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Nach Abi-Randale im Rheinland: Schülersprecher setzt sich für Umdenken ein – Gespräche geplant

KÖLN. Nach der Abi-Randale in Köln schließt der Schülersprecher des betroffenen Humboldt-Gymnasiums ähnliche folgenschwere Auseinandersetzungen in den kommenden Jahren aus. «Es wird in den nächsten Jahren deutlich ruhiger werden», kündigte Noah Gottschalk am Freitag an. «In diesem Jahr ist viel zu Bruch gegangen», sagte er über die Folgen der Eskalation für die Schülerschaft.

Am Humboldt-Gymnasium war in der Nacht zu Dienstag ein Abi-Streich derart eskaliert, dass zwei 18-Jährige schwer am Kopf verletzt wurden. Rivalisierende Gruppen waren aufeinandergetroffen. Zeugenaussagen zufolge flogen Steine und Flaschen. Am Freitag meldete die Polizei, sie habe die Wohnung und das Auto eines Schülers durchsucht – und eine Schleuder beschlagnahmt. Möglicherweise habe sie der 18-Jährige zusammen mit anderen bei dem Tumult benutzt. Die Ermittlungen seien noch nicht beendet.

"Wir hatten auch schon letztes Jahr in Köln eine ähnliche Situation": Kölner Abiturienten 2015 in einem selbstgedrehten Video. Screenshot

„Wir hatten auch schon letztes Jahr in Köln eine ähnliche Situation“: Kölner Abiturienten 2015 in einem selbstgedrehten Video. Screenshot

Die Anteilnahme nach den Vorfällen an seiner Schule sei riesig, das habe sich auch bei einer großen Schülerversammlung am Freitagmorgen gezeigt, sagte Humboldt-Schüler-Sprecher Gottschalk: Jetzt seien «alle wach gerüttelt». Die Schwerverletzten hätten zu ihren Mitschülern gesprochen und ihnen ins Gewissen geredet, dass sich das nie mehr wiederholen dürfe.

Hintergrund der Auseinandersetzungen sollen gegenseitige Provokationen unterschiedlicher Schulen in der Stadt sein, die schon seit Jahren laufen. Im konkreten Fall am Dienstag reklamierten die Humboldt-Abiturienten, selbst nicht mit der Gewalt angefangen zu haben. Die Schulleitung äußerte zudem die Vermutung, dass sich «Nicht-Schüler» unter den Pulk gemischt haben könnten.

Bühne für den auch als «Abi-Krieg» bezeichneten Kölner Schülerstreit ist die sogenannte Mottowoche. Die letzten Tage vor den Osterferien werden vielerorts für besondere Aktionen und Verkleidungen genutzt. Für die angehenden Abiturienten sind es die letzten Schultage überhaupt vor den Prüfungen. In Köln war es dabei schon in den vergangenen Jahren zu Entgleisungen gekommen.

Der stellvertretende Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums, Michael Wittka-Jelen, äußerte die Hoffnung, dass die jüngste Eskalation zu einem Umdenken führe. Nach den Osterferien solle in Gesprächen mit anderen Schulen, Stadtverwaltung und Bezirksregierung darüber diskutiert werden, wie die Mottowochen einen anderen Charakter bekommen könnten. Die sogenannten «Abi-Kriege» künftig einfach zu verbieten, sei für die Schule im Grunde nicht möglich, sagte eine Vertreterin der Elternschaft. Sie seien in der Nacht und außerhalb des Schulgeländes ausgetragen worden. Der einzige Weg sei, nun eine gemeinsame Lösung für die Zukunft zu finden.

Mittlerweile beschäftigt Gewalt an einem Gymnasium auch Ermittler in Düsseldorf. Es werde gegen mehrere Schüler ermittelt, sagte ein Polizeisprecher. Sie seien beim Versuch, nachts in ein Gymnasium einzudringen, vom Hausmeister überrascht worden. Dabei war es zu einem Handgemenge gekommen, bei dem der Hausmeister erheblich verletzt wurde. Er soll seinerseits Pfefferspray eingesetzt haben.

«Aus Respekt vor und in Solidarität mit unserem Hausmeister haben die Abiturienten unserer Schule jetzt den morgigen Abi-Streich abgesagt», teilte die Vorsitzende der Schulpflegschaft in einem Rundschreiben am Donnerstag an die Eltern mit. dpa

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