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Studie: Schüler teilen regelmäßig Fotos im Internet und kennen sich mit rechtlichen Regelungen nicht aus

WIEN. Die Welt der sozialen Netzwerke wird von Bildern regiert. Facebook, Snapchat, Instagram – Kinder und Jugendliche nutzen diese Plattformen ganz selbstverständlich, um Fotos und Videos zu teilen oder Emojis zu verschicken, die ihre Stimmung auszudrücken. Worte sind kaum noch notwendig. Anlässlich des 13. Internationalen Safer Internet Day am heutigen Dienstag hat die Initiative „Saferinternet.at“ die Ergebnisse ihrer aktuellen Studie „Der Umgang von Kinder und Jugendlichen mit Bildern im Internet“ vorgestellt. Lehrer erfahren dabei einiges über das Verhalten ihrer Schüler und können wertvolle Tipps für ihren Unterricht daraus ziehen. Auch das Urheberrecht ist ein Thema.

Schülerinnen und Schüler nutzen soziale Netzwerke ganz selbstveständlich - auch um Fotos zu teilen. Foto: Gavin Llewellyn / flickr (CC BY 2.0)

Schülerinnen und Schüler nutzen soziale Netzwerke ganz selbstveständlich – auch um Fotos zu teilen. Foto: Gavin Llewellyn / flickr (CC BY 2.0)

Während Schüler bei facebook auch noch eigene Posts schreiben oder witzige Sprüche teilen, ersetzen Bilder bei anderen Apps inzwischen fast komplett das geschriebene Wort. Die App Instagram beispielsweise ist nur dafür da, um Fotos und Videos zu teilen. Schüler können die Fotos von ihren Smartphones bei Instagram bearbeiten, mit so genannten Hashtags (Schlagwörtern) versehen und sofort veröffentlichen. Auch bei dem Messenger-Dienst Snapchat geht es nur um Fotos oder Kurzvideos („Snaps“). Diese werden von den Nutzern in Chats versendet und sind dann beim Empfänger für nur maximal 10 Sekunden zu sehen – ganz verschwunden sind sie danach aber nicht, wie viele Jugendliche irrtümlicher Weise glauben.

Smartphone als Alltagsgegenstand

Laut der Studie „Jugend, Information, (Multi-)Media“, JIM-Studie 2015, besitzen 86 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen ein Smartphone, bei den 14- bis 15-Jährigen sind es sogar 93 Prozent. Auch im Grundschulalter werden es immer mehr, wie die KIM-Studie (Kinder, Informationen, Multi-Media) 2014 zeigt: im Alter von 8-9 Jahren besaßen 10 Prozent der 1.209 Befragten ein Smartphone, im Alter von 10-11 schon 29 Prozent. Die Studien zeigen auch: In allen Altersstufen nutzen die Kinder und Jugendlichen das Smartphone, um Fotos und Videos zu erstellen, sie zu verschicken oder online hochzuladen.

„Ich teile jede Woche zumindest ein eigenes Bild im Internet“, dieses Aussage stimmten bei der Studie „Der Umgang von Kinder und Jugendlichen mit Bildern im Internet“ neun von zehn Befragten (88 Prozent) zu. Mehr als ein Drittel (35%) teilt wöchentlich sogar mehr als zehn Bilder in Sozialen Netzwerken. Die Initiative Saferinternet.at hatte das Institut für Jugendkulturforschung mit der Studie beauftragt. In einer repräsentativen Online-Umfrage hat das Institut 407 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren zu ihrem Umgang mit Bildern im Internet befragt. Zusätzlich wurde mit 100 Kindern von 8 bis 10 Jahren zu diesem Thema in Workshops gearbeitet.

