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Heranführung an die Finanzwelt: Schüler als verantwortungsbewusste Konsumenten von morgen

Kinder entwickeln ihre Wünsche zumeist schon recht früh, was sie in den Augen der Wirtschaft zu wertvollen potenziellen Konsumenten macht. Damit das Geld, dass beispielsweise der Osterhase gerade bei älteren Kindern statt buntgefärbter Eier und Süßigkeiten hinterlässt, nicht bei der erstbesten Gelegenheit wieder ausgegeben wird, muss der Nachwuchs von klein auf an einen verantwortlichen Umgang mit seinen Finanzmitteln herangeführt werden. Einen wichtigen Beitrag dazu kann neben der Familie selbstverständlich auch der Schulunterricht leisten.

Wie viel Wirtschaftskompetenz brauchen Schüler?

Das Spannungsfeld, in dem sich die Schüler selbst bei der Frage nach ihrer Finanz- und Wirtschaftskompetenz bewegen, wird am deutlichsten an der kontroversen Diskussion von Plänen, an allgemeinbildenden Gymnasien in Baden-Württemberg „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ als Schulfach zu etablieren.

Vier junge Frauen mit Einkaufstten

fotolia.com © DDRockstar

Zur Debatte steht allerdings nicht in erster Linie ein gewisser Bedarf, Kinder und Jugendliche im Bereich von Finanzen und Wirtschaft fitter zu machen, als vielmehr die Ausrichtung des Faches selber: Während die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände einen noch stärkeren Fokus auf die ökonomischen Aspekte fordert, warnt die Deutsche Gesellschaft für Soziologie vor einer Vernachlässigung der gesellschaftlichen Perspektive. Bei aller Diskussion sollten jedoch nicht die konkreten Erfordernisse vergessen werden – nämlich die Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen und das eben auch in Finanzangelegenheiten.

Ständig präsent, selten Gesprächsthema: Finanzerziehung im privaten Umfeld

Den vernünftigen Umgang mit Geld sollten Kinder bereits innerhalb der Familie vermittelt bekommen. In dieser Hinsicht ist die Vorbildfunktion der Eltern keineswegs zu unterschätzen, denn durch die Lebensweise der Eltern erhält der Nachwuchs einen ersten und recht unmittelbaren Einblick in das mögliche Finanzgebaren. Wichtig ist hier vor allem eine gewisse Konsequenz, das heißt das Verhalten der Eltern sollte ihren Forderungen an die Kinder nicht entgegenstehen: Wer von den Kleinen also Sparsamkeit fordert, darf sich selbst nicht durch massiven Konsum hervortun.

Stattdessen geht es um die Vermittlung eher traditioneller Werte, allen voran Selbstdisziplin und vorausschauendes Planen. Kleine und große Wünsche haben schließlich auch Kinder schon, denen als Einnahmequelle lediglich ihr Taschengeld zur Verfügung steht. Dass diese Wünsche jedoch in manchen Situationen mal hintanstehen müssen, ist dabei ebenfalls Teil des Lernprozesses – die Bereitschaft, das Ersparte bisweilen für andere auszugeben, ist immerhin Grundlage für das Gefühl der sozialen Mitverantwortung.

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Quelle: Jugendstudie 2015. Wirtschaftsverständnis, Finanzkultur, Digitalisierung, Seite 57.

Immerhin: Studien wie das Schuldenbarometer 2015 und die Jugendstudie 2015 zu Wirtschaftsverständnis, Finanzkultur und Digitalisierung, die im Auftrag des Bundesverbandes deutscher Banken entstanden ist, zeichnen in dieser Hinsicht insgesamt ein relativ positives Bild. So ist die Zahl der Privatinsolvenzen weiterhin rückläufig – im Vergleich zum Vorjahr liegt der Wert um 6,4 Prozent niedriger – und auch unter Jugendlichen ist das Problem der Überschuldung auf einem fast gleichbleibend niedrigen Niveau. Die Tendenz ist sowohl bei den 14- bis 17-jährigen wie auch bei den 18- bis 24-jährigen sogar eher abnehmend.

Das ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Wegfall der Schuldengefahr, dessen sind sich die Jugendlichen selbst sehr wohl bewusst. Damit schon frühzeitig ein Gefühl für die Verhältnismäßigkeit zwischen Einkommen und möglichen Ausgaben entsteht, sollte das Thema Finanzen ab einem gewissen Alter offen in der Familie angesprochen werden können. Das Ausblenden führt hingegen unweigerlich zu Wissenslücken, die letztlich auch den weiteren Lebensweg der Kinder entscheidend prägen können.

Wirtschaftsfaktor Jugend: Kinder als Konsumenten

Die Finanzerziehung ist daher umso wichtiger, als Kinder und Jugendliche von der Wirtschaft durchaus als Konsumenten wahrgenommen und beispielsweise über die Werbung gezielt angesteuert werden. Das gilt insbesondere für den Kauf technischer Geräte, allen voran Smartphones. Interessant sind die Jüngeren aber auch für die Banken, die in ihrem Repertoire ebenso Girokonten und Bankkarten für Barabhebungen für diese Zielgruppe führen.

