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Einmalig in Deutschland – an Schule in Niedersachsen kann Voltigieren im Abitur belegt werden

FÜRSTENAU. Das Pferdeland Niedersachsen – und kein Reiten in der Sportprüfung für das Abitur? Das muss sich ändern, dachte sich eine Schule im Osnabrücker Land. Eine 18-Jährige wird nun vor Ostern die erste Schülerin sein, die die Prüfung ablegt.

Leichtathletik, Basketball – und jetzt auch Voltigieren: Im Osnabrücker Land geht man in Sachen Abitur künftig neue Wege. An der Integrierten Gesamtschule Fürstenau können Schüler nun auch im Reitsport ihre Abi-Prüfung ablegen. Die Schule ist damit nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) die erste bundesweit, die einen Reitsport in die Allgemeine Hochschulreife aufnimmt. «Niedersachsen trägt doch das Ross im Wappen – wer, wenn nicht wir sollten die Herausforderung dann annehmen?», fragt Stephan-Heinrich Flohr, der für das Projekt mitverantwortliche Sekundarstufenleiter.

Die Akrobatik zu Pferde hatte die Ganztagsschule schon einige Jahre als Arbeitsgemeinschaft im Angebot. 2013 entstand dann die Idee, das auch im Unterricht fortzuführen. «Wir wollten damit auch dem Wunsch der Kinder entsprechen», sagt Flohr, «das Interesse an den AGs war immer enorm.» Gesagt, getan: Mit der Bundestrainerin Voltigieren Ulla Ramge und den Warendorfer Olympia-Reitern erarbeitete man die Prüfungsaufgaben – und bekam im vergangenen November vom Kultusministerium prompt den Zuschlag für das Pilotprojekt.

Bei den Schülern kommt diese Eigeninitiative gut an. «Ich find es echt gut, dass nicht nur typische Sportarten angeboten werden. Jetzt gibt es neben Fußball für die Jungs eben auch mal was für die Mädchen», sagt Hanna Lagemann. Die 18-Jährige wird Ende März als erste Schülerin in Deutschland die Prüfung ablegen. Sport zählt dann als ihr fünftes Prüfungsfach und ersetzt die mündliche Prüfung. Neben Voltigieren als Individualsport muss sie sich auch noch in einer Teamsportart und allgemeiner Sporttheorie prüfen lassen.

Der Umgang mit Pferden ist hier versetzungsrelevant. (Foto: az1172/Flickr CC BY-SA 2.0)

Sie sind in Fürstenau Teil des Unterrichts: Pferde. (Foto: az1172/Flickr CC BY-SA 2.0)

Woher aber geschultes Personal nehmen? Reiten ist ja nun nicht klassischer Teil eines Lehramtsstudiums. Auch das nahm man in Fürstenau selbst in die Hand: Die Lehrer, die wollten, konnten bei der FN den Trainerschein Reiten und Voltigieren ablegen. Die Kosten für die Weiterbildung übernahm die Schule komplett. «Das war es absolut wert», ist sich Schulleiter Jürgen Sander sicher. Immerhin hat die Gesamtschule in Fürstenau damit nun bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal.

In den Voltigier-Stunden lernten die Schüler die Praxis mit klassischen Figuren wie der Fahne, dem Knien oder Stehen auf dem Pferd. Unterrichtet wurde aber auch, wie man ein Pferd richtig aufzäumt oder was bei der Pflege wichtig ist. Während eine Schülerin mit dem Pferd an der Longe auf Sandboden übte, turnten die anderen auf Bock, Schwebebalken oder Gymnastikbällen zur Probe. «Da war ganz schön Trubel in der Halle», schildert Hanna den Unterricht. Das Reitsportzentrum des ortsansässigen Reit- und Fahrvereins steht nur wenige hundert Meter neben der Schule.

Dass der Kurs nur aus Mädels bestand, das wundert sie nicht. «Aber vielleicht trauen sich die Jungs in den kommenden Jahrgängen auch mal ans Pferd.» Reiten und speziell Voltigieren sei schließlich nicht allein Mädchensport – gefordert ist neben Akrobatik auch einiges an Kraft, erklärt die 18-Jährige: «Nach dem ersten Training hatte ich echt tierischen Muskelkater.»

Dabei war der Pferdesattel für Hanna gar kein neues Terrain. Sie reitet seit längerem schon auf kleineren Springturnieren. Ähnlich wie sie hatten auch die anderen Mädchen schon Erfahrung. Voraussetzung war das für den Kurs aber nicht. «Man sollte jetzt keine Angst vor Pferden haben», sagt Hanna.

In der Prüfung selbst wird benotet wie im Geräteturnen. Für gute Punkte muss Hanna auf angemessene Körperspannung achten, aber auch auf den Bewegungsablauf und Ausdruck insgesamt. Alles in Pflicht und Kür – so wie im normalen Wettkampf auch. Bis zur Prüfung in der Woche vor Ostern übt sie einmal pro Woche. Ist es geschafft, hat sie nicht nur das Abitur in der Tasche: Sie kann auch von sich behaupten, eine echte Vorreiterin zu sein. Anne Armbrecht/dpa

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