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AfD-Antrag abgelehnt: Keine tägliche Zwangsbeflaggung von Schulen in Brandenburg

POTSDAM. An allen staatlichen Schulen soll täglich die Deutschlandfahne wehen. So wünscht es sich zumindest die AfD-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Mit einem entsprechenden Antrag ist sie jetzt allerdings gescheitert.

Der Brandenburger Landtag hat die tägliche Beflaggung aller Schulen mit der Deutschlandfahne abgelehnt. Die AfD hatte dies gefordert, um schon den Schülern die demokratischen und republikanischen Traditionen Deutschlands zu vermitteln. Der AfD-Abgeordnete Thomas Jung erinnerte dazu an das «Sommermärchen» der Fußball-WM im Jahr 2006. «Es war ein Meer von Schwarz-Rot-Gold», sagte Jung. «Lassen sie uns an das Sommermärchen von 2006 anknüpfen.»

Das tägliche Hissen der Deutschlandfahne bleibt Brandenburgs Schulleitern wohl erst einmal erspart. Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Das tägliche Hissen der Deutschlandfahne bleibt Brandenburgs Schulleitern wohl erst einmal erspart. Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Doch die SPD-Abgeordnete Simona Koß und der CDU-Abgeordnete Gordon Hoffmann verwiesen darauf, dass die Schulen meist in Trägerschaft der Gemeinden sind, somit könnten nur diese über die Beflaggung entscheiden. «Uns geht es auch mehr um die Identifikation der Bürger mit den demokratischen Grundwerten, als um die Flagge», sagte Koß. Hoffmann zeigte sich überzeugt, «dass wir unserer Flagge mehr schaden als nützen, wenn wir die tägliche Beflaggung von oben herab anordnen.»

Ähnlich äußerte sich auch Kathrin Dannenberg von den Linken. «Die demokratischen Grundwerte müssen im Unterricht vermittelt werden», sagte sie. Auch die Grünen-Abgeordnete Marie-Luise von Halem lehnte einen Flaggen-Erlass ab. «Aus Freiwilligkeit wird Zwang», meinte sie. «Und Zwang ist kein probates pädagogisches Mittel.» (dpa)

41 Kommentare

  1. Ohne Nationalstolz und tiefste, aufrechte Vaterlandsliebe kann ein richtiger Mensch einfach nicht leben. Ohne das große „Wir“ in Schwarz-Rot-Gold fühlt Mensch sich einfach allein.

    Es braucht einfach einen bunten Lappen, vor dem er salutieren, ein großes (Abgrenzungs-)Kollektiv, als dessen Teil er sich fühlen und für das er auch sterben kann.

    Zumindest sieht das die AfD so.

    Von Verfassungspatriotismus hat man bei da sicher noch nichts gehört. Bei denen gibts nur Schland.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Verfassungspatriotismus

    • Dummheit und Stolz sind aus dem gleichen Holz!

    • Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie mit dem „bunten Lappen“ unsere Nationalfahne meinen?
      Und gehe ich recht in der Annahme, dass der verstorbene Egon Bahr (SPD) in Ihren Augen ein schlimmer Rechtspopulist gewesen ist, denn er bekannte sich zu seinem Nationalgefühl und sagte wörtlich: „Ohne Nationalstolz kann ich gar nicht leben.“ ?

      Ein sog. Verfassungspatriotismus ist ein lebensfremder, kalter Neusprechbegriff, der „Vaterlandsliebe“, „Heimatliebe“ oder auch „Nationalbewusstsein“ oder „-stolz“ verdrängen soll. Stattdessen soll sich jeder künftig als Multikultureller fühlen und nicht mehr als Deutscher. Nur dazu ist das Wortungetüm „Verfassungspatriotismus“ geschaffen worden, das im Übrigen einen Widerspruch in sich selbst darstellt, denn „Patriot“ bedeutet laut Nachschlagewerk: „Person, die ihrer Heimat, Nation sehr verbunden ist“.
      In diesem Sinn sage ich frank und frei: Ich fühle mich als Deutscher, liebe mein Vaterland, seine Kultur usw.
      Bin ich jetzt ein Fall für den Verfassungsschutz oder zumindest für private Gesinnungswächter, wie Sie einer sind?
      Im Kampf gegen Rechts steht doch inzwischen schon ein Großteil des Volkes unter Verdacht.

      • Schwatz-Rot-Mostert – oder watt?

        Die Nationalfahne und die 3. Strophe sind Symbole, also äußere Zeichen. Die Verfassung ist Grundlage des Staates.