Fotos helfen bei der Identitätsfindung

Auf häufigsten wird WhatsApp zum Teilen von Bildern genutzt (89 %), gefolgt von Facebook (56 %). Dahinter liegen bereits die Bilder-Netzwerke Instagram (51 %), Snapchat (39 %) und YouTube (13 %). Besonders auffallend: Instagram wird von doppelt so vielen weiblichen wie männlichen Jugendlichen genutzt, wie saferinternet.at auf der Homepage veröffentlicht.

„Jugendliche testen mit Bildern, wie sie auf andere wirken, und zeigen, wo sie dazugehören möchten und wovon sie sich abgrenzen. Die Selbstdarstellung mit Hilfe von Fotos und Videos in Sozialen Netzwerken nimmt eine wichtige Rolle bei der Identitätsfindung von Jugendlichen ein“, so Bernhard Jungwirth, Saferinternet.at-Koordinator. Die Studie stellt auch die beliebtesten Motive der Kinder und Jugendlichen vor: das sind vor allem sie selbst (68 %), dicht gefolgt von „Freunden“ (57 %) und „besonderen Momenten“ aus ihrem Leben (49 %) sowie „Lustigem und Originellem“ (49 %).

Fotos helfen Jugendlichen bei der Identitätsfindung. Selfies sind besonders bei Mädchen beliebt, um in Sozialen Netzwerken zu teilen oder ihren Freunden zu schicken. Foto: Patrik Nygren / flickr (CC BY-NC 2.0)

Fotos helfen Jugendlichen bei der Identitätsfindung. Selfies sind besonders bei Mädchen beliebt, um sie in Sozialen Netzwerken zu teilen oder ihren Freunden zu schicken. Foto: Patrik Nygren / flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Faszination, Bilder zu sammeln und zu tauschen ist grundsätzlich nichts Neues. Früher wurden dafür Stickeralben, Sammelbilder oder Freundschaftsbücher genutzt. Doch durch das Internet bekommt diese Faszination eine völlig neue Dimension. So sind nicht mehr nur noch die Schulkameraden daran beteiligt, sondern prinzipiell die ganze Online-Community – auch abhängig davon, welche Privatsphäreeinstellungen die Schülerinnen und Schüler gewählt haben. Außerdem stehen nahezu unbegrenzte Bilderwelten zu Verfügung. 19 Prozent der Befragten gaben in der Studie an, auch schon fremde Fotos oder Videos bearbeitet zu haben.

Die Skepsis vieler Eltern ist durchaus nachvollziehbar – hat sich doch seit ihrer Schulzeit einiges verändert. Die Vorliebe der Schülerinnen und Schüler hat aber auch positive Seiten. So stecken die Jugendlichen viel kreative Energie in das Erstellen von Bildern – ihre Ansprüche an Fotos und Videos sind hoch. Sie machen sich Gedanken um Motive, setzen sich mit der Technik auseinander und bearbeiten Fotos nach. Neun von zehn Jugendlichen (89 %) haben zumindest schon einmal Fotos oder Videos digital bearbeitet, fast die Hälfte (47 %) macht dies regelmäßig vor dem Posten. „Wer die Chancen von Bildkommunikation im Internet nutzen will, benötigt neben den entsprechenden visuellen Kompetenzen auch einiges an Übung“, stellt saferinternet.at fest.

Lehrer sind Vorbilder

Auch im Unterricht biete die Kommunikation mit Bildern viele Vorteile: Informationen können effizient ausgetauscht und Videos, Grafiken und Bilder als Anschauungsmaterial verwendet werden werden, da sie leichter die Aufmerksamkeit der Lernenden wecken und länger im Gedächtnis hängen bleiben. Lehrer müssen sich dabei bewusst sein, dass sie als Vorbilder fungieren. Sie sollten ihren Schülerinnen und Schülern bewusst machen, wie leicht es ist, Fotos zu manipulieren. Und vor allem sollten sie selbst die Gesetze beachten, wenn sie Bilder und Videos aus dem Internet benutzen und die Jugendlichen darüber aufklären.

