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Grundschullehrer händeringend gesucht: Zahl der Studienplätze in Berlin wird verdoppelt

BERLIN. In Zeiten des Flüchtlingszuzugs gewinnt das Lehren von ABC und Einmaleins weiter an Bedeutung. Doch Berlins Unis haben bisher viel zu wenig Grundschullehrer ausgebildet. Mit einem Millionenpaket soll das nun anders werden.

An den Berliner Universitäten entstehen in den kommenden Jahren deutlich mehr Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen. Die Zahl der Anfängerplätze wird zum Start des Wintersemesters 2016/17 im Vergleich zu 2015 auf 540 Plätze verdoppelt, wie Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag ankündigte. 2013 seien es gerade einmal 113 Plätze gewesen.

Für den Ausbau wurden nun erste Vereinbarungen mit der Humboldt-Universität (HU) und der Freien Universität (FU) geschlossen. Die Hochschulen erhalten dafür in den Jahren 2016/2017 eine Summe von insgesamt 3,1 Millionen Euro, 2018 dann 4,5 Millionen und ab 2019 jährlich rund 6,1 Millionen. Bis 2018 soll die Zahl der Erstsemesterplätze an HU und FU weiter auf 570 gesteigert werden.

Berlin wirbt wegen des Lehrermangels auch gezielt in anderen Bundesländern Lehrer an. Lücken werden auch mit Quereinsteigern und Gymnasiallehrern gestopft.

Kritiker wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warfen dem Senat bei diesem Thema bereits vor Monaten jahrelange Versäumnisse vor, die sich nicht von heute auf morgen beheben ließen.

Schon 2013 sei ein zusätzlicher Bedarf von bis zu 2000 Lehrerstellen jährlich prognostiziert worden, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Stefanie Remlinger. Dennoch habe die Senatorin in der Planung mit den Unis am alten Bedarf von 1000 Absolventen festgehalten. Der «jetzige Aktionismus» sei nicht ausreichend und komme für viele Kinder und Grundschulen zu spät.

Scheeres und die Uni-Präsidenten Jan-Hendrik Olbertz (HU) und Peter-André Alt (FU) betonten am Montag, die Prognose zur demografischen Entwicklung sei korrigiert worden und der Zuzug von Flüchtlingen nicht vorhersehbar gewesen.

Laut Alt und Olbertz sollen pro Uni nun mehrere neue Professoren eingestellt werden. Allerdings werde das angesichts des leergefegten Marktes nicht leichtfallen, sagte Alt. An Bewerbern für die Studienplätze mangelt es nach Darstellung der Uni-Präsidenten dagegen nicht.

Im Vergleich zu anderen Studienrichtungen haben angehende Grundschullehrer gute Aussichten: Nach dem Abschluss des in der Regel dreijährigen Bachelorstudiums sollen sie direkt zum Master zugelassen werden. Auch wer erst im Studium nach Berlin wechselt, soll bisherige Leistungen unkompliziert anerkannt bekommen. Danach lockten unbefristete Verträge, so Scheeres. «Wir wollen einen Klebeeffekt ausüben.» dpa

Zum Bericht: Grundschullehrermangel: GEW bietet Scheeres Zusammenarbeit an – wenn Gehalt angeglichen wird

3 Kommentare

  1. woher wissen die Politiker, dass 2022 oder 2023 so viele grundschullehrer gebraucht werden? Früher sind die heutigen Studienanfänger mit dem Referendariat nicht fertig.

  2. und wieder sieht man den Nachteil des unflexiblen deuutschen Systems… im Ausland gibt es für Lehramt Quereinsteigermaster , also für ECHTE Quereinsteiger, Fachwechsler, Berufswechselinteressierte Studienangebote in andere Berufe — in DE fehlt das völlig, wieso gibt es z.B. für fachfremde Bachelor keine Quereiinsteigermaster in DE — für solche Angebote muss man ins Ausland auswandern , wo es sowas gibt

  3. Milch der frommen Denkungsart

    @Jenny:

    … vielleicht deshalb, weil – mit Verlaub – jene Quereinstiegskandidaten erst einmal zumindest Basiskenntnisse in korrektem Deutsch (satzbau- wie orthographietechnisch) nachweisen sollten ?

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