        Der Lappen und das Geträller können Se wegfallen lassen, den Kern, die Verfassung nämlich nicht.

        Folglich ist mir jeder Verfassungspatriot dreimal lieber als die idioten, die die Dinestflagge der Bundeswehr mit der Nationalflagge verwechseln und sich Patrioten nennen.

        Die einzig brauchbaren Patrioten oder engl. patriots waren die, die man abschießen konnte.

      • Oooh dixo, da hab ich ja ins Herz ihres Selbstverständnisses getroffen, was?

        „In diesem Sinn sage ich frank und frei: Ich fühle mich als Deutscher, liebe mein Vaterland, seine Kultur usw. Bin ich jetzt ein Fall für den Verfassungsschutz oder zumindest für private Gesinnungswächter, wie Sie einer sind?“

        Verzeihen Sie, bei solchen Bekenntnissen fass ich mir eher an den Kopf (so facepalm mäßig, kennen Sie das?) als das ich die Leute für Fälle für den Verfassungsschutz halte (den ich persönlich ganz und gar nicht mag, weil er de facto demokratisch nicht kontrolliert wrd).

        Niemand soll sich als irgendwas fühlen müssen, das wäre mir am liebsten. Sie sich nicht als „Multikultureller“ (Aus welcher Gazette haben Sie denn diesen Murks? Schon wieder so ein populistischer Bullshit, der irgendwelchen Meinungsdiktaturkram herbeifantasiert), andere sich nicht als Deutsche, ich mich nicht als „Gesinnungswächter“, wenn ich Patriotismus/Nationalismus (die Grenzen sind so herrlich fließend, dass man sich immer als Patriot, aber nie als Nationalist bezeichnen würde, wenns hart auf hart kommt)

        Live and let live.

        Wenn man sich in Kollektiven organisiert, wirds zunehmend schwierig mit diesem einfachen Grundsatz, weil die anderen immer das identitäre Gegenüber sind, von dem es sich abzugrenzen gilt. Im Guten wie im Schlechten.

    • Milch der frommen Denkungsart

      @Georg:

      Man muß nun wahrlich keinen Schauer heiliger Ergriffenheit über den Rücken rieseln fühlen beim Anblick der schwarz-rot-goldenen Trikolore; doch Ihre geschichtsvergessene Ignoranz, mit der Sie ausblenden, wieviele Menschen für diesen „Lappen“ bzw. die damit verbundenen demokratischen Freiheitswerte in den Befrei-ungskriegen, im Vormärz oder während der 48er Revolution gefallen, standrechtlich füsiliert sowie exiliert worden sind, schreibt ein weiteres Kapitel Ihrer ideologiedurchtränkten Niveaulosigkeit, der Sie doch anson- sten anderen sehr gern mit der missionarischen Monstranz demonstrativen Humanismus im Gesicht herum- fuchteln und sich als oberster Barrikadenkämpfer für die Verfassungsrechte (die eben auch untrennbar zu besagten Farben gehören) aufspielen.

      • Es scheint so, als ob für Georg und Genossen die lange deutsche Geschichte ausschließlich aus den 12 Jahren von 1933 bis 1945 besteht, weil die sich für windige Diffamierungs- und Überzeugungszwecke wunderbar eignen.
        „Verfassungspatriotismus“ passt zu einer Multi-Gesellschaft, die gern noch fremde Vaterländer mit deren Sitten und Gebräuchen anerkennt und respektiert, nicht aber ein deutsches mit deutscher Kultur.

        • Welche „deutsche“ Geschichte? Die des heilgen römischen Reiches deutscher Nation, die des deutschen Reiches, die der Weimarer (Versuchs-)Republik?

          Wobei ja nur letztere die genannte Trikolore führte.

        • bolle, der war wirklich lame.

          Den haben Sie doch bei Höcke abgeschrieben, oder?

      • Deshalb sind es ja auch die Farben der Deutschen Burschenschaft – sowohl der alten als der neuen. Das Freicorps auf das Sie anspielen hatte schwarze Pekeschen mit goldenen Knöpfen und roten Biesen. Schwarz-rot-gold ist also Lützows wilde, verwegene Jagd.

      • Oooch Milchmann, bitte, für so ungebildet können Sie mich nicht ernsthaft halten bzw. ist diese Form der Unterstellung wirklich nicht ihr Niveau.

