Startseite ::: Praxis ::: Für gute Menschen und Pädagogen: So setzen Sie sich durch – Fünf Tipps für gesunde Aggressivität

Für gute Menschen und Pädagogen: So setzen Sie sich durch – Fünf Tipps für gesunde Aggressivität

DÜSSELDORF. Hand aufs Herz: Für viele Pädagogen ist Aggressivität etwas Schlechtes. Was im Privaten meist zutrifft, gilt aber nicht für den Beruf. Denn wer erfolgreich sein will, muss sich durchsetzen können. „One evil action every day keeps the psychiatrist away“, sagt der Kriminologe und Erziehungswissenschaftler Professor Jens Weidner. Er rät augenzwinkernd zu einer gesunden Mischung aus 80 Prozent Teamorientierung und Fairness und 20 Prozent bissiger Aggression. Fünf Tipps, die der Wissenschaftler in seinem Vortrag auf dem Deutschen Schulleiterkongress am 5. März den Teilnehmern mit auf den Weg gab.
Steckt nicht in jedem von uns auch ein Supermann? Foto: Tom_Bullock / flickr (CC BY 2.0)

Steckt nicht in jedem von uns auch ein Supermann? Foto: Tom_Bullock / flickr (CC BY 2.0)

1. Verabschieden Sie sich von der „nice guy attitude“, wenn Sie mit Menschen arbeiten, die Freundlichkeit als Schwäche interpretieren. Weidner illustriert das mit einem Beispiel aus seiner eigenen Arbeit: Als einer seiner Mitarbeiter eine ihm zugewiesene Aufgabe immer wieder auf später verschob, änderte er kurzerhand den Raumplan und setzte ihn in einen Raum ohne Fenster. Die nicht sehr nette Maßnahme erwies sich als erfolgreich. Kurze Zeit später lieferte der Mitarbeiter die fertige Aufgabe bei ihm ab.

2. Durchschauen Sie Machtspiele. Erstaunlich, aber manchmal reicht es schon, andere Menschen einfach darauf hinzuweisen, dass Sie gerade ein Machtspiel spielen, um es zu beenden. Machtspiele werden allerdings auch gerne gespielt, um den Status des anderen zu reduzieren. Etwa, wenn in Teambesprechungen, vermeintlich harmlos, auf Fehler des anderen hingewiesen wird. Dann hilft nur, aussitzen und es dem anderen bei nächster Gelegenheit heimzuzahlen.

Weidner ist Pädagoge und Kriminologe. Foto: Michael Kottmeier, K-film

Kennt sich aus mit harten Jungs: Weidner ist Pädagoge und Kriminologe. Foto: Michael Kottmeier, K-film

3. Lernen Sie die hohe Kunst der Bisshaftigkeit, indem Sie anderen bis zuletzt das Gefühl geben, dass er etwas zu sagen hat – und er seine Niederlage erst bemerkt, wenn es zu spät ist. Wie die Frau aus der Geschichte, die mit neun anderen Männern an einem Seil an einem fahrenden Helikopter hängt. Als klar wurde, dass eine Person loslassen musste, damit die anderen überleben würden, hielt die Frau eine flammende Rede darüber, wie sehr Frauen immer schon zurückstecken mussten, um für andere da zu sein, und dass Sie das jetzt auch tun würde. Die Männer waren so gerührt, dass sie in die Hände klatschten…

4. Sich Respekt zu verschaffen, kann nicht immer lustig sein. Weidner rät: Sie müssen einstecken können, und wie eine Kakerlake immer wieder aufstehen. Niemand im Job muss sie lieben, aber alle sollen Sie respektieren. Weidner hatte einen besonderen Tipp für Frauen parat: Wenn ein älterer Herr sie so zusammenfaltet, dass Sie heulen möchten, tun sie es nicht. Stattdessen sagen Sie: „Das war jetzt aber hart und jetzt noch einmal wie ein echter Kerl.“

