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Neymar, Schnuckelpupine, Prinz-Gold – nicht nur Einwanderer erweitern das Vornamens-Register immer mehr

LEIPZIG. Wenn Lehrer zu Schuljahresbeginn ihre neuen Klassen kennenlernen, stolpern sie immer öfter über exotische Vornamen. Mit der Migration nach Deutschland wächst auch der deutsche Namensbestand. Doch es sind nicht nur Einwanderer, die das Register anwachsen lassen. Immer mehr junge Eltern folgen dem Vorbild von Prominenten – und lassen ihrer Fantasie freien Lauf.

Sängerin Sarah Connor bereicherte ebenfalls das deutsche Namensregister um eine bislang unbekannte Variante. Ihre jüngste Tochter heißt Delphine Malou. Foto: Jacqueline Nolting / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Sängerin Sarah Connor bereicherte ebenfalls das deutsche Namensregister um eine bislang unbekannte Variante. Ihre jüngste Tochter heißt Delphine Malou. Foto: Jacqueline Nolting / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Mia und Ben, Emma und Jonas – die langjährigen Spitzenreiter der Vornamen-Ranglisten sind bestens bekannt. Doch jenseits der beliebten Modenamen kommen zahlreiche neue hinzu. Dass Zuwanderer das Land Tag für Tag ein Stück vielfältiger machen, spiegelt sich auch in den Geburtsurkunden wider. Jedes Jahr werden in der Bundesrepublik rund 1000 neue Vornamen eingetragen. «Mit der Migration kommen neue Namen zu uns», sagt Gabriele Rodríguez.

Die Wissenschaftlerin arbeitet in der Namensberatungsstelle, die es seit den 60er Jahren an der Universität Leipzig gibt. Rund 3000 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet melden sich hier jedes Jahr mit ihren Fragen. Der Fundus wächst, 41 514 unterschiedliche Vornamen haben die Forscher im Jahr 2014 registriert. Seit vorigem Jahr bemerkt Rodríguez in ihren Daten auch den Einfluss der Fluchtbewegung.

In England habe es der Prophetenname Mohammed gar an die Spitze der Namencharts geschafft, erläutert der Freizeit-Namensforscher Knud Bielefeld. Er sei unter Eltern mit Familienhintergrund in Indien und Pakistan überaus beliebt. In der Bundesrepublik rangiere Mohammed unter ferner liefen. Hier lebten vor allem türkischstämmige Muslime, erklärt Bielefeld. Bei ihnen spiele der Name keine so große Rolle.

Neu sind Namen aus dem arabischen, türkischen, kurdischen oder persischen Raum in Deutschland aber keineswegs. Schließlich wird jedes vierte Kind hierzulande in eine Familie hineingeboren, die seit Gründung der Bundesrepublik eingewandert ist. Im Laufe der Zeit verwischen die Grenzen dann. «Jasmin etwa ist ein persischer Name, der mittlerweile ganz normal als deutscher Name empfunden wird», erläutert Rodríguez.

Doch nicht nur die Migration lässt den deutschen Vornamenbestand anschwellen. «Es gibt auch einen Trend zur Individualisierung», weiß die Wissenschaftlerin. «Viele Eltern wollen ausgefallene Namen, die nicht jeder hat.» So bekommt inzwischen nur jedes zehnte Kind einen Namen, der in dem Geburtsjahr häufiger als zehnmal eingetragen wird. 66 Prozent der Sprösslinge können sich sogar sicher sein, in ihrem Jahrgang ein Unikat zu bleiben. Oft handelt es sich hier allerdings um Kombinationen aus mehreren Rufnamen.

Einige Paare zeigen sich durchaus kreativ. Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Buckminster, Schnuckelpupine, Prinz-Gold – alles Namen, die kürzlich auf deutschen Geburtsurkunden erfasst wurden, auch wenn Rodríguez mit Schnuckelpupine so ihre Probleme hat. Dass Schnuckel nicht als Name taugt, habe bereits ein Gericht entschieden. Pupina oder Pupine stünden aber im Internationalen Namensverzeichnis, wahrscheinlich sei es deshalb beim Standesamt durchgegangen. «Mit Pupine, Pupina ist die Sache klar. Aber in Verbindung mit Schnuckel würde ich das ablehnen», so Rodríguez.

Wenn ein Vorname noch nicht in den Büchern der Standesämter vermerkt ist, wenden sich die Eltern an die Wissenschaftlerin. Sie untersucht, ob die Wunschsilben als Name geeignet sind und schreibt eine Empfehlung für die Behörden. Bei allzu schöpferischen Paaren muss die Forscherin aber auch ab und zu den Daumen senken. «Hauptkriterium ist, ob der Name das Kind lächerlich machen würde», erläutert Rodríguez. «Superman, Wikileaks, Waldmeister – das geht gar nicht.» Oder eben Schnuckel.

Dass traditionelle regionale Namen bei so viel Wandel aussterben, braucht aber niemand zu befürchten. Denn auch altdeutsche und germanische Namen gewinnen seit Jahren an Beliebtheit. Ob Karl, Otto oder Friedrich – besonders Jungen werden wieder öfter nach ihren Großvätern benannt. Von Tim Fuhse, dpa

Zum Bericht: Der Hang zum Klang – wie Eltern die Namen ihrer Kinder wählen

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