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Schüler gegen komplette Handy-Verbote an Schulen

WIESBADEN. An vielen Schulen ist die Handynutzung für Schüler komplett untersagt – auch in den Pausen. Bei Verstößen werden die Geräte zumeist einkassiert und den Schülern zum Teil erst am nächsten Tag zurückgegeben. Hessens Landesschülervertretung fordert nun ein Lockerung der Handy-Verbote und mehr Mitsprache in den Gremien.

Die hessischen Schüler fordern eine Lockerung von Handy-Verboten an den Schulen im Land. Zumindest in den Pausen müsse es erlaubt werden, auf die Telefone zu schauen, sagte die Landesschulsprecherin Svenja Appuhn. An vielen Schulen herrsche ein komplettes Nutzungsverbot für Handys, nicht nur im Unterricht. Bei Verstößen werden die Geräte nach den Worten von Appuhn eingesammelt und oft erst kurz bevor die Schule schließt oder am nächsten Tag an die Kinder oder deren Eltern zurückgegeben.

Für viele Schüler heißt es „Das Handy bleibt besser in der Tasche – sonst ist es schnell mal einkassiert.“ Foto: Lucie Gerhardt / pixelio.de

Für viele Schüler heißt es „Das Handy bleibt besser in der Tasche – sonst ist es schnell mal einkassiert.“ Foto: Lucie Gerhardt / pixelio.de

Hier fordert die Schülervertretung, dass die Geräte bereits nach dem jeweils eigenen Unterrichtsende der Schüler wieder ausgehändigt werden. Appuhn forderte zudem, Handys stärker in den Unterricht einzubeziehen. Smartphones seien für viele Schüler ein ganz selbstverständlicher Gebrauchsgegenstand und könnten daher auch pädagogisch genutzt werden.

Jede Schule kann die Vorgaben zum Umgang mit Handys selbst regeln, wie das hessische Kultusministerium in Wiesbaden mitteilte. Dies werde in der Schulordnung festgeschrieben, die von der Schulkonferenz verabschiedet wird. Der Schulelternbeirat und der Schülerrat sind laut Ministerium zu den Regeln anzuhören.

Appuhn kritisierte, dass Eltern und Schüler in der Schulkonferenz, dem wichtigsten Gremium einer Schule, unterrepräsentiert seien. Die Lehrer hätten die absolute Mehrheit. «Wir fordern eine Drittelparität», sagte die Landesschulsprecherin. Erst wenn Schüler, Eltern und Lehrer sich die Sitze gleichmäßig teilten könne man von einer demokratischen Schule sprechen.

Unterstützung kommt von der SPD-Landtagsfraktion: «Demokratie muss von der Schulgemeinde gelebt werden, diese nur auf den Stundenplan zu schreiben genügt nicht», erklärte sie. Die CDU-Fraktion teilte mit, es gebe bereits heute zahlreiche Möglichkeiten für Schüler, sich mit ihren Vorstellungen, Ideen und Interessen aktiv einzubringen. (dpa)

zum Bericht: Neues Rechtsgutachten – Handynutzungsregelungen für Schulen könnten kompliziert werden

11 Kommentare

  1. Joachim C. Bauer

    Liebe Svenja Appuhn, zunächst muss ich dir für dein Engagement ein Lob aussprechen. Leider ist die Forderung, das Handy-Verbot an Schulen komplett oder zumindest teilweise aufzuheben und Handys stärker in den Unterricht einzubeziehen nicht bis zum Ende durchgedacht. Du sagst selbst, Zitat: „Smartphones sind für viele Schüler ein ganz selbstverständlicher Gebrauchsgegenstand“ (Ende des Zitats). Da ist aber schon der erste „Casus Knacksus“ nämlich, solange das Wort „viele“ nicht durch „alle“ ersetzt ist, ist die Forderung, das Handy-Verbot aufzuheben hinfällig -> siehe: Thema Gleichberechtigung.
    Also heisst die Forderung: Alle Schüler ab Klasse 5 mit einem Smartphone auszustatten, finanziert vom Land.
    In diesem Sinne, viel Glück.

  2. Hallo Schülersprecheriin svenja apphuhn,für eine Lockerung des Handy-Verbotes, in Schulen
    soll ruhig bleiebn , wie es momentan ist, auch in Pausen dürfen keine Telefone angeschaut
    werden. Das komplette Handy-Verbot m u s s bestehen bleiben.Gegen eine Einbindung
    in den Unterricht lege ich strengstens ab. Die Schüler müssen sich darauf besinnen, den Kopf anzustrengen und z.B. in Mathematik, das Kopfrechnen wieder mehr zu nutzen. Vorallen ist lt. Pisa-Stutie, Mathematik
    für die deutschen Schüler ein “ Mühlstein „. Das System in “ Mathe “ an den heutigen Schulen soll wieder
    nach dem “ Muster “ der 60-70-80-Jahren umgestellt werden, damit die heutige Generation es wieder
    begreift. Die ältere Generation ist nicht dümmer gewesen, wie die heutigen Schüler. Vorallem im Kopf “ Rechnen “ ohne Handy, wäre wieder tabu. Die heutigen Schüler können ja kaum 3- 4 Zahlen nicht mehr im Kopf zusammen zählen, benötigen Handy, oder Papier und Stift, um auf das Ergebis zukommen.
    Hier muß in deutschen Schulen umgedacht werden. Auch Handy-zerstört die heutige Gesellschaft.Die kommenden Generationen haben dann kaum noch Kontakt mit ihren Mitmenschen. Eine böse Zeit kommt auf die nachkommenden Generationen . Die Gemeinschaft untereinander wird immer schlimmer. Wir als ältere
    Mitbürger betrifft es nicht mehr, aber die heutige Jugend tut mir jetzt schon leid.