        Diejenigen, die heute bei PEGIDA und der AfD diese Fahne flattern lassen, haben genau das, wofür sie steht, mit ziemlicher Sicherheit nicht im Kopf. Dehnen gehts ums Völkische, um das „Wir“, das werteentleerte und verfassungsuntreue „Deutsch-Sein“ in Abgrenzung zu den „Asylanten“ und „den Muslimen“, um den willenseinheitlichen Kampf des „Volkes“ gegen „die das oben“.

        Und über den Metakommentar, den ich damit oben abgegeben habe, haben Sie natürlich geflissentlich hinweg gelesen. Vielleicht versuchen Sie es mal mit Benedict Anderson „Die Erfindung der Nation“? Eine sehr aufschlussreiche Lektüre.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Benedict_Anderson

  2. Stolz? Worauf denn? Dass Ihnen der liebe Gott zufällig einen deutschen Ausweis mitgegeben hat? War das eine Prämie für besondere pränatale Verdienste?

  3. @dickebank u. Georg
    Da Sie eine deutsche Geschichte (außer der Nazizeit!) in Frage stellen, ist das mit dem Nationalgefühl, der Nationalhymne und der Nationalfahne natürlich eine böse Sache. Hinter allem verbirgt sich ja nichts als Nazikult, Nazitradition und Nazigesinnung.
    Dummerweise ist es üblich, dass Staaten Hymnen und Flaggen haben. Könnten Sie sich vielleicht eine Flagge im zwar gewohnten Schwarz-Rot-Gold vorstellen, aber mit einem Halbmond in der Mitte als deutliches Zeichen?
    Die Fahne brauchte auch nur für eine Übergangszeit zu gelten, bis sich der Grünen-Wunsch erfüllt hat, den Claudia Roth in der „Welt am Sonntag“ vom 6.Februar 2005 so anschaulich und anrührend beschrieb: „Am Nationalfeiertag der Deutschen ertrinken die Straßen in einem Meer aus roten Türkenflaggen und ein paar schwarzrotgoldenen Fahnen.”

    @mehrnachdenken
    Bitte halten Sie sich mit Ihrem Nazi-Sprech zurück! „Vaterland“ und „vaterlandsloser Gesell“ sind Schandbegriffe. Da unsere deutsche Geschichte allein in der Nazizeit besteht, haben alle sog. Bio-Deutschen auch nur Naziwurzeln und ein Nazi-Vaterland. Reden Sie künftig doch bitte vom „deutschen Staat“ und verabschieden Sie sich endlich von Ihren Nazivätern.:-)

    • Es gibt vielleicht eine Geschichte der deutschen Staaten, aber keine einheitliche deutsche Geschichte.
      Die Kaiserzeit ab 71 ist eher eine preussische Geschichte, die Weimarer-Zeit ein gescheiterter Versuch, den die NSDAP per Ermächtigung beendete. Die Geschichte der Bundesrepublik ist ebenfalls keine deutsche Geschichte.

      Der Bund ist allenfalls eine völkerrechtlich anerekannte staatliche Föderation, die Staaten sind und bleiben die Länder, die sich zum Bund zusammengeschlossen haben und diesem gesamtstaatliche Aufgaben übertragen haben. Die Länder als Staaten leiden darunter, dass sie von den Allierten nach deren Gutdünken nach 45 zusammengestrickt worden sind.

      Es gibt also allenfalls die Geschichten der deutschen Stämme und Völker, aber keine gemeinsame Historie.

      Deshalb sind den NRW-lern die Niederländer z.B. auch näher als irgendwelche lederbehosten Alpenrandbewohner. Selbst innerhalb NRWs gibt es keine einheitliche Geschichte von Westfalen und Rheinländern, von den Lippern einmal ganz zu schweigen.

      Und dieses gesamte Konvolut mit einer Strophe eines umstrittenen Liedes der Deutschen und einer Trikolore zu klammern, ist ein Versuch, der allenfalls gelingt, wenn sich Fans des DFB-Teams dahinter versammeln können und ihre Vereinsrivalitäten kurzfristig vergessen können.

      Das eigentliche Symbol der jungen BRD war die DEM, nicht die Nationalfahne und erst recht nicht die Hymne, oder warum wird die Abschaffung der Nationalwährung von mehr Leuten bedauert als die staatliche Souveränität?

