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Gewalt an der Mozart-Schule – Bildungsverwaltung setzt nach Eltern-Brandbrief Schulleiterin ab

BERLIN. Vor sechs Wochen hatte der Elternsprecher Alarm geschlagen und sich mit einem Brandbrief an die Öffentlichkeit gewandt: An der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Gemeinschaftsschule im Berliner Stadtteil Hellersdorf komme es fast täglich zu Gewalt. Die Rede war von Schlägereien auf dem Schulhof, Gewalt gegen Lehrer und mitgebrachten Messern im Unterricht. Jetzt hat die Berliner Bildungsverwaltung reagiert – und die Schulleiterin abgesetzt. Dabei scheint das Problem nicht auf eine Schule im Viertel beschränkt zu sein.

Gewalt gehört an einigen Schulen Berlins offenbar zum Alltag.(Symbolfoto) Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Gewalt gehört an einigen Schulen Berlins offenbar zum Alltag.(Symbolfoto) Foto: Hibr / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Der Fall erinnert an den der Rütli-Schule vor zehn Jahren, der bundesweit Schlagzeilen machte: Besonders die jüngeren Kinder hätten Angst, zur Schule zu gehen, hieß es unlängst vonseiten der Eltern der Mozart-Schule (seinerzeit hatte das Kollegium der Rütli-Schule mit einem Brandbrief Alarm geschlagen). Die Schulleitung sei heillos überfordert, und der Konrektor falle längerfristig krankheitsbedingt aus, heißt es in einem offenen Brief des Elternvertreters an das Schulamt. Die Bildungsverwaltung handelte  – und setzte die Schulleiterin ab. Dies berichtet der „Tagesspiegel“. Zum kommissarischen Leiter wurde der Rektor einer Neuköllner Gemeinschaftsschule ernannt. Er soll vorübergehend beide Schulen leiten. Faktisch also gibt es jetzt eine Leitungskraft weniger.

Gebessert habe sich seitdem nicht viel, sagt tatsächlich der Elternsprecher gegenüber dem Blatt. Noch vergangene Woche sei ein ehemaliger Schüler aufs Gelände eingedrungen und habe eine Lehrerin angegriffen. Wegen des Neuntklässlers, der bereits der Schule verwiesen worden sei, habe es in der Vergangenheit zahlreiche Polizeieinsätze gegeben. Die Mozart-Schule besuchen Kinder und Jugendliche von der ersten bis zur 10. Klasse.

Die Eltern fordern laut Bericht nun, dass der Zaun um das Schulgelände erhöht werde und zusätzliche Sozialpädagogen eingestellt werden. Darüber hinaus wollen sie, dass Wachschützer eingesetzt werden. „Wenn da ein starker Mann am Schultor steht, hat das eine Signalwirkung“, meinte der Elternvertreter laut „Tagesspiegel“. An mehreren Neuköllner Brennpunktschulen gibt es dem Bericht zufolge seit Jahren Wachpersonal, die Schulen hätten gute Erfahrungen gemacht. Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD) halte von dem Vorschlag aber nichts: „Wachpersonal an öffentlichen Schulen lehne ich ab; damit kann kein Schulproblem gelöst werden“, so wird er zitiert.

Die Linke-Abgeordnete Gabriele Hiller prangerte derweil Probleme mit Gewalt auch an anderen Schulen des Bezirks an. «Wir haben es dort mit Zuständen wie an der Rütli-Schule zu tun», sagte sie der «Berliner Morgenpost». «Die Klassen müssen kleiner werden, die Schulen brauchen deutlich mehr Personal und mehr Schulsozialarbeiter», sagte die sport- und medienpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Nach Angaben Hillers gibt es bereits an Grundschulen Probleme mit gewalttätigen Schülern. «Weil Grundschullehrer fehlen, werden Studienräte oder Quereinsteiger eingestellt, die nicht für den Umgang mit Grundschülern ausgebildet sind», erklärte sie. News4teachers / mit Material der dpa

 

Bericht einer Mutter
Unterdessen wurde der Bericht einer Mutter bekannt, die vor vier Monaten im Unterricht einer dritten Klasse an der Mozart-Schule hospitierte – und geschockt war von den Zuständen. Sie schreibt:

„Das Läuten der Schulklingel bewegt die Kinder nicht an ihre Plätze. Ein wiederholtes internes Klingeln des Lehrers wird größtenteils ignoriert. Die Kinder bewegen sich durch die Klasse, sitzen mit den Füßen auf dem Tisch, nicht besetzte Stühle verbleiben auf den Tischen, es wird Kaugummi gekaut, lautstark herum gebrüllt, gegessen und getrunken. Der Klassenlehrer beginnt mit erhobener Stimme den Unterricht. Wenige Kinder interessiert dies. Der Raum wird verlassen, wieder betreten – jeder wie er Lust hat. Einem Mädchen werden von dem Mitschüler hinter ihm sogar wenige Haare abgeschnitten. Kaum ein Schüler verbleibt an seinem Platz. Auf Ermahnungen des Lehrers wird mit Widerworten, Ausdrücken und Lächerlichkeit reagiert. Es gibt auch Kinder, die Lernen wollen – unter diesen Umständen jedoch unmöglich. Konzentrieren kann sich so niemand!

Der Lehrer verlässt oft sogar selbst den Raum, um die Kinder die draußen herumspringen, zum Hereinkommen zu bewegen. Ohne Erfolg. Arbeitsblätter werden zu Papierfliegern umfunktioniert und fliegen durch den Raum. Aufgabenstellungen dringen nicht zu den wenigen arbeitswilligen Kindern durch und niemand weiß, was zu machen ist. Es wird geknetet, mit Kuscheltieren geworfen / gespielt und kaum jemand widmet sich dem Unterricht. Manche Kinder sind von 45 min mindestens 30 min nicht im Raum. Vor dem Eigentum anderer Mitschüler oder des Lehrers gibt es keinerlei Respekt. Es werden Ranzen, Federtaschen und Hefte vom Tisch geworfen bzw. ausgekippt. Papierschnipsel werden aus den angeklappten Fenstern geworfen. (Die Griffe der übrigen Fenster wurden bereits demontiert, da die Schüler selbstständig die Fenster öffneten) Aus meiner Sicht eine bezeichnende Situation: der stellvertretende Schulleiter betritt unvermittelt den Raum und auf der Stelle ist es mucksmäuschenstill! Kaum fällt die Tür ins Schloss, ist alles wie vorher.“

Zum Bericht: Eltern-Brandbrief: „Kinder haben Angst davor, in die Schule zu gehen“

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