  3. Das Handy-Vervot an Schulen ist kompletter Quatsch.

    Die missbräuchliche Nutzung hingegen muss härter sanktioniert werden. Was ein Missbrauch ist, das kann die Schulkonferenz im Vorfeld festlegen. Jegliche andere Nutzung ist dann außerhalb des Unterrichtes auf dem Schulgelände erlaubt.

    Ich lach mir immer ’nen Ast, wenn ein Kollege während der Aufsicht auf dem Schulhof Emails checkt und Schülern im Gegenzug das Handy wegen unerlaubter Nutzung weg nimmt. Mein spaß war es dem Kollegen das handy vor versammelter Schülermannschaft wegzunehmen und im sekretariat zu hinterlegen. Es gilt eben nicht „quod licet iovi non licet bovi“. So etwas fällt bei mir unter Demokratie-Erziehung – Stichwort Teilhabe bzw. Patizipation.

    • Was ist so schlimm daran, wenn das Händi mal für 4 Stunden abgeschaltet ist?

    • Gibt es nicht genügend Möglichkeiten, sich in den Pausen mit realen Menschen auszutauschen?

      • Doch, z.B. in der whatsapp-Gruppe mit dem Nebenmenschen. (also der Nebenmensch schreibt auch in die Gruppe).

        Ein generelles Handyverbot halte ich aber auch für Quatsch, während des Unterrichts kann man es aber ausschalten bzw. nur dann benutzen, wenn es zum Unterricht passt. Die Kamera ist bei vielen Modellen mittlerweile so gut, dass sie eine super Lupe ist.

        • Das ist ja eine sinnvolle Nutzung des Gerätes. Was ist am Nachrichten checken sinnvoll, wenn ich neben Leuten stehe, die ich mag, mit denen ich mich eigentlich gerne unterhalte. Vielleicht bin ich altmodisch, aber wenn ich abends weggehe könnte ich mich über die Pärchen schlapp lachen, die sich gegenüber sitzen und jeder in sein eigenes Händi starrt. Vielleicht schreiben sie sich ja gegenseitig Nachrichten oder betreiben FoodPorn.

        • Als Schülerin, die in der Unterstufe erst mit dem Verbot leben musste und dann die absolute Freiheit im Schulalltag erlebte, kann ich sagen, dass a) ein verbot unrealistisch und definitiv ein schritt zurück ist und b) dass wir – und damit meine ich alle lernenden UND lehrenden der schule – lernen müssen damit umzugehen. Ein sinnvoller Umgang miteinander und mit den handys muss gelernt werden und das funktioniert nicht mit einem verbot. Zudem können verbote allg dazu führen das zwischenmenschliche Verhältnis zwischen Schülis und lehris negativ beeinflusst wird.
          Doch auch ich sage, dass es mit einfach nur keinem verbot getan ist. Wir müssen uns ständig mit dem Thema auseinander setzten und uns immer wieder reflektieren, denn wir, die Gesellschaft und der technische fortschritt ist im Wandel, ob wir wollen oder nicht! Da finde ich es besser das „fremde“ kennen zu lernen, als es kategorisch auszuschließen.

  4. @ Karo, deine Meinung klingt mir so in die Richtung, dass Verbieten schlecht sei, weil Verbieten doch irgendwie eine Art Freiheitsberaubung sei. Oder? Aber dann könnte man in gleicher Weise argumentieren, dass ein Verbot vom Handygebrauch beim Autofahren nichts bringe und wir lernen müssten, damit umzugehen. Du hast natürlich Recht, viele telefonieren doch beim Autofahren – obwohl es verboten ist. Aber ein Verbot schafft Klarheit und eine Grundlage, auf der man einschreiten kann. Ein Verbot hält doch viele ab (wenn auch nicht alle). Wenn der Handygebrauch in der Schule verboten ist, kann ich das Handy notfalls auch (zeitweise) einziehen.

  5. @ dickebank,

    einerseits stimme ich zu, Lehrer sollen Handys dann auch normalerweise nicht in der Schule vor den Schülern benutzen; andererseits kann ich mir vorstellen, dass sie es im Unterricht für eine schnelle Recherche zu einer Fragen durchaus benutzen.

    ZITAT: „Die missbräuchliche Nutzung hingegen muss härter sanktioniert werden. Was ein Missbrauch ist, das kann die Schulkonferenz im Vorfeld festlegen. Jegliche andere Nutzung ist dann außerhalb des Unterrichtes auf dem Schulgelände erlaubt.“

    Dann müssten doch aber Lehrer auch irgendwie kontrollieren (können), wie und wozu die Kinder die Handys benutzen. Wie soll das umgesetzt werden?

    • Keine direkte Kontrole sondern indirekte Kontrolle.

      Werden mit dem Handy unerlaubte Fotos von Mitschülern verbreitet, müssen die bei der Anzeige des Verstoßes unterstützt werden. Gibt es Mitschnitte (Ton- oder Bildsequenzen) aus dem Unterricht, Anzeige durch die betreffende Lehrkraft ohne Absprache mit der SL wg. Verletzung der persönlichkeitsrechte.

      Nicht alles, was durch staatliche Organe erledigt werden kann, muss von Schule pädagogisch begleitet werden.

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