      • Milch der frommen Denkungsart

        @dickebank:

        Da man sich mit Ihren kruden Thesen, die aber nichts anderes sind als ein Dokument historischer Ahnungslosigkeit, auf diesem begrenzten Raum leider nicht auseinander- setzen kann, sei exemplarisch nur auf die Seiten 82-172 aus der Schrift „Nation, Na- tionalismus, Nationalstaat“ meines Lehrers Dieter Langewiesche verwiesen.
        Und wenn Sie ihm nicht glauben, so lesen Sie das Lied von Ernst Moritz Arndt „Des Deutschen Vaterland“ – aber Lektüre tut Ihnen jedenfalls not !
        Ihr absurder Versuch, die Reichseinigung von 1871, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die Bundesrepublik Deutschland aus einer nationalen Kontinuität herauszu- schälen, würde ebenso selbst bei geschichtlich nur halbgebildeten Oberstufenschülern Widerspruch auslösen – ein Lehrer sollte sich solch desinformierter Peinlichkeit daher nicht aussetzen.

        • Es gibt eben keine nationale Kontinuität. Die wurde durch die willkürliche Zerschlagung Preußens durch Beschluss des allierten Kontrollrates beendet. Nur weil der Dicke (GröFaZ) prußischer Innenminister war, ist Preußen noch lange nicht die Keimzelle des NSDAP-Staates gewesen.

          Auch durch die Rechtsnachfolge der BRD, die die Trümmer des Dritten Reiches übernehmen musste, lässt sich keine geschichtliche sondern allenfalls eine haftungsrechtliche Kontinuität ableiten.

      • @dickebank
        Wenn es aber aus Nazi-Gründen verpönt ist, völkisch zu denken und zu sprechen, kann auch schlecht von der Geschichte eines deutschen Volkes die Rede sein. Also darf nur von einer deutschen Historie geredet werden oder von der Geschichte der Deutschen. Hauptsache sie empfinden sich nicht als gemeinsames Volk, sondern nur als ein Völkergemisch unter deutschem Namen, aber ohne gemeinsame Wurzeln.
        Kurz gesagt: Was Sie schreiben, ist der Versuch, durch Scheinwissen und Scheinlogik zu überzeugen. Auf historisch unbeleckte Gemüter wirkt sicher kompetent, was Sie mit Hilfe Ihrer Suchmaschine plus eigenwilliger Behauptungen schnell zusammengereimt haben.
        Die Botschaft ist klar: Es gibt gar kein deutsches Volk, keine deutsche Geschichte und (bei Licht besehen) auch kein Deutschland.
        Alles nur Einbildung, dass wir ein Volk sind und jemals waren. Darum kann weiteres Völkergemisch nur ein Segen sein. Je fremder die Ethnien, desto größer der Gewinn.

        • „Die Botschaft ist klar: Es gibt gar kein deutsches Volk,“
          Genau. Sie haben es verstanden.

          „… keine deutsche Geschichte“
          Dochdoch, die gibt es.

          „… und (bei Licht besehen) auch kein Deutschland.“
          Auch das gibt es. Ein Territorium mit Grenzen, einem Staat, seiner Verwaltung, Militär, Polizei.

          Und drum herum wird ein Popanz betrieben, der sich „Deutsch sein“ nennt. Und genau der ist das Problem. Je mehr nämlich dieses „Deutsch sein“ als Blut- oder Abstammungsgemeinschaft beschrieben wird, desto weniger haben diejenigen darin keinen Platz, deren Vorfahren nicht schon seit hunderten von Jahren hier leben.

          Lesen Sie mal Benedict Anderson. Das ist wirklich sehr spannend und man löst sich von diesem Denken in Grenzen und Nationalkollektiven.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Benedict_Anderson

          „Ein wichtiger Bestandteil der Vorstellung einer Nation ist ihre vermeintliche „Natürlichkeit“, ihr „Element des ‚Nicht-bewußt-Gewählten‘. So kommt es, daß Nation-Sein der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Herkunft und der Zeit, in der man geboren wird, nahe steht – all dem also, was nicht zu ändern ist. […] Gerade weil solche Bindungen nicht bewusst eingegangen werden, erhalten sie den hehren Schein, hinter ihnen steckten keine Interessen“.[18] Wegen dieser vorgestellten Selbstlosigkeit „kann sie nach Opfern verlangen. […] Der Tod für das eigene Land, das man sich […] nicht erwählt, ist von einer moralischen Erhabenheit gekrönt, an die das Sterben für die Labour Party, für die American Medical Association und auch für Amnesty International nicht im geringsten heranreicht, da man diesen Vereinigungen leicht beitreten und sie wieder verlassen kann.“.[19] Bestenfalls könne man in eine ursprüngliche nationale Gemeinschaft „eingeladen“ werden; nicht zufällig werde der Akt der Einbürgerung im Englischen und zahlreichen anderen Sprachen daher auch als naturalisation bezeichnet.“

    • Bolle, noch so ein Ding.