5. Den eher Zurückhaltenden empfiehlt der Professor sogenannten symbolischen Interaktionismus: Das heißt beispielsweise, ziehen Sie teure Kleidung an, frönen Sie einem gefährlichen Hobby und dokumentieren Sie es (etwa mit Fotos), treten Sie zusammen mit beeindruckenden Personen in Erscheinung. Es geht nämlich nicht unbedingt darum, dass man selbst stark und mutig ist, sondern dass Andere das denken. nin

Professor Jens Weidner ist ein Vertreter der tatkonfrontativen Methode des Anti-Aggressivitäts-Trainings. 1987 wurde es – u.a. von Weidner– in Deutschland eingeführt. Tatkonfrontation heißt im erziehungswissenschaftlichen Sinne aggressive Menschen dort abzuholen, wo sie stehen.

Mehr Informationen unter Jens Weidner

4 Kommentare

  1. Ich denke, die individuellen Stärken und Schwächen eines Menschen im schulischen bzw. beruflichen Alltag allgemein sind zu komplex, um es mit pauschalen Verhaltenstipps ins Lot bringen zu wollen. Neben grundcharakterlichen Eingenschaften spielt ja auch die Tatsache eine Rolle, was der Einzelne gerade zu verlieren hat, d. h. ob er sich vielleicht aktuell in einem Beförderungsverfahren befindet oder ob er sowieso in 1-2 Jahren pensioniert wird bzw. was er evtl. aktuell sonst verlieren könnte (Stundenplanwünsche etc.), wenn er sich zu determiniert verhält. Auf zwei der o. g. Verhaltenstipps möchte ich dennoch eingehen:
    Das genannte Beispiel mit dem fensterlosen Raum hätte auch dazu führen können, dass der betroffene Mitarbeiter plötzlich mit einer erhöhten Anzahl von Krankheitstagen hätte reagieren können, was den Konflikt weiter verschäft hätte. Ich vermute aber, dass dieser Sachverhalt sich sowieso nicht wirklich so zugetragen hat.
    Der symbolische Interaktionismus ist kritisch zu sehen. Das Tragen von Kleidung, zu der man selbst nicht steht, führt zu einer nicht-authentischen Verhaltensweise, die schnell durchschaut werden kann, womit sie eher zu einem Zeichen von Schwäche mutiert. Der Versuch, sich wichtige Persönlichkeiten zu „beschaffen“, impliziert schon wieder taktisches Vorgehen, was bei Ich-schwachen Persönlichkeiten ja eher fehlt.
    Das offene Eingestehen von Schwächen wiederum kann als Stärke oder als Schwäche gesehen werden. Auch hier ist immer die individuelle Sitation ausschlaggebend, sodass pauschale Verhaltenstipps ungeeignet sind. Ein exzentrischer Schulleiter erfordert eine andere Vorgehensweise als ein ruhiger, der seine Schule auf subtile Weise regiert.
    Letzlich sitzen aber in einer Schule sowieso alle in einem Boot, sodass es wohl am sinnvollsten erscheint, in einem offenen Dialog das zu sagen, wozu man auch authentisch in der Lage ist. Das bedeutet, dass eine Ich-schwache Persönlichkeit auf Spielchen verzichten sollte, zu denen sie nicht wirklich steht und dass ein extrovertierter Mensch das auch so ausleben sollte, wie er es verantworten kann.
    Alles andere wäre „House of Cards“.

  2. Habe ich ausprobiert – zum Teil (aber nicht, weil Herr Weidner das empfohlen hat). Und merke, dass 1. ich mich mit dieser Methode nicht mehr als ich selbst fühle und 2. den Eindruck habe, weniger als vorher zu überzeugen und durchzusetzen. Deshalb habe ich beschlossen, wieder ich selbst zu sein und auf solche Ratschläge zu verzichten.

    PS: Punkt 5 muss ich nicht mal ausprobieren um herauszufinden, dass es ein dämlicher Gedanke ist.

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