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Wo ist Wanka? Die Bundesbildungsministerin macht einen Bogen um die „didacta“ – wie um die Schulpolitik

KÖLN. Die „didacta“ ist als weltgrößte Bildungsmesse eine schöne Bühne für Politiker und Prominente, die ins Rampenlicht drängen. Die Bundesbildungsministerin aber zeigt sich nicht in Köln – und das hat Gründe.

Ohne schulpolitische Ambitionen: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Foto: Andreas Hiekel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ohne schulpolitische Ambitionen: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Foto: Andreas Hiekel / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Man stelle sich vor, es ist (wie Ende April wieder) Hannover-Messe, und der Bundeswirtschaftsminister lässt sich nicht blicken. In diesem Jahr hat sich sogar US-Präsident Barack Obama angekündigt. Klar, dass dabei auch die Kanzlerin nicht fehlen darf, die traditionellerweise die Leistungsschau der deutschen Wirtschaft eröffnet.

In Köln läuft derzeit die „didacta“, immerhin die größte Bildungsmesse der Welt. Doch von der Bundesbildungsministerin, die sich inhaltlich berührt fühlen müsste und hier Gelegenheit hätte, sich über die Perspektiven der Bildung hautnah zu informieren, fehlt jede Spur. Johanna Wanka (CDU) macht einen Bogen um die „didacta“ – und demonstriert damit, wie fern ihr, der ehemaligen Hochschulrektorin, die Schulbildung oder gar die Frühförderung in der Kita stehen. Bildung beginnt nach dem Amtsverständnis der amtierenden „Bundesministerin für Bildung und Forschung“ augenscheinlich erst nach dem Schulabschluss. Dabei wäre es in diesen Zeiten – angesichts der riesigen Herausforderungen durch Inklusion und Flüchtlingskinder – wichtiger denn je, dass Berlin in der Schul- und Kitabildung Flagge zeigt.

Das war mal anders. Wankas Vorgängerin Anette Schavan (CDU) ließ sich als Bundesbildungsministerin nicht davon abhalten, regelmäßig die „didacta“ zu besuchen und aktiv in der Schulpolitik mitzumischen – Kooperationsverbot hin oder her. Schavan versuchte seinerzeit, die bildungspolitische Linie innerhalb der Union neu auszurichten. Mit Unterstützung der Kanzlerin arbeitete Schavan daran, die Union perspektivisch bundesweit auf ein Zwei-Säulen-Schulsystem aus Gymnasium und Mittelschule einzuschwören. Sie scheiterte zwar am Widerstand aus Bayern und, ausgerechnet, Baden-Württemberg, wo sie lange Jahre als Kultusministerin gewirkt hatte. Trotzdem zeigte ihr Engagement Wirkung: Schavan stand für die reformorientierten schulpolitischen Kräfte in der Union. Mit ihr als Bundesbildungsministerin war ein schulpolitischer Meilenstein wie der nordrhein-westfälische Schulkonsens möglich, bei dem die CDU im Zusammenwirken mit SPD und Grünen ihren Frieden mit der jahrzehntelang hart bekämpften Gesamtschule machte.

Und heute? Gibt wieder die schulpolitische Betonfraktion in der Union den Ton an – wie der baden-württembergische CDU-Spitzenkandidat Guido Wolff. Der führt gerade einen schulpolitischen Wahlkampf wie anno 1975 – samt Feldzug gegen die (in den Lehrplänen aller Bundesländer verankerten) Sexualerziehung in der Grundschule und die von Rot-Grün im Ländle eingeführte Gemeinschaftsschule. Berlin lässt ihn unwidersprochen machen. Und gibt selbst keinerlei Linie (mehr) vor. Die Folge: ein schulpolitischer Zickzack-Kurs, der keine Richtung erkennen lässt. Während die Christdemokraten im Ländle dem integrierten Schultypus grundsätzliche Mängel bescheinigen und das hohe Lied des gegliederten Schulsystems singen, zeichnet die Parteivorsitzende und Kanzlerin beim Deutschen Schulpreis eine Gesamtschule als beste Schule Deutschlands aus. So kann sich eine Partei auch lächerlich machen.

Wanka ist, anders als seinerzeit Schavan, kein parteipolitisches Schwergewicht in der CDU – und sie hat keinerlei persönliches Interesse an der Schulpolitik. Sie äußert sich zu schulpolitischen Fragen nicht, sondern verweist kreuzbrav auf die Länderhoheit in der Schulpolitik. Versuchen der SPD, am Kooperationsverbot in der Schulbildung zu rütteln, erteilt sie stets umgehend eine Absage. Dabei wäre es jetzt dringend notwendig, wie von den Sozialdemokraten gefordert, einen nationalen Bildungsgipfel einzuberufen, auf dem die Herausforderungen Integration und Inklusion mal gemeinsam und konzentriert angegangen werden. Obwohl die Probleme allerorten vergleichbar sind – zu wenig Lehrkräfte, kaum DaZ-Lehrer, viele Flüchtlingskinder, fehlende Integrations- und Inklusionskonzepte –, wurschteln die Bundesländer hier weiter allein vor sich hin. Die KMK gibt dabei ein erschütternd trauriges Bild ab. Sie hat nicht einmal einen Überblick darüber, wie viele zusätzliche Lehrerstellen insgesamt in Deutschland aktuell für die Flüchtlingskinder geschaffen wurden.

Und Frau Wanka? Rührt sich nicht. Und bleibt auch der „didacta“ fern. News4teachers

Zum Bericht: Merkels stille Schulrevolution: Wie die Kanzlerin die Gesamtschule für die Union salonfähig macht

6 Kommentare

  1. …. Johanna Wanka? Wer um alles in der Welt ist Johanna Wanka? Nie gehört den Namen!…

  2. Na, hier hat ein Anhänger “fortschrittlicher” Bildungspolitik geschrieben.

  3. Jürgen Günther

    Macht doch nichts, dass Frau Wanke der “didacta” fern bleibt. Dafür ist doch der Vertreter des geheimen Bildungsministeriums, Herr Jörg Dräger, Vorstandsmitglied bei der Bertelsmann-Stiftung anwesend.

    • … und der kann wesentlich überzeugter für all die schönen teuren unverzichtbaren innovativen Zusatzunterrichtsmittel werben, die man auf der Didacta sieht.

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