      „Da Sie eine deutsche Geschichte (außer der Nazizeit!) in Frage stellen, ist das mit dem Nationalgefühl, der Nationalhymne und der Nationalfahne natürlich eine böse Sache. Hinter allem verbirgt sich ja nichts als Nazikult, Nazitradition und Nazigesinnung.“

      What? Nazi? Wer hat was von Nazi erzählt? Wie kommen Sie dann darauf? Argumentativ ist das wirklich langweilig. Die Nazikeulenkeule gegen Meinungsgegner einzusetzen ist wirklich unterste Schublade. Bitte machen Sie sich mal mit Grundsätzlichem vertraut, bevor Sie sofort die Nazikeulenkeule zücken. Das ist argumentativ so ein alter Hut und Totschläger, damit kommen Sie nicht weit.

      „Dummerweise ist es üblich, dass Staaten Hymnen und Flaggen haben. Könnten Sie sich vielleicht eine Flagge im zwar gewohnten Schwarz-Rot-Gold vorstellen, aber mit einem Halbmond in der Mitte als deutliches Zeichen?“

      Nee, ich will gar keine Flaggen oder Hymnen, weder mit Halmonden noch ohne. Brauch ich nicht. Ich bin ein gottloser Kosmopolit und habe keinen Bedarf, Menschen nach Herkunft, Religion oder Pass zu sortieren.

      • Aber Sortieren nach politisch korrekter oder unkorrekter Meinung brauchen Sie schon, oder?
        Zusätzlich greifen Sie oft auch noch zu Zuckerbrot oder Peitsche, je nachdem, in welche Schublade Sie die Menschen stecken.
        Ihre Selbstdarstellung als Meister der Toleranz und Nicht-Sortierer bezweifle ich, denn Sie fallen mir nebst Bernd immer wieder als besonders intolerant, angriffslustig und verletzend auf, wenn Ihnen eine Sorte Mensch wegen seiner Meinung nicht gefällt.

        • Na dann mein Tipp: Lesen Sie einfach nicht mehr meine Kommentare. Das hält die Nerven ruhig.

          Und die Schubladenstecker-Rolle – die haben hier andere. Ich diskutiere darüber lieber mit Jugendlichen in Schulklassen.

      • Ich habe jetzt schon länger die Diskussion verfolgt und mir überlegt, wo ich eigentlich stehe. Ich selbst bin in einem anderen Bundesland aufgewachsen als ich jetzt wohne. Dennoch fühle ich meine heimatlichen Wurzeln und die Identität in dem Bundesland, in dem ich aufgewachsen bin. Verwurzelt bin ich dort immer noch mit der Sprache und der Mentalität. Also glaube ich, dass eine lokale Bindung schon besteht.
        Außerdem fühle ich mich als Deutsche und nicht als Schweizer oder Österreicher, obwohl beide deutsch sprechen. Wenn ich Menschen aus anderen Ländern kennenlerne, finde ich das total interessant, mich interessieren deren Lebensweisen und sie interessieren sich für meine Lebensweisen. (Das habe ich oft auf meinen Reisen erlebt.)
        Ich meine: Man darf eine heimatliche Identität haben, ich halte dies für positiv. Nur – darf es nicht dahingehend ausarten – und da hatten wir ja das Negativbeispiel in der Nazizeit (ausgeartet ins Extreme dass die sg. Arier die besseren Menschen wären) und danach in der rechten Szene – dass man aufgrund seiner Herkunft andere Menschen nach ihrer Herkunft bewertet und sie in Schubladen steckt. Hier fängt die Gefahr an.
        Kosmopolit ist in Ordnung, ich selbst brauche mehr heimatliche Verwurzelung, aber ohne dass ich anderen Nationen von oben herab begegne.
        Zu dickebank: Die demokratische Verfassung ist die Grundlage, Flagge und Nationalhymne ( da müsste man mal den Text ändern ) sind Symbole. Ich meine schon, dass man Symbole braucht um so etwas wie ein Staatsgefühl zu schaffen; wir wählen schließlich ja auch unsere Regierung, die unsere Gesellschaft „verwaltet“, doch sollte man diese Symbole mit Bedacht einsetzen und nur dann, wenn es um zwischenstaatliche Begegnungen geht.
        Noch etwas am Rande: Früher war ich gegen alles, was meine Eltern (Kriegsgeneration/Nachkriegsgeneration) vertreten haben; gegen Flaggen, gegen alles, was nur annähernd national klang. So ging es vielen von uns. Wir waren dagegen.

