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Unterrichtsversorgung in Niedersachsen sinkt auf unter 100 Prozent

HANNOVER. die Unterrichtsversorgungsquote sagt zunächst einmal wenig darüber aus, ob an einer bestimmten Schule der Unterricht ausfällt. Dennoch ist sie eine wichtige Messgroße, die regelmäßig Streit unter Bildungspolitikern auslöst, so wie jetzt in Niedersachsen.

Mit 99,5 Prozent hat die durchschnittliche Unterrichtsversorgung in Niedersachsen im ersten Halbjahr 2015/2016 unter den Vorjahreswerten gelegen. In den beiden vergangenen Schuljahren hatte der errechnete Wert für die allgemeinbildenden Schulen noch 101 Prozent betragen. Dies teilte SPD-Kultusministerin Frauke Heiligenstadt auf Anfrage der CDU im Landtag in Hannover mit.

 Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen liegt nur noch bei 99,5 Prozent. Ob es damit zu mehr Unterrichtsausfall kommt ist umstritten. Foto: Silvmedia/Flickr (CC BY 2.0)

Die Unterrichtsversorgung in Niedersachsen liegt nur noch bei 99,5 Prozent. Ob es damit zu mehr Unterrichtsausfall kommt ist umstritten. Foto: Silvmedia/Flickr (CC BY 2.0)

Mit 101,6 Prozent war die Unterrichtsversorgung an den Grundschulen am höchsten, gefolgt von Gymnasien (99,8 Prozent), Realschulen (99,2 Prozent), Gesamtschulen (98,5 Prozent), Oberschulen (97,4 Prozent), Hauptschulen (97,2 Prozent) und Förderschulen (94,5 Prozent).

Bei der Unterrichtsversorgung wird der Lehrerstundenbedarf der einzelnen Schule (Sollstunden) ins Verhältnis zu den zugewiesenen Lehrerstunden (Ist-Stunden) gesetzt. Der Bedarf berechnet sich aus dem Pflichtunterricht der einzelnen Fächer und zusätzlichen Stunden, die die Schulen zur eigenen Verfügung verwenden können, etwa Förder- oder Wahlunterricht oder Arbeitsgemeinschaften. Bei Ganztagsschulen wird auch das dafür vorgehaltene Angebot eingerechnet.

Ein Grund für die rückläufigen Zahlen ist die Integration von Flüchtlingen – für Heiligenstadt «die zentrale schulpolitische Herausforderung». Sie wies die Kritik der Opposition zurück, die gesunkene Unterrichtsversorgung durch zu späte Stellenausschreibungen erst möglich gemacht zu haben: «Das Kultusministerium hat bedarfsgerecht reagiert und die erforderlichen Schritte eingeleitet, um die Herausforderungen anzugehen.» Mit Blick auf einzelne Schulen mit besonders niedrigen Werten gab sie ferner zu bedenken, dass für manche ländliche Regionen die Bewerbersuche schwierig sei.

In diesem Kontext seien in den vergangenen Monaten allein für das laufende Schuljahr 2015/16 mehr als 4100 Lehrkräfte neu eingestellt worden. «Das Einstellungsverfahren im zweiten Schulhalbjahr ist noch nicht abgeschlossen. Das ist ein Kraftakt, der das gesamte System fordert», betonte Heiligenstadt. «Dieser Landesregierung zu unterstellen, sie würde nichts für die Unterrichtsversorgung tun, entbehrt jeglicher Grundlage.»

Auch nach Ansicht des Verbandes der Elternräte der Gymnasien (VdEG) ist die Kritik aber zumindest für ihre Schulform berechtigt. Unter Berücksichtigung von Unterrichtsausfällen liege der rechnerische Mittelwert der Unterrichtsversorgung nach einer Umfrage des VdEG im Februar 2016 bei 96,5 Prozent. «Der von der Landesregierung ausgelobten, angeblich guten Unterrichtsversorgung wird von Eltern unserer Mitgliedsschulen deutlich widersprochen», teilte der Verband mit. Anders als von Heiligenstadt behauptet komme es zu immer wieder auch zu Unterrichtsausfällen.(dpa)

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