Es ist sicherlich kein Nachteil, den Nachwuchs rechtzeitig mit dem Thema Bank vertraut zu machen. Zur eigenverantwortlichen Verwaltung des Geldes gehören Grundkenntnisse über Transaktionen und Geldanlagemöglichkeiten unweigerlich dazu. Wichtig ist allerdings eine realistische Einschätzung der Kinder – zusätzlich zur Beachtung von Alter und juristischer Geschäftsfähigkeit. Ein erster Anlaufpunkt, bei dem die Kinder auch persönlich involviert werden können, ist ein sogenanntes Kinderkonto. Dabei handelt es sich um ein vollwertiges Girokonto inklusive der Möglichkeit, in den Bankfilialen Geld abzuheben. Eltern können hier beispielsweise das Taschengeld einzahlen und der Nachwuchs bekommt einen ersten Einblick in die Vorgehensweise bei Bankgeschäften.

Die Gefahr der Verschuldung ist durch den Wegfall eines Dispositionskredit zumindest bei einem Kinderkonto zunächst nicht gegeben. Was umgekehrt nicht bedeutet, dass die Jugendlichen nicht mit dem Erreichen von Volljährigkeit und voller Geschäftsfähigkeit doch noch in die Schuldenfalle geraten können. Denn oft ist dieser Lebensabschnitt mit dem Führen des ersten eigenen Haushalts verbunden. Ohne die nötigen Voraussetzungen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den dann zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln, ist diese Gefahr entsprechend größer.

Finanzkompetenz im Unterricht fördern

Zu den möglichen Problemen im alltäglichen Zahlungsverkehr kommen natürlich weitergehende Aspekte der Finanzwelt, mit denen auch Jugendliche wenigstens über die Medien konfrontiert werden. Banken- und Finanzkrise, die Rolle der Europäischen Zentralbank, Zinsentwicklungen – das sind allesamt aktuelle Themen, die sich inhaltlich und thematisch selbst vielen Erwachsenen nicht vollständig erschließen.

Nichtsdestotrotz können solche Vorgänge die Jugendlichen betreffen. Vielleicht nicht unmittelbar und persönlich, höchstwahrscheinlich nicht einmal während der Schulzeit, aber spätestens mit Beginn einer konkreteren Zukunftsplanung sind Finanzthemen durchaus relevant. Darauf gilt es die Kinder und Jugendlichen vorzubereiten. Aufgrund der Komplexität der Thematik bietet sich eben auch der Schulunterricht an, etwaig bestehende Wissenslücken in Sachen Finanzkompetenz zu schließen.

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Die Vermittlung von grundlegendem Finanzwissen kann die familiäre Finanzerziehung mindestens ergänzen. :pixabay.com © dangquocbuu (CC0 Public Domain)

Das Unterrichtsprogramm kann in diesen Belangen problemlos den Bedürfnissen und Interessen der Schüler angepasst werden. Dabei helfen ganz unterschiedliche Initiativen, die zum Teil bundesweit Lehrmaterialien für die Finanzerziehung und –kompetenz zur Verfügung stellen. Eine davon ist beispielsweise das Projekt KinderCash, das sich schon an Grundschüler richtet. Ziel ist es, die Kinder für die Problematik des Konsumdrucks und die daraus resultierenden Folgen zu sensibilisieren.

Damit die erzielten Lernerfolge auch nachhaltig ihre Wirkung entfalten können und nicht allein an den Schulalltag gebunden bleiben, werden Lehrer und Eltern gleichermaßen in das Konzept eingebunden. Für die Kinder sind die verteilten transparenten Sparschweine das zentrale Mittel, um den vorausschauenden Umgang mit ihrem Taschengeld zu üben. Helfen sollen dabei unter anderem die verschiedenen Fächer der Schweine, die sich auf vier Kernelemente der Finanzverwaltung beziehen: Ausgeben, Sparen, Investieren und Gute Tat.

An ältere Schüler (im Alter zwischen 15 und 20 Jahren) – und zugleich auch an ihre Lehrer – richtet sich das Angebot der Schufa, die mit der Wirtschaftswerkstatt eine ganze Reihe von Hilfsmitteln bereitstellt. Dazu gehören Ratgeber zum Auskommen mit einem begrenzten Budget, zum Online-Shopping, ersten Mietverträgen, genauso wie Überblicke über die wichtigsten Finanzthemen samt Glossar. Interaktive Formate dienen der Selbsteinschätzung in Geldangelegenheiten, beispielsweise hinsichtlich Handyverträgen oder zu den Ausgaben im Allgemeinen.

Zur Vermittlung der finanziellen Allgemeinbildung können Lehrkräfte auf die angebotenen Unterrichtsmaterialien zurückgreifen, die ausführlich unter schufamachtschule.de beschrieben werden. Die sind teilweise ganz praxisnah orientiert und bieten zum Beispiel Material zu den Themen Haushaltsbuch, Passwörter und Allgemeine Geschäftsbedingungen. Die Themenhefte hingegen gehen darüber hinaus und zeigen den Jugendlichen unternehmerische und familiäre Zukunftsperspektiven auf. Damit wird auch gewährleistet, dass der Nutzen der Langzeitzielsetzung, also der verantwortungsbewusste Umgang mit Geld, nicht aus den Augen verloren wird.

 

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