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Unterrichtsausfall: Löhrmann kündigt wieder unangekündigte Stichproben an

DÜSSELDORF. Die nordrhein-westfälische Schulministerin Löhrmann hat in diesem Jahr wieder zahlreiche heiße Eisen auf ihrer Agenda: Unterrichtsausfall, Flüchtlingskinder, Klassengrößen. Marode Schulbauten – unlängst vom WDR erhoben – sieht sie aber nicht als Baustelle der Landesregierung.

Will den Unterrichtsausfall jetzt doch genauer erfassen: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Foto: Alex Büttner

Will den Unterrichtsausfall erfassen: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Foto: Alex Büttner

In Nordrhein-Westfalen soll in diesem Jahr wieder erhoben werden, wie viele Unterrichtsstunden an den Schulen ausfallen. Eine solche stichprobenartige Erhebung kündigte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) vor Journalisten in Düsseldorf an. Der Zeitraum soll vorab nicht bekanntgegeben werden.

Löhrmann hatte vor einem Jahr Ergebnisse einer ähnlichen Erhebung bekanntgegeben, wonach nur 1,7 Prozent des Unterrichts an den Schulen im Land ausfielen. Opposition, Eltern- und Lehrerverbände hatten die Statistik angezweifelt und eine schulscharfe Zählung gefordert.

Bis Ende März hat die Ministerin zudem Zahlen in Aussicht gestellt, die darüber Auskunft geben sollen, wie sich die Aufnahme von Flüchtlingskindern auf die Klassengrößen auswirkt. Löhrmann kalkuliert in diesem wie im vergangenen Jahr mit jeweils 40.000 Flüchtlingskindern in den Schulen des Landes.

Eine geplante Verordnung soll Schulen und Kommunen ermöglichen, sich flexibel auf die Zugänge einzustellen. Bislang ist der 15. Januar eines Jahres Stichtag für die Entscheidung über Klassenzahlen und -größen. Künftig soll dem Entwurf zufolge bis zum 1. August noch einmal nachgesteuert werden können. Wenn in einer Gebietskörperschaft bis dahin etwa 25 Schulkinder zusätzlich registriert würden, könne eine weitere Klasse gebildet werden, erläuterte Löhrmann. Der Entwurf wird derzeit von Sachverständigen erörtert.

Das Land plant für dieses und nächstes Jahr insgesamt rund 584 Millionen Euro zusätzlich an Personal- und Sachkosten für die Unterrichtung und Integration von Zuwandererkindern ein. Dass wegen der hohen Zahl an Flüchtlingen Schulen, die eigentlich geschlossen werden sollten, nun doch in Betrieb bleiben, hält Löhrmann für eine Ausnahme. «Es kann sich nur um Einzelfälle handeln, die man an einer Hand abzählen kann.»

Beim Thema marode Schulbauten ist kein Hilfsprogramm der Landesregierung zu erwarten. Laut einer in der vergangenen Woche vom WDR veröffentlichten Umfrage meldeten 85 Prozent der befragten Schulen in NRW Mängel an. «Ich kann nicht bestätigen, dass die Schulen pauschal in einem katastrophalen Zustand sind», sagte Löhrmann. Der bauliche Zustand der Schulen sei eine «ureigene kommunalpolitische Angelegenheit». Die Kommunen hätten Vorgaben zur Schulbaugestaltung ausdrücklich abgelehnt. Minimalstandards gebe das Ministerium nicht vor. «Das wird vor Ort geregelt, und das ist auch richtig so.» In gravierenden Fällen sei die Bauaufsicht zuständig.

Die Ministerin plant auch keine systematische Überprüfung, wie die Erlasse zur Entlastung der Schüler auf dem Weg zum «Turbo-Abitur» greifen. Das Ministerium hatte im vergangenen Jahr unter anderem Vorgaben zur Begrenzung der Hausaufgaben, des Nachmittagsunterrichts und der Anzahl der Klassenarbeiten pro Woche gemacht. Dies sei in den Schulen «angekommen und angenommen» worden, sagte Löhrmann. «Die Eltern können das in den Schulkonferenzen aufrufen, wenn es nicht vernünftig läuft.» Beraten und unterstützen könne zudem das Landesinstitut für Schule in Soest.

Ein weiterer Schwerpunkt der Schulpolitik soll in diesem Jahr das Thema Digitalisierung sein. An einigen Grundschulen in NRW unter anderem in Aachen und Solingen laufe bereits ein wissenschaftlich begleiteter Schulversuch zu Informatik in der Primarstufe, berichtete Löhrmann. Bis Mitte des Jahres soll allen Schulen in NRW «Logineo» – ein geschützter virtueller Arbeits- und Informationsraum im Internet – zur Verfügung stehen. Zurzeit wird das Angebot an 350 Schulen erprobt. dpa

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