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Förderschulen „Lernen“ werden geschlossen: Harsche Kritik an Brodkorbs Inklusionsstrategie

SCHWERIN. Die Förderschulen für Schüler mit Lernschwierigkeiten sollen geschlossen werden, die Schüler regionale Schulen besuchen, viele in gesonderten Klassen. Andere Förderschultypen soll es weiter geben. Bis zum Sommer soll der Landtag über das Inklusionskonzept für Mecklenburg-Vorpommern entscheiden. Doch der Opposition und der Lehrergewerkschaft GEW gehen die Reformen nicht weit genug.

Die Strategie von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) und Teilen des Landtags für die Inklusion beeinträchtigter Schüler in die Regelschulen soll nach langer Diskussion bis zum Sommer im Parlament entschieden werden. Für 237 zusätzliche Lehrerstellen bis zum Jahr 2020 sollen 18 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, sagte Brodkorb. Die ersten 66 Stellen seien bereits freigegeben worden. Im kommenden Schuljahr sollen 30 Stellen für die Begabtenförderung an Gymnasien hinzukommen. Ab dem Schuljahr 2017/18 stünden weitere 50 Stellen bereit.

Am Samstag soll bei einem Inklusionskongress mit rund 400 Lehrern über die Strategie diskutiert werden. Kurz davor erneuerten die Lehrergewerkschaft GEW und die Grünen ihre Kritik an den Plänen. Die Strategie sei ein Konzept für Kinder in Sonderschulen, die künftig in eine Regelschule gehen und dort, ab einem bestimmten Schweregrad, in gesonderten Klassen unterrichtet werden sollen, erklärte die Landesvorsitzende der GEW, Annett Lindner. Dies sei nicht mit der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar und entspreche nicht dem aktuellen Forschungsstand.

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Berger, sagte, die versprochenen zusätzlichen 237 Lehrerstellen seien gar nicht zusätzlich. Es handele sich lediglich um umverteilte Stellen. Das Bildungsministerium hat dies in der Vergangenheit wiederholt zurückgewiesen. Berger kritisierte ebenso wie die GEW, dass die Schule nicht im Grundsatz verändert werden soll, mit einem wirklichen gemeinsamen Lernen aller Kinder.

Nach den Plänen von Bildungsminister, SPD, CDU und Linken sollen die Förderschulen für Kinder mit Lernschwierigkeiten geschlossen werden. Ein Zeitpunkt dafür wurde nicht genannt. Die Schüler sollen künftig Regionale Schulen besuchen, viele von ihnen aber wohl in gesonderten Klassen. Von diesen Klassen soll bei entsprechenden Leistungen der Übergang in eine Regelklasse möglich sein. Zudem sollen 20 Schulen im Land, darunter auch Gymnasien, für den Schulbesuch körperbehinderter Kinder ausgestattet werden.

Die Förderschulen für Seh- und Hörgeschädigte sowie für körperlich und geistig Behinderte soll es aber weiterhin geben. Brodkorb sieht mit der Strategie die UN-Behindertenrechtskonvention erfüllt. Es gehe um das Eröffnen von Möglichkeiten, nicht um den Zwang, eine bestimmte Schule zu besuchen, sagte er. Eltern müssten auch das Recht haben, ihr Kind in einem «geschützten Raum» unterrichten zu lassen. (dpa)

zum Bericht: UN-Berichterstatter Aichele kritisiert die Entwicklung der Inklusion in Deutschland als „klar konventionswidrig“

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