Denn auch das zeigt die Studie „Der Umgang von Kinder und Jugendlichen mit Bildern im Internet“: Obwohl die Schüler mit ihren Smartphones ganz selbstverständlich Fotos machen und teilen, kennen sie sich laut eigenen Angaben mit dem Urheberrecht nicht ausreichend aus. 38 Prozent der Jugendlichen haben sogar Angst davor, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, wenn sie fremde Inhalte aus dem Internet bearbeiten.

Urheberrecht: Sonderregel für Schulen

In der Regel sind Inhalte aus dem Internet urheberrechtlich geschützt. Das heißt, die Inhalte dürfen nicht einfach ohne Erlaubnis des Urhebers weiter verwendet werden. Darauf müssen Schüler achten – egal ob es sich um Bilder für soziale Netzwerke, ein Referat oder Fotos für die Schülerzeitung handelt. Außerdem gilt das „Recht am eigenen Bild“ (§78 Urheberrechtsgesetz), das abgebildete Personen davor schützt, ungewollt auf öffentlichen Bildern aufzutauchen, wie zum Beispiel bei facebook oder auf der Homepage der Schule. Laut saferinternet.at gaben 71 Prozent der Jugendlichen auch von sich aus an, dass sie gefragt werden wollen, bevor ein Foto von ihnen online gestellt wird. Daran können Lehrer anknüpfen.

Einschränkend muss aber gesagt werden, dass in der Schule bezogen auf das Urheberrecht einige Sonderregelungen gelten. Spezielle Schranken im Gesetz sorgen dafür, dass im Rahmen der Bildung notwendigen Nutzungen auch ohne Einverständnis der Rechtsinhaber zulässig sind – festgehalten sind diese Schranken in einer Vielzahl von Einzelbestimmungen, die die Rechtsprechung jedoch nicht alle genau ausgearbeitet hat. So ist es beispielsweise zulässig, kleine Teile eines Werkes zu fotokopieren und jedem Schüler in der Klasse zu Veranschaulichung auszuteilen (§42 Abs. 6 UrhG). Nur für Schulbücher gilt diese Regelung nicht. Lehrer dürfen der Klasse einen zulässigen Umfang an Materialen auch digital zur Verfügung stellen, soweit sie Passwort geschützt sind und nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stehen. Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), gehe man normalerweise von maximal zehn Prozent eines Buches oder von einzelnen Artikeln aus einer Zeitung oder Zeitschrift, die vervielfältig werden dürfen. Ein ganzes Buch oder eine ganze Zeitschrift dürfe nur ausnahmsweise kopiert werden, wenn das Werk seit mindestens zwei Jahren vergriffen sei.

Alle diese Regelungen gelten ausschließlich für den Unterricht, nicht für Schulfeste, Elternabende, Theateraufführungen, Nachmittagbetreuung, die Schulwebseite oder die Schulzeitung, wie saferinternet.at erklärt. Selbstverständlich sollten alle im Unterricht verwendeten Unterlagen, die nicht selbst erstellt wurden, mit einer Quelle versehen werden. Das gelte besonders auch für Bilder, damit sich Schüler daran ein Beispiel nehmen können.

Lizenzfreie Bilder: Creative Commons

Eine Alternative bietet auch Creative Commons. Hinter dem Namen verbirgt sich eine gemeinnützige Organisation und er bedeutet übersetzt „schöpferisches Gemeingut“. Durch sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge von Creative Commons (CC) ist es jedem Urheber möglich, Nutzungsrecht auf einfache und klare Weise zu regeln, indem sie jedem Werk eine so genannte „Creative-Commons-Lizenz“ zuweisen. In der Regel räumt der Urheber damit der Öffentlichkeit Nutzungsrechte an seinen Werken ein, zum kostenlosen Kopieren, Teilen und die Benutzung für private bzw. nicht kommerzielle Zwecke – solange die Bedingungen des Urhebers oder der Urheberin eingehalten werden.
Der genaue Umfang der Verwendung hängt von der jeweiligen Lizenz ab. Darin ist zum Beispiel festgeschrieben, ob ein Foto noch verändert werden darf. Die Bedingungen, unter denen die Werke verwendet werden dürfen, sollten daher immer genau gelesen werden. N4t

