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Experten kritisieren mangelnde Medienbildung in der Lehrerausbildung

SCHWERIN. Die Medienbildung hält mit der digitalen Entwicklung nicht Schritt konstatieren Medienexperten in Mecklenburg-Vorpommern. Alle Parteien müssten ihrer Meinung nach größeren Einsatz zeigen.

Medienbildung muss nach Ansicht der im Netzwerk Medienaktiv MV zusammengeschlossenen Experten schon im Kindergarten anfangen und auch die Eltern einschließen. «Zu einem verantwortungsvollen, bewussten Umgang mit modernen Medien müssen alle Altersgruppen befähigt werden», sagte der Direktor der Landesmedienanstalt, Bert Lingnau auf einer Fachtagung.

Medienerziehung muss nach Meinung von Experten bereits im Kindergartenalter ansetzen. Foto: Honza Soukup / flickr (CC BY 2.0)

Medienerziehung muss nach Meinung von Experten bereits im Kindergartenalter ansetzen. Foto: Honza Soukup / flickr (CC BY 2.0)

Dem pflichtete der SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Dahlemann bei: Kinder seien in einer zunehmend digitalisierten Welt den Erwachsenen im Gebrauch von Smartphones und Tablets häufig voraus. Kitas und Schulen seien daher besonders gefordert, einen vernünftigen Umgang mit Medien zu vermitteln und damit Defiziten im Elternhaus zu begegnen. Dahlemann räumte ein, dass begrenzte Finanzmittel dabei mitunter die Umsetzung von Vorhaben erschwerten. Dazu zähle etwa die technische Ausstattung der Schulen. «Eine Regierungspartei muss immer auch die Kosten im Kopf haben», sagte er.

Medienfachleute, Datenschützer, Suchtexperten und Vertreter von Jugendverbänden mahnten die Parteien im Landtag, die zu Jahresbeginn vom Medienaktiv vorgelegten medienpolitischen Forderungen in ihre Programme aufzunehmen und nach der Wahl im September auch umzusetzen. Einer der zentralen Punkte ist dabei eine fundierte Aus- und Weiterbildung von Erziehern und Lehrern. Mehrfach wurde beklagt, dass der Umgang mit neuen Medien im Unterricht noch nicht verpflichtend zur Pädagogenausbildung in Mecklenburg-Vorpommern gehöre.

«Fakultative Kurse reichen nicht», betonte auch der Fraktionschef der Linken, Helmut Holter. Er warf der SPD/CDU-Landesregierung vor, zu zögerlich zu handeln. Das betreffe auch die Anpassung der Lehrpläne an den Schulen. «Da müssen wir dringend aufräumen, um die benötigten Freiräume zu schaffen», sagte Holter. Zudem forderte er mehr Unterstützung für außerschulische Projekte der Medienbildung. «Kinder müssen lernen, dass digitale und reale Welt nicht deckungsgleich sind», sagte Holter.

Besonders im Umgang mit personenbezogenen Daten in sozialen Netzwerken zeigten sich bei Kindern und Jugendlichen bedenkliche Defizite, sagte der Datenschutzbeauftragte Reinhard Dankert. Er sprach sich dafür aus, «der Sorglosigkeit klare Regelungen zur Seite zu stellen». Zudem müssten Eltern ihren Kindern auch vorleben, wie man seine Privatsphäre schützt und die anderer achtet. Gute Erfahrungen habe seine Behörde mit der Ausbildung und dem Einsatz von Medienscouts gemacht. Von den speziell geschulten Schülern gebe es landesweit inzwischen rund 150. Weil Altersgrenzen nicht vorhanden seien, fänden diese meist eher Gehör als Eltern oder Lehrer. (dpa)

zum Bericht: Kinder lernen aus den Medien – Forscherin kritisiert zunehmende dramatisierendere Darstellungen

 

9 Kommentare

  1. Angesichts des immer schneller voranschreitenden technischen Fortschritts und immer wieder neuer Vorschriften braucht man die Medienbildung in der Ausbildung nicht zu intensivieren. Eine regelmäßige Fort- und Weiterbildung während des Berufs ist aber wichtig, vor Allem in Richtung Datenschutz und Urheberrecht.

    Ach ja: Nicht nur neue Medien müssen Lehrer bedienen können. CD-Player, Kassettenrekorder und Videorekorder dürften in etlichen Schulen wohl noch immer regelmäßig im Einsatz sein. Und nicht zu vergessen der Kopierer mit allen Eigenheiten wie z.B. die automatische und regelmäßig falsche Papierformatauswahl.

