieb eingestellt.

Der Fall war im April 2014 bekanntgeworden. Ermittler durchsuchten damals die Wohnung des Lehrers auf dem Schulgelände. Der Mann soll über das Internet an die Bilder und Filme gekommen sein.

An der Heppenheimer Schule waren vor Jahrzehnten systematisch Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden. Ein Abschlussbericht nennt als Zahl mindestens 132 Opfer. Inzwischen ist die Schule insolvent, Unterricht gibt es keinen mehr.

Der Fall des Lehrers hat mit dem 2010 an die Öffentlichkeit gelangten Missbrauchskandal an dem Reforminternat nichts zu tun. Allerdings wurde die Diskussion um die Zukunft der Odenwaldschule seinerzeit neu befeuert – die Frage kam auf, ob das Internat nach wie vor Pädophile anzieht. Die Aufsichtsbehörden entschlossen sich, der Privateinrichtung streng auf die Finger zu klopfen und Veränderungen zu fordern. Schließlich musste die Schule im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden, auch weil zahlende Internatsschüler und damit Geld fehlten.

Der nun angeklagte Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie war seit August 2011 an der Schule beschäftigt gewesen. Zunächst hatte es auch den Verdacht gegeben, er habe Schüler sexuell missbraucht. Ein Ermittlungsverfahren deswegen wurde aber eingestellt. Es hätten sich keine Hinweise bestätigt, hieß es. dpa

Zum Bericht: Das schier endlose Sterben der Odenwaldschule – jetzt klagen Eltern auf Weiterbetrieb

Ein Kommentar

  1. Alfons Kleine Möllhoff-von Emser

    Der Odenwaldschule wurde keinesfalls streng auf die Finger geklopft. Die Auflagen von April 2014 hatten vielmehr geringere Anforderungen, als es das Gesetz vorsieht. So sollte die Odenwaldschule einen monatlichen Bericht über besondere Vorkomnisse erstellen. Das Sozialgesetzbuch fordert dagegen sofortige Meldungen.

    Auch bei den damals von der Heimaufsicht benannten Versäumnissen der Meldepflicht wurde nicht gesetzlich verfahren. Hier wäre ein Bussgeld fällig gewesen. Ein Bussgeldverfahren wurde aber nie durchgeführt.

    Die sogenannten strengen Auflagen waren lediglich ein politischer Schwindel gegenüber den Medien und der Öffentlichkeit, mit der sich die Behörden als tatkräftige Kämpfer für das Kindeswohl darstellten.

    Die medial behauptete Strenge hatte dennoch ihre Wirkung: Sie hielt potentielle Eltern davon ab, ihre Kinder auf die Odenwaldschule zu schicken. Auf diesem kalten Wege wurde der Odenwaldschule die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das verstärkte die Heimaufsicht im August 2014, als – ohne dass es gesetzlich überhaupt zulässig ist – die Betriebserlaubnis auf ein Jahr befristet wurde.

    Die Odenwaldschule hat sich nie dagegen gewehrt sondern gehofft, sich mit Kungeln gegenüber den Behörden zu erhalten. Das ging gründlich schief. Erst jetzt wehrt sich eine Elterninitiative, welche die Schule neu aufbauen will, gegen die Heimaufsicht und nennt das behördliche Verhalten als rechtswidrig, weil von politische Interessen geleitet. Aber wer zu spät kommt, ………

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