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Merkel will die Digitalisierung vorantreiben – traut sich dabei aber an die Schulen nicht heran

BERLIN. Wie lange kann es sich Deutschland eigentlich noch leisten, dass die Schule, und damit das Zukunftsthema Nummer eins, für die Bundesregierung ein verbotenes Terrain ist? Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach beim „Forschungsgipfel“ in Berlin über den Nachholbedarf bei der Digitalisierung hierzulande, bei dem die Bildung zweifellos eine Schlüsselrolle spielt  – und sagte allen Ernstes: „Ich darf als Bundeskanzlerin über Schulen nicht sprechen, das fällt nicht in meine Zuständigkeit.“ Dass sie es dann doch tat (zumindest kurz), zeigt, wie sehr ihr das Thema auf den Nägeln brennt. Kein Wunder: Deutschland ist dabei, seine Chancen zu verspielen, wenn der Unterricht weiterhin eine größtenteils computerfreie Zone bleibt.

"Das fällt nicht in meine Zuständigkeit": Angela Merkel (Archivbild). Foto: Maxence / flickr (CC BY 2.0)

„Das fällt nicht in meine Zuständigkeit“: Angela Merkel (Archivbild). Foto: Maxence / flickr (CC BY 2.0)

Dass es mit der digitalen Bildung in Deutschland nicht allzu weit her ist, beleuchtete – einmal mehr – eine Umfrage im Vorfeld des „Forschungsgipfels“. Social Media? Big Data? Industrie 4.0? Nur ein Bruchteil der Bevölkerung kann mit solchen Schlüsselbegriffen der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft etwas anfangen. Dass auch die vermeintlichen „digital natives“ keineswegs medienkompetent sind, hatte zuvor die ICIL-Studie aufgezeigt: Deutsche Achtklässler liegen danach im internationalen Vergleich bei den computer- und informationsbezogenen Kompetenzen nur im Mittelfeld – vergleichbar mit Russland und damit deutlich von der Spitze entfernt.

So stellt die Kanzlerin bei ihrem gestrigen Auftritt lapidar fest: „Ich würde ganz einfach sagen, die Schlacht ist noch nicht geschlagen.“ Merkel räumte ein, dass es auch bei ihr selbst Unsicherheiten über den Status Deutschlands bei der Digitalisierung gebe. „Mir ist nicht ganz klar, in welchen Bereichen sind wir top.“ Als Beispiele für eine positive Entwicklung nannte sie die „Industrie 4.0“ – die Verzahnung industrieller Produktion mit moderner Informationstechnologie – und die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung. Allerdings umschifft auch dieses Programm das Thema (Schul-)Bildung weiträumig. Das vor gut zehn Jahren von der damaligen großen Koalition im Bund aus CDU und SPD in der Verfassung verankerte Kooperationsverbot stellt die Schulen allein unter die Hoheit der Bundesländer.

Neue Methodik des Lernens

Etwas hilflos befand Merkel gestern dann auch, dass die digitalen Medien die Methodik des Lernens verändern würden – es aber keine „selbstverständliche Sache“ sei, wenn die Schüler dem Lehrer den Umgang mit diesen Medien erst erklären müssten. Bei der Lehrerbildung müsse gegengesteuert werden, und daran arbeite das Bundesbildungsministerium. Aber: Kein Wort von der Kanzlerin zur „mittelalterlichen“ IT-Ausstattung der Schulen (VBE-Chef Udo Beckmann). Kein Wort von ihr zum bislang äußerst bescheidenen Engagement der Länder in Sachen digitaler Bildung.

Stattdessen: ein Appell an Wirtschaft und Gesellschaft, die immer tiefer in den Alltag vordringende Digitalisierung mit positiven Gefühlen zu begleiten und voranzutreiben. „Alle wird es irgendwann erreichen“, sagte sie. Auch die Wissenschaft müsse dabei „Mitnahme-Arbeit“ leisten. So gelte es, die Einstellung der Menschen etwa zu digitalen Technologien oder zum Robotereinsatz zu verbessern. Merkel betonte, „dass wir den Standort Deutschland für Startups attraktiver machen wollen, aber auch müssen“. Die geringe Zahl von Internetfirmen in Deutschland sei „ein Nachteil“. Auf europäischer Ebene gebe es Defizite gegenüber Asien und den USA beispielsweise wegen eines zerklüfteten Telekommunikationsmarktes.

Für die Regierung sagte die Kanzlerin zu, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, etwa im Sektor automatisierte und vernetzte Mobilität. Es gebe aber schon „Verlässlichkeit der Finanzierung“, man habe sich dem Ziel von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Forschung und Entwicklung „ganz gut genähert“. Derzeit investiert Deutschland 2,9 Prozent des BIP – für viele Experten noch zu wenig. „Unseren Wohlstand werden wir uns nur erhalten können, wenn wir diese Innovationskraft auch weiter behalten“, sagte Merkel.

Mahnung von Zetsche

Daimler-Chef Dieter Zetsche forderte mehr Mut von den Entscheidern in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft – und sein Statement ließ sich auch als Mahnung an Merkel lesen, endlich mehr Engagement für die digitale Bildung in den Schulen zu zeigen. Zetsche: „Gerade in Zeiten der digitalen Revolution gilt: Der Weg des geringsten Widerstandes ist oft der gefährlichste. Gerade jetzt haben wir ein ganzes Universum an Möglichkeiten vor uns – auch wenn manche die Digitalisierung als Bedrohung für unsere Branchen betrachten. Wir sehen sie als größte Bereicherung seit der Erfindung des Automobils.“

Der «Forschungsgipfel» wurde zum zweiten Mal veranstaltet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften und der Expertenkommission Forschung und Innovation. Diese hatte in ihrem Jahresgutachten 2016 kürzlich festgestellt, dass Deutschland etwa bei der Förderung des Wachstumssektors Serviceroboter oder bei der Nutzung digitaler Chancen für Firmen und Verwaltungen nicht optimal aufgestellt sei. So hätten die Firmen „mit wenigen Ausnahmen in den neuen Bereichen der digitalen Wirtschaft bislang keine Stärken aufgebaut“. Sorge bereite auch, „dass ein Großteil des Mittelstands den digitalen Wandel noch nicht mit der erforderlichen Intensität verfolgt“.

Wie denn auch, wenn es an der Grundlage – digitaler Bildung – fehlt?

News4teachers/mit Material der dpa

Zum Bericht: Lehrer benoten die IT-Ausstattung der Schulen im Durchschnitt mit gerade mal „ausreichend“

37 Kommentare

  1. digitale bildung an halbdigitalen schulen und vollanalogen rechtlichen Rahmenbedingungen. hurra !!

  2. muss das nicht heißen …

    digitale Bildung an halbdigitalen schulen und vollanalogem Lehrkörper.

    Und dann Bob der Baumeister: „Yo, wir schaffen dass!“ oder
    „Yes we can!“

    • Vielleicht auch vollanaloger Lehrkörper.

      Aber auch das Urheberrecht (Papierkopien mit Einschränkungen ja, digital nein), die digitalen Angebote der Verlage (Insellösungen, hauptsächlich auf Umsatzerhaltung bedacht, flash-basiert) passen nicht zu digitale Bildung.

    • Junge Lehrer sind doch heutzutage alle digitalisiert. Das ist doch ein Märchen, dass Lehrer ohne Computer arbeiten. So viel Wissen wie die meisten Schüler haben sie allemal.

      • Fragen Sie mal in Ihrem Kollegium, wer den Computer für mehr als Recherche und Word benutzt. Sehr viele, auch junge Lehrer, kapitulieren vor dem Formeleinsatz bei Tabellenkalkulationen z.B. bei der Berechnung von Durchschnittsnoten.

        • Wo muss ein Deutschlehrer bzw. ein Englischlehrer denn eine Tabellenkalkulation im Unterricht verwenden?

          • Im Unterricht braucht ein Englischlehrer das normalerweise nicht.

            Mögliche Einsatzmöglichkeiten: Jede Rechnung, die häufig mit vielen Zahlen ausgeführt werden muss, beispielsweise Durchschnittsnoten, um die Klassenarbeitsnoten automatisiert aus den Teilpunkten ausrechnen zu lassen, mündliche Mitarbeit aus Stundennoten usw.

            (Ich nutze das nicht, weil ich im Kopf die Teilpunkte schneller addiert habe, als das ich sie in die Tabelle eingeben kann.)

          • In dem Artikel ging es aber darum, dass Lehrer keine Ahnung von Computern hätten. Die meisten Lehrer haben zumindest so viel Ahnung, dass sie fachbezogenes am Computer bearbeiten können.
            Es scheint, als gäbe es in Deutschland den Trend, digitales nur um der Digitalität wegen zu fordern. Echer Informatikunterricht wird aber nicht oder nur zögerlich eingeführt.

          • Echte Informatik bedeutet Programmieren und algorithmisches Denken. In diesem Sinne dürften die meisten Schüler sogar lieber Physik wählen.

          • Marcus Petzold

            Ich bin Informatik und Physiklehrer und kann sagen, dass in Informatik, bis auf 2 Ausnahmen, nur Schüler sitzen, die nicht woanders hinein gekommen sind. Traurig, aber wahr.

  3. Zitat aus dem Text: „wenn die Schüler dem Lehrer den Umgang mit diesen Medien erst erklären müssten“.
    Ich dachte die Achtklässler haben keine Ahnung.
    Es gibt doch kaum noch junge Lehrer, die weniger Ahnung haben als die Schüler. Im Gegenteil, Schüler können daddeln, facebook, whatsapp sonst aber nicht viel.

    • Stimmt. YouTube können sie auch. Und „Erstes Suchergebnis von Google“.

      Die Bildungspolitiker haben auch nicht viel Ahnung, wenn sie Office-Paket als Informatik verkaufen.

      • Internet-Recherche ist meiner Meinung nach kein Lerninhalt. Schülern wird ja auch nicht beigebracht, wie man in Büchern blättert. Googeln kann jeder. Die Quellen zu bewerten ist die Kunst, dazu benötigt man aber Wissen und das ist nicht zwangsläufig an Computer gebunden.

        • Laut Lehrplan gehört Internetrecherche zur Nutzung geeigneter Hilfsmittel. Und Wissensvermittlung wurde durch von jeglichen Inhalten losgelöster Kompetenzvermittlung ersetzt. Ansonsten haben Sie natürlich recht und umschreiben genau das, was ich mit meinem Kommentar meinte. Das alles wussten Sie natürlich auch.

  4. Komischerweise gibt es bislang kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass Lernen mit Computern besser ist als ohne. Warum also diese immensen Investitionen tätigen? In 5 Jahren ist die Technik wieder veraltet und es geht von vorne los.

  5. Die Meinung, dass es in fünf Jahren keine Computer mehr gibt, haben Sie exklusiv.

    Es geht nicht nur um das Wie, sondern auch um das Was: Medienkompetenz, also den Umgang mit Google, Wikipedia und Co., können Sie nicht mit dem Brockhaus von 1980 auf den Knien vermitteln. Dafür müssen Lehrer und Schüler schon mal gemeinsam ins Internet gehen können.

    Natürlich ersetzen Computer keine Lehrer. Die Technik erweitert die Möglichkeiten der Lehrer aber enorm – und, nebenbei, sie erleichtern (bei entsprechender Ausstattung) auch den Unterricht.

    • Ich habe damit gemeint, dass die technische Ausstattung in den Schulen dann veraltet ist, und erneuert werden muss.

    • Wo wurde früher in den Schulen denn der Brockhaus verwendet??? Für welche schulischen Inhalte ist denn zwingend ein Internetzugang notwendig??? Der Umgang mit Google, Wikipedia und Co ist doch in einer halben Stunde erklärt.

      • Gestern hörte ich wieder ein Schülerreferat, bei dem unverstandene Formeln aus Wikipedia (zur Knudsen-Zahl) den Mitschülern präsentiert wurden. Nein, der Umgang mit Wikipedia ist nicht schnell zufriedenstellend erklärt.

        • Doch. Der Schüler hat die Artikel bei Wikipedia gefunden. Nun kommt aber die Kopfarbeit. Der Schüler muss nämlich das gefundene verstehen, was hat das mit Computernutzung zu tun?

          • Da der deutsche wikipedia-Artikel zur Knudsen-Zahl sehr kurz ist, sehr viel. Der Schüler hätte dann nämlich noch mindestens eine weitere Quelle konsultieren müssen, z.B. das eigene Schulbuch*), was ihrerseits weitere Recherche bedeuten würde. Das ist jedoch mit der Fähigkeit „Erstes Suchergebnis bei Google“ nicht zu leisten und steht im Widerspruch zu „Arbeiten für Schule“.

          • Das Problem ist also nicht, etwas im Internet zu finden, sondern zu merken ