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Lehrer auf Probe: Ein Soziales (Schul-)Jahr weckt bei Jugendlichen die Lust auf Pädagogik

DRESDEN. Lehrer sind rar, der Nachwuchs fehlt. Mit dem Freiwilligendienst an Schulen will Sachsen jungen Menschen Lust auf den Beruf machen. Bei vielen geht die Rechnung auf.

Na, Lust aufs Lehrerwerden? Foto: patriziasoliani / flickr (CC BY-NC 2.0)

Na, Lust aufs Lehrerwerden? Foto: patriziasoliani / flickr (CC BY-NC 2.0)

Mathe-Unterricht in der dritten Klasse, Thema Addition: Victoria Großmann schreibt dreistellige Zahlen an die Tafel – Kreide in der einen Hand, das Lehrbuch in der anderen. Geduldig erklärt sie den Jungen und Mädchen der Grundschule in Leppersdorf, einem kleinen Ort in der Nähe von Dresden, das Rechnen. Lehrerin Kerstin Gnatzky schaut ihr über die Schulter. Mit ihren 19 Jahren hat Victoria älteren Lehramtsstudenten wenigstens eines voraus: Die Erfahrung, wie es im Klassenzimmer tatsächlich zugeht.

Seit August 2015 macht die junge Frau ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) «Pädagogik». Die Möglichkeit, den Lehrerberuf in der Praxis zu testen, gibt es in Sachsen seit 2013. Mit seinem Schwerpunkt Pädagogik in der Schule ist das Angebot laut Deutscher Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) einzigartig in Deutschland – auch wenn es in Berlin, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern Schulen als Einsatzort für ein Freiwilliges Soziales Jahr gibt. «Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis andere Länder nachziehen», sagt Programmleiterin Claudia Schiebel.

Eigentlich hatte Victoria Großmann schon die Zusage für ein Lehramtsstudium an zwei Universitäten in der Tasche. «Grundschullehrerin, das konnte ich mir schon immer gut vorstellen. Bevor ich studiere, wollte ich aber wissen, ob das wirklich etwas für mich ist», sagt die junge, energische Frau mit den blonden Haaren.

Also bewarb sie sich bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, musste sich durch mehrere Bewerbungsrunden kämpfen. Sie bekam die Zusage – als eine von 87 Freiwilligen. Beworben hatten sich rund 240 Jugendliche. «Da war ich echt glücklich.» Anders als viele andere wollte Victoria aufs Land. In Leppersdorf hat bereits ihre Urgroßmutter unterrichtet, sie selbst ist hier zur Schule gegangen. «Mich zieht es nicht in die Stadt.»

Die Zahl der Schüler steigt. Auf der anderen Seite gehen immer mehr Lehrer in den Ruhestand. Nachwuchs zu finden, wird schwieriger – vor allem für Schulen im ländlichen Raum. Das FSJ «Pädagogik», so hofft das sächsische Kultusministerium, kann ein Baustein im Werben um junge Fachkräfte sein. Für die Schulen ist der Einsatz der «FSJ-ler» kostenfrei, ihre Beitrag übernimmt das Ministerium – mehr als 500 000 Euro allein im laufenden Schuljahr.

«Die Nachfrage auf beiden Seiten ist riesig», sagt Claudia Schiebel von der Kinder- und Jugendstiftung. 734 Schulen in Sachsen sind derzeit registriert und wollen einen Freiwilligen. Die Stiftung wählt die Jugendlichen aus und diese suchen sich ihre Einsatzstelle. Schwerpunkte sind Förder- und Oberschulen sowie Schulen auf dem Land. «Wir wollen eine möglichst große Vielfalt.»

Großmanns Tag ist bunt und vollgepackt: Sie hilft den Lehrern im Unterricht, setzt sich zu den Kindern, die Probleme haben. «Mit denen mache ich den Stoff ein bisschen langsamer als der Lehrer vorn an der Tafel.» Zudem betreut sie einen Lerntreff, geht mit den Schülern zum Schwimmen, organisiert eine Projektwoche. Erst kürzlich hat die junge Frau einen Schülerrat eingeführt. Fällt ein Lehrer aus, steht sie auch schon mal vor der Klasse.

«Es ist nicht wie im Studium, dass man nur hospitiert und mitschreibt. Ich kann mich austesten», sagt die 19-Jährige. Bis zum Sommer ist Großmann noch als Freiwillige an der Grundschule, aber schon jetzt ist klar: «Ich will auf jeden Fall Lehrer werden. Das ist mein Traumberuf.» Von Christiane Raatz, dpa

Zum Bericht: Freiwilligendienst gegen den Praxisschock – FSJ bringt Jugendliche an Schulen

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