        • Ist auch für mich nachvollziehbar. Dies ist vermutlich der Grund, warum in Bayern früher erst das Landeswappen stand und dahinter an der Grenze das bundesdeutsche Hoheitsemblem zu finden war.

          Ändert aber nichts an der tatsache, dass der „Bund“ einstaatstheoretisches Konstrukt ist. die Bürger sind als aller erstes „Landeskinder“ – also Schwaben, Franken, Holsteiner oder Sachsen. Es gibt auch keine NORDRHEIN-WESTFALEN, die Bindestrichidentität hat noch keiner entwickelt. Es gibt allenfalls den Zusammenschluss von Rheinländern und Westfalen, der übrigens bei den Konservativen Bürgern, die sich der CDU zu getan fühlen, erst sehr spät – nach Biedenkopf – einsetzte. Der spätere König Kurt war der letzte estfälische Provinzfürst der CDU.

        • @ysnp: Mir geht es ähnlich wie dir. Obwohl ich über die Hälfte meines Lebens in anderen Bundesländern gelebt habe, fühle ich mich immer noch als Saarländerin. Ich liebe es, das französische Geplaudere in Saarlouis, das an meine Ohren dringt. Mein Vater fuhr nur französische Autos, weil er dachte, die seien besser. Besondere Kleidungsstücke wie Brautkleid, Taufkleid… kauft der Saarländer lieber in Frankreich… Da die Deutschlandfahne an den Schulen? Seltsam

  4. In den letzten 200 Jahren hat das Saarland achtmal seine Nationalität gewechselt.

  5. Ich schlage das Wort „Sprech“ als Unwort des Jahres vor. (Neusprech, Gender- Sprech, Nazi-Sprech, Lehrer-Sprech…)
    Schon das Wort läuft mir kalt den Rücken hinunter. Wer diesen komischen Begriff wohl kreiert hat?

  6. Ja, ist mir nur damals nicht aufgefallen, als ich den Roman gelesen habe. Ich war damals auf etwas ganz anderes focusiert, nämlich den dort beschriebenen Überwachungsstaat. Mich wundert, dass plötzlich Begriffe aus einem Roman auf deutsch sprachlich fürchterlich verbogen in Diskussionen eingebracht werden. Einer muss ja damit angefangen haben, den englischen Begriff „newspeak“ so zu übersetzen, andere haben ihn weitergeführt und hier wird diese „Kultur“ „weitergeflegt“.
    „Bei Neusprech handelt es sich um eine kritische Satire auf das Basic English von Charles Kay Ogden und I. A. Richards, das Orwell zwischen 1942 und 1944 noch wohlwollend unterstützte, bevor er es ab 1946 in seinem Aufsatz Politics and the English Language bekämpfte.“ (Quelle: wikipedia, Neusprech)
    https://de.wikipedia.org/wiki/Neusprech

    • @ysnp
      Mir ging es etwas anders beim Lesen von „1984“. Ich war von den Sprachregelungen fasziniert, weil sie Neuland für mich waren im Gegensatz zu den anderen Machtinstrumenten, auch wenn diese in raffinierter Variation auftreten.
      Wie die Gedanken der Menschen gelenkt und beherrscht werden können durch Eingriffe in die Sprache, durch Ausmerzen bestimmter Wörter oder Füllung anderer mit neuem Inhalt, hat mich besonders interessiert und erschreckt. Die Vorstellung von der Schaffung geistiger Marionetten als perfekte Untertanen war gruselig.
      Die überragende Bedeutung von Sprache scheint schon lange bekannt zu sein. Wenn ich mich recht erinnere, bin ich auf folgendes Zitat von Konfuzius (2500 v. Chr.) sogar hier bei n4t gestoßen:
      “Wenn wir es einmal zulassen, dass die Wörter ihrer Inhalte beraubt werden, so kann es nicht mehr lange dauern, bis wir unserer Freiheit beraubt werden.”
      Angeregt durch Sie habe ich noch bei wikipedia unter „Neusprech“ nachgeschlagen. Auch da scheinen wir unterschiedliche Stellen interessant zu finden. Meine ist diese:
      „Neusprech bezeichnet die vom herrschenden Regime vorgeschriebene, künstlich veränderte Sprache. Das Ziel dieser Sprachpolitik ist es, die Anzahl und das Bedeutungsspektrum der Wörter zu verringern, um die Kommunikation des Volkes in enge, kontrollierte Bahnen zu lenken. Damit sollen sogenannte Gedankenverbrechen unmöglich werden. Durch die neue Sprache bzw. Sprachregelung soll die Bevölkerung so manipuliert werden, dass sie nicht einmal an Aufstand denken kann, weil ihr die Wörter dazu fehlen.“

      • @F.H.
        Das ist eine wirklich düstere Zukunftsvision in einem Science Fiction Roman – die bewusst herbeigeführte Manipulation eines totalitären Staates mit Hilfe der Sprache. Im Romanzusammenhang habe ich auch keine Bedenken, wenn ein solches Wort gebraucht wird. Andere Wortschöpfungen haben wir ja auch in weiteren Sciencefiction Romanen.
        Abgesehen davon, dass ich, wie ich oben schon erwähnt habe, das Wort für unsere Sprache „komisch“ und sogar nach meinem Sprachgefühl als falsch empfinde, finde ich es darüber hinaus seltsam, dass es in echten Diskussionen (sogar unter Lehrern) verwendet wird.

        • Sie trennen sauber zwischen Science Fiction und Realität. In Ordnung.
          Was ist aber mit Leuten, die genauso wie Sie wissen, dass „1984“ ein Science Fiction Roman ist, die aber den Begriff „Neusprech“ und seine Bedeutung sehr real und ernst nehmen, weil sie auch zweckgerichtete künstliche Eingriffe in unsere Sprache wahrnehmen?
          Auch wenn unser Staat nicht totalitär ist, so ist doch die Gender-Sprache durch die Gender-Ideologie mit Segen und Geld von oben eingezogen. Würden Sie sagen, dass das kein gewaltiger, aufgezwungener und künstlicher Neusprech ist?
          So deutlich wie beim Gender Mainstreaming fallen Sprachveränderungen und bewusste Inhaltsverschiebungen sonst nicht auf, doch es gibt sie für aufmerksame Beobachter. Und wer sie bemerkt, ist kein Science-Fiction-Spinner, sondern ein wacher und kritischer Mensch, der vielleicht mehr Realist ist als andere, die abwinken und alles ganz harmlos und natürlich finden.
          Gäbe es den von Ihnen verabscheuten Begriff „Neusprech“ nicht, wäre es (frei nach George Orwell und Wikipedia) möglich „die Bevölkerung so zu manipulieren, dass sie nicht einmal an künstliche Sprachveränderungen denken kann, weil ihr das Wort dazu fehlt.“
          Ich glaube auch nicht, dass der von F. H. zitierte Konfuzius ein Science-Fiction-Liebhaber war, als er sagte: “Wenn wir es einmal zulassen, dass die Wörter ihrer Inhalte beraubt werden, so kann es nicht mehr lange dauern, bis wir unserer Freiheit beraubt werden.”
          Was also ist seltsam daran, dass der vielsagende und auf Anhieb gut zu verstehende Begriff Neusprech „in echten Diskussionen (sogar unter Lehrern) verwendet wird“?
          Welches Wort finden Sie denn besser zur gegenseitigen Verständigung?

          • Ich würde es umschreiben und „Sprache der Genderisten“ nennen. Da versteht jeder, was gemeint ist und es klingt wenigstens noch nach einem „anständigen“ Deutsch. ; – )

          • „Auch wenn unser Staat nicht totalitär ist, so ist doch die Gender-Sprache durch die Gender-Ideologie mit Segen und Geld von oben eingezogen.“

            Realsatire at its best!

            Alles zentral gelenkt und von oben gesteuert, klar. Sozialwissenschaft? Nie gehört. Kann also nur ne Verschwörung sein, was die da machen.

  7. Gelebte Realität.

    Heute vwird nicht mehr von Böschungsrutschung gesprochen, das heißt aktive Böschungsumbildung. Der Bruchbau in der Steinkohle ist zum versatzlosen Ausbau verkommen usw. usf.

    • Stimmt. Es wird vieles beschönigend oder auch übertrieben beschrieben. Könnten wir das Authentizitätsverlust nennen?

      • Vielleicht sind das Lehrer, die älter sind als Sie und erstaunt feststellen, wie sich die Inhalte von Worten in relativ kurzer Zeit verändert haben und Begriffe „plötzlich“ verdammt werden, die vorher werthaltig waren.
        Ich gehöre auch eher zu den Mittelalterlichen oder noch Jungen, bin aber misstrauischer als Sie gegenüber dem, was sich so tut und gelehrt wird, weil ich in meiner Information vermutlich anders vorgehe als Sie und vermutlich auch andere Quellen für informativ und vertrauenswürdig halte.
        Die Alten sind für mich Quelle Nr.1, was bei Ihnen wie bei den meisten wahrscheinlich nur Kopfschütteln hervorruft.
        Zeugen gelten gewöhnlich als wichtig hoch drei, Zeitzeugen jedoch als nostalgisch, unzuverlässig und vertrottelt.
        Meine Oma hat mich das Gegenteil gelehrt und mir offene Augen verschafft.

        • Das ist Ihre Interpretation.

          Zeitzeugen sind zunächst einmal eines: Authentisch. Sie geben ihre Sicht auf das Erlebte wider. Wenn Sie also mit Älteren diejenigen meinen, die in der Nachkriegszeit groß geworden sind, dann wissen Sie auch warum diese in jener Zeit sozialisierten Menschen Schwierigkeiten mit den damaligen Zeitzeugen haben. Von dnen hat nämlich keiner was gewusst …
          Es ist doch gerade das Verdienst der 68er, dass sie dieses Schweigen der Nachkriegszeit aufgebrochen haben, Zeiten in dnen ein Globke im Kanzleramt Einfluss hatte, Gehlen den BND aufbaute, Filbinger MinPrä in BaWü werden konnte etc.
          Glauben Sie wirklich diese Zeitzeugen wären authentisch und um Wahrheit bemüht gewesen? Wenn die nicht im Rahmen der Entnazifizierung ganz eindeutig als „schwarze Schafe“ eingestuft worden waren, dann haben die hernach gelogen, dass sich die Balken geogen haben.

          Andere, die wirklich „nichts verbrochen hatten“ sondern als Kinder zur HJ und zum letzten Aufgebot oder als junge Erwachsene zum RAD, zur Wehrmacht oder zur SS als Wehrpflichte gezogen worden waren, waren traumatisiert und konnten deshalb nicht über das Erlebte sprechen. Die einzigen, die sprechen wollten oder konnten, waren die Opfer – sofern sie den tausendjährigen Wahnsinn überlebt hatten.

          Alle anderen Zeugen – fragen Sie einmal Polizisten, Staatsanwälte oder Richter – sind in Hinblick auf Objektivität eine wahre Katastrophe. Zeuegenaussagen gelten als höchst unzuberlässig und wenig belastbar.

        • @ Laura
          „Die Alten sind für mich Quelle Nr.1, was bei Ihnen wie bei den meisten wahrscheinlich nur Kopfschütteln hervorruft.“
          Mich wundert, in welche meiner Aussagen Sie dies hineininterpretieren. Ich vermute einmal, dass es um meine Antwort zu dickebank ging, doch da gings um Begrifflichkeiten und um deren Abbildung der Wirklichkeit durch die Sprache und nicht um Zeitzeugen.

          • Ist mir auch schon aufgefallen, ysnp, dass ich zu später Stunde und wahrscheinlich schon müde Ihren Kommentar missverstanden habe und dann schnell drauflos geschrieben habe. Verzeihen Sie bitte!
            Was Sie sagen, ist vollkommen richtig.
            Und Ihre Frage würde ich mit ja beantworten. Authentizitätsverluste finde ich aber an anderer Stelle noch größer, wo ursprünglich positive Begriffe aus politischen, weltanschaulichen, lobbyistischen, wirtschaftlichen oder sonstigen Gründen zunehmend negativ ausgelegt werden und umgekehrt, um wahrscheinlich auf „demokratische“ und „legale“ Weise in bestimmte Richtungen zu lenken. Man könnte auch sagen: um durch die Hintertür Volkserziehung zu betreiben.
            Im Zeitalter der Medien und Pseudostudien ist diese Lenkungsarbeit enorm erfolgreich, allerdings nur, wenn möglichst große und viele Medien in dieselbe Richtung trommeln.
            Auch aus diesem Grund sind mir ältere Zeitzeugen mit ihren Aussagen und ihrer Meinung so wichtig. Sie als ewig Gestrige abzutun und lächerlich zu machen finde ich fies, dumm und grundfalsch.
            Aber das haben Sie ja nicht getan.

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