    • Eine regelmäßige Fort- und Weiterbildung soll reichen? Wer soll denn das bei der Masse der Lehrerinnen und Lehrer schaffen???? Die Fortbildungsinstitute der Länder???? Die selbst keine Fachleute haben, die das vermitteln sollen?
      Dazu kommt, wenn nicht schon das Interesse an einer fächerübergreifenden Medienbildung da ist und Ideen vermittelt werden, wie das geschehen kann (eben bei Lehramtsstudenten), dann frage ich mich, wie man Lehrerinnen und Lehrer dazu bekommen soll, mal etwas Neues zu probieren? Das nächste ist, dass es viel schwieriger ist, Lehrerinnen und Lehrer vom Schuldienst für eine Weiterbildung zu befreien – Stichwort Ausfallstunden. Warum nicht die Zeit für eine grundlegende Sensibilisierung und Wissensvermittlung bereits im Studium und Referendariat nutzen????
      Ich schule in diesem Bereich. Können Sie sich vorstellen, was es heißt ALLE Lehrerinnen und Lehrer in diesem Bereich zu sensibilisieren und zu schulen? Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Warum sollte es nicht schon im Studium vermittelt werden, wo die pädagogischen Fachkräfte doch so interessiert daran sind?

      Übrigens medienkompetent heißt nicht, dass man sie nur bedienen kann, diese Medien! Es heißt zu verstehen, welche Wertekonflikte auftreten in einer digitalisierten Gesellschaft und zu verstehen, wie der Wirtschaftskreislauf dahinter funktioniert und zu verstehen, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn wir unsere Privatsphäre aufgeben – es heißt eben alles: über Chancen UND Risiken aufklären zu können.

  2. Glaubt denn irgendjemand, dass Lernen mit digitalen Medien einfacher wird? Wäre es das, müssten wir ja heute schon die besten Schüler aller Zeiten haben. Aber wer schaut sich schon gerne Bildungsfernsehen oder Bildungswebseiten an?

    • Einfacher wird es nicht. Es wird anders und es gibt viel mehr Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen. Die Masse an Informationen macht es darüber hinaus sehr schwer, eine qute von einer schlechten Quelle zu unterscheiden, zumal viele Schüler leider nach der oberflächlichen Zusammenfassung einer x-beliebigen Quelle aufhören.

      Die Schüler hängen ständig an ihren Smartphones, Tablets, PC, aber wirklich ernsthaft damit arbeiten und sei es eine einfache Tabellenkalkulation mit Formeln zu erstellen können nur die wenigsten. Das mit der Tabellenkalkulation gilt übrigens auch für viele Lehrer, wie ich an den Dankesworten bei der Dank der Formeln sehr schnellen Berechnung von Durchschnittsnoten entnehmen konnte …

      • Und nochmal muss ich etwas dazu sagen. Warum können es denn die Schülerinnen und Schüler nicht: eine gute von einer schlechten Quelle zu unterscheiden? Meine Antwort/Erfahrung zeigt, weil sie das Wissen dazu nicht vermittelt bekommen. Wie recherchiere ich richtig? Welchen Quellen kann ich vertrauen? Wie kann ich das überprüfen? Warum weiß google, was ich suche? Sind meine Ergebnisse dort wirklich vorgefiltert nach meinen Interessen? Und wie kann ich das ändern? usw
        Früher stand alles in einem Buch – das war geprüft und damit Gesetz, dass es richtig ist. Worüber man auch vortrefflich streiten kann. Heute habe ich eine Vielzahl von Möglichkeiten mich zu informieren. Und natürlich ist das, was ich im Netz alles finden kann nicht alles wahr, wie die Geschichten der Cousine der Freundin meiner Tante ist folgendes passiert…

        Es bleibt die Frage, wie viel eine Tabellenkalkulation in 15-20 Jahren noch wert ist? Formeln und Mathe sollten immer wichtig bleiben. Auch viele andere klassische Fächer. Das steht außer Frage. Doch die Berufswelt wird sich ändern. Wie dann die Anforderungen an künftige Schulabgänger aussehen? Ich weiß es auch nicht. Nur etwas ist klar, wir dürfen nicht starr in unserer Haltung/unserem Blick bleiben, sondern müssen mit der Zeit mitgehen. Denn diese Medienwelt, wie es sie heute um uns herum gibt, haben nicht die Kinder erschaffen, sondern wir! Die heutigen 5. und 6. Klässler wurden gerade mal geboren als die Smartphones die Welt eroberten. Sie haben bestimmt nicht aus den Windeln heraus dafür gesorgt, dass es mittlerweile eine über 90%ige Ausstattung gibt. Ich muss das nicht gut finden! Doch wir sind dafür verantwortlich! Also sind wir ebenso verpflichtet ihnen das Rüstzeug mitzugeben, sich in dieser digitalisierten Gesellschaft zu bewegen.

  3. Milch der frommen Denkungsart

    Das Dilemma liegt in meinen Augen darin, daß die „Neuen Medien“ heute realiter zur Lebenswirklichkeit unserer Schüler gehören – mag man das nun bedauern, hinnehmen oder bejubeln.
    Andererseits hat das an fast food gemahnende Konsumverhalten der Jugendlichen deren kognitive Aufmerk- samkeitsspanne immer weiter degenerieren lassen, so daß es nahezu gleich ist, ob man ihnen nun etwa einen Text – der freilich über Pröbchenliteratur ja nicht hinausgehen darf – in gedruckter oder digital aufbe- reiteter Form vorlegt; ebenso finden sie sich sogar durch didaktische Eingangsfilme, die über eine zehnmi- nütige Länge hinausreichen, zusehends überfordert.
    Leider vermögen auch noch so gut gemeinte und von den zuständigen Kollegen oft mit viel Herzblut konzi- pierte Reflexionskampagnen keinerlei nachhaltige Selbstbescheidung zu erzielen, weshalb ich eine tatsäch- lich je erreichbare verantwortungsvolle bzw. -bewusste Medienkompetenz unserer Schüler mit einem dicken Fragezeichen versehe.

    • Nein, sie haben sie nicht, die viel zitierte Medienkompetenz. Woher denn auch? Wenn die Schülerinnen und Schüler sie nicht vermittelt bekommen. Die gibt es weder über die Muttermilch, noch ist sie genetisch veranlagt und leider gibt es eben nur relativ wenige Elternhäuser, die ihren Kindern das mit auf den Weg geben.
      Eben deshalb ist es so wichtig, dass es zum Bildungs.- und Erziehungsauftrag gehört, um eine Chancengleichheit herzustellen. Ich verweise da noch einmal auf meinen Kommentar oben. Wir Erwachsenen haben diese digitalisierte Gesellschaft herbeigerufen (freiwillig oder unfreiwillig ist auch immer gut zu diskutieren) und nicht die Kinder und Jugendlichen. Und ja, ich gehe da mit, dass es viele gibt, die schlecht unterscheiden können. Das liegt allerdings nicht an den „Neuen Medien“. Ich kenne Jugendliche, die nach Berlin gefahren sind, weil sie dachten, sie treffen die Menschen von „Berlin Tag und Nacht“ (Reality Soap) dort auf der Straße. Es geht um Aufklärung unserer mediatisierten Welt (Germanys Next Top Model, DSDS um nur einige Besipiele zu nennen) und eben apple, google, facebook, microsoft, amazon & co.

      Im Grunde geht es um Werte, Medienethik und auch um die Reflektion unseres erwachsenen Medienverhaltens. Es sind so viele Bereiche und Schule bzw. eine curriculare Verankerung dieser Themen in altersgerechter Weise ist dabei ein wichtiger Baustein.

  4. Milch der frommen Denkungsart

    @Chana:

    Ich pflichte Ihren Feststellungen sachhaltig in nahezu allen Punkten bei.

    Freilich läßt mich ein erneuter Verweis auf die vielfältigen Bemühungen, die allein an meiner Schule unter- nommen werden, um ebendiese Medienkompetenz nachhaltig zu verankern, weiterhin skeptisch sein, ob diese Vermittlungsversuche auf fruchtbaren Boden fallen und keimen werden.
    Letztlich müssen nämlich die Angebote von den Adressaten rezipiert und in die Praxis überführt werden,
    und hier regiert, sobald sich die Schultore hinter den Jugendlichen geschlossen haben, leider allzu oft das Prinzip des Rückfalls in die altgewohnte Beliebigkeit.

  5. Im Studium (mal nebenbei) ist sowas nicht zu vermitteln.
    Im Unterricht (mal nebenbei) kann es eine Rolle spielen, ist aber grundsätzlich neben den vielen anderen Dingen bei überfrachteten Lehrplänen auch nicht zu leisten.
    Und Lehrer wagen täglich etwas Neues, da sie sich täglich der sich wandelnden Schülerschaft stellen, die Neuerungen in der Medienlandschaft sind aber nicht täglich im Fokus.

    Warum gibt es dafür keine Stunden, keine Fachkräfte?
    Natürlich ist es sinnvoll, dass auch Lehrkräfte sich auskennen,
    aber wäre es nicht besser (und günstiger), wenn man spezielle Kräfte für Medienbildung hätte, die sozusagen Kurse oder Unterricht an verschiedenen Schulen erteilen?
    Die können sich von mir aus schon im Studium fit machen, sich dann aber in ihrem Fach auch weiterhin auf dem Laufenden hlaten … und überblicken auch noch 30 Jahre nach dem Studium die aktuelle Medienwelt, weil sie dieses Wissen täglich für den Unterricht nutzen.

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