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Niedersachsens Gymnasien: Neunmal mehr Ab- als Aufsteiger

HANNOVER. Die Strukturen an Niedersachsens Gymnasien scheinen durchlässig zu sein – jedoch nur in eine Richtung: Auf dem Weg zum Abitur verlassen viele Schüler das Gymnasium. Den Aufstieg schaffen dagegen sehr viel weniger.

In Niedersachsen verlassen knapp neunmal so viele Schüler auf dem Weg von der fünften bis zur zehnten Klasse das Gymnasium, wie Schüler aus niedrigeren Schulformen den Aufstieg schaffen. Nach jüngsten Zahlen von 2014 wechselten nach Angaben des Kultusministeriums 4117 Gymnasiasten auf eine andere Schulform. Von den Haupt-, Real- und Oberschulen sowie von den Gesamtschulen schafften jedoch nur 463 Schüler den Aufstieg ans Gymnasium.

Im Vergleich mit seinem nördlichen Nachbarn Hamburg steht Niedersachsen im Hinblick auf die sogenannten Abschulungen dennoch gut dar: Während hierzulande von den fast 140.000 Gymnasiasten im Laufe der Sekundarstufe I knapp drei Prozent die Schulform wechseln, verlässt in Hamburg jeder Fünfte das Gymnasium. Vergleichszahlen aus Bremen gibt es nicht, denn dort besteht kein Zwang, das Gymnasium zu verlassen.

Ein Großteil der niedersächsischen Wechsler geht an eine Realschule (2580), deutlich weniger entscheiden sich für die Gesamtschule (IGS: 418, KGS: 550), obwohl dort an vielen Schulen der Weg zum Abitur weiter offen bleibt. Ob die Zahlen auf zu geringe Kapazitäten der Gesamtschulen zurückzuführen sei, wollte die Sprecherin des Kultusministeriums nicht bestätigen. Aber: «Die Nachfrage nach Plätzen an Gesamtschulen ist seit Jahren ungebrochen hoch.» Im laufenden Schuljahr hätten an 39 Gesamtschulen Losverfahren durchgeführt werden müssen, weil es zu viele Bewerber für zu wenige Plätze gab.

Der Vorsitzende des Landeselternrats, Stefan Bredehöft, warnte indes vor zu hohen Erwartungen der Eltern an ihre Kinder. «Die Erfahrung des Scheiterns ist für das Kind sehr negativ», erklärt er. Der Anspruch der Eltern an ihre Kinder sei oft hoch. «Ich sehe da erhöhten Beratungsbedarf an den Gymnasien.» Bredehöft betonte jedoch auch, dass ein Wechsel zu einer anderen Schulform auch Vorteile habe und das Selbstbewusstsein der Kinder durch positive Lernerfahrungen stärken könne. dpa

Zum Bericht: Sitzenbleiberquote steigt – CDU macht Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung verantwortlich

 

4 Kommentare

  1. Alles andere wäre ja auch erstaunlich oder?

  2. … ein sehr trauriger Zustand, der sich nur dadurch ändern ließe, dass Eltern ihre Kinder realistischer einschätzten.
    Aber auch die Landesregierung könnte das Ansehen der Realschulen stärken und aktiv das „Aufsteigen“ fördern. Will sie das?

    • Die Landesregierung wird das nicht tun, weil sie ein gutes Schulsystem fälschlicherweise mit einem hohen Abiturientenanteil identifiziert und damit zumindest indirekt alle mittleren Schulabschlüsse schlecht redet. Das setzt zwangsläufig viele Gymnasiasten voraus und damit eine hohe Übergangsquote von der Grundschule auf das Gymnasium.

      • Nein, das ist nicht der Irrtum der Landesregierung, das ist gelebte Realität.

        Für die Eltern ist jeder andere Schulabschluss als die AHR zweitklassig. Diese Meinung wird ebenfalls durch das Einstellungsverhalten von Arbeitgebern unterstützt; wobei bei dnen weniger das „Aprätur“ als solches Gewicht hat als die Tatsache, dass die potentiellen Auszubildenden volljährig sind und somit Verstöße gegn das Jugendarbeitsschutzgesetz a priori ausgeschlossen werden können. Die lästige Jugendarbeitnehmervertretung muss auch gar nicht erst beteiligt werden.

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