Weiterführende Links:

7 Tipps zum kompetenten Umgang mit Bildern im Internet
1. Urheberrechte beachten. Nur weil Fotos, Grafiken oder Videos im Internet leicht auffindbar sind, heißt das noch lange nicht, dass sie einfach so verwendet werden dürfen. Es bedarf in der Regel der Einwilligung des Rechteinhabers oder der Rechteinhaberin, um urheberrechtlich geschützte Inhalte veröffentlichen zu dürfen. Alternative: Inhalte mit Creative Commons-Lizenz nutzen!

2. Abgebildete um Erlaubnis fragen. Fotos oder Videos, die andere Personen nachteilig darstellen, dürfen nicht veröffentlicht werden („Recht am eigenen Bild“). Vor dem Posten sollte daher immer das Einverständnis der abgebildeten Personen eingeholt werden. Das gilt auch innerhalb der Familie: Eltern sollten keine Aufnahmen ihrer Kinder online stellen, wenn diese das nicht möchten.

3. Privatsphäre schützen. Wer in Sozialen Netzwerken die Kontrolle über eigene Bilder behalten will, sollte diese nur einem ausgewählten Publikum zugänglich machen. Die Privatsphäre-Leitfäden von Saferinternet.at helfen, Bilder vor unerwünschten Zugriffen zu schützen. Fotos oder Videos sollten keine Details über die eigene Person, den Wohnort oder Arbeitsplatz verraten. Darüber hinaus zu beachten: Es gibt kein „Safer Sexting“ – daher besser gut abwägen, ob und an wen freizügige Bilder versendet werden.

4. Bildkompetenz fördern. Bildkommunikation ist nicht immer eindeutig und kann vor allem zwischen älteren und jüngeren Generationen zu Missverständnissen führen. Das Entschlüsseln und Interpretieren von Bildern muss gelernt und geübt werden. Diese Fähigkeiten helfen auch beim Erkennen manipulierter Bilder in der Werbung oder in der politischen Berichterstattung. Bild- und Videobearbeitung selbst sind wichtige Zukunftskompetenzen, die es zu fördern lohnt!

5. Bilder in der Schule richtig einsetzen. Die Kommunikation mit Bildern bietet auch im Unterricht zahlreiche Vorteile und kann in vielen verschiedenen Fächern integriert werden. Ohne Einverständniserklärung der Eltern darf die Schule keine Fotos von Schüler/innen veröffentlichen, etwa auf der Schulwebsite. Ab 14 Jahren sollten die Jugendlichen zusätzlich selbst unterschreiben. Lehrende haben bei der Verwendung von Bildern Vorbildwirkung (Urheberrechte!).

6. Aktiv mit Bildern kommunizieren. Nur wer offen für Neues bleibt und Foto-Apps wie Instagram oder Bildbearbeitungs-Tools wie Pixlr selbst ausprobiert, wird die Faszination und Funktionsweise von Bildkommunikation verstehen. Kinder und Jugendliche sind hier die Expert/innen – und können Erwachsenen vielleicht den einen oder anderen Tipp geben.

7. Emotionale Wirkung von Bildern beachten. Bilder sprechen beim Betrachten immer auch Gefühle an – sie können motivierend wirken, aber auch traurig machen oder Angst auslösen. Besonders bei kleinen Kindern können Fotos und Videos einen starken Eindruck hinterlassen. Eltern sollten sich die emotionale Ebene von Bildkommunikation stets bewusst machen und etwaige Ängste ihrer Kinder ernst nehmen.

Quelle: Saferinternet.at

 

Ein Kommentar

  1. Dürfen Jugendlichen ab 15j.eigene E-Mail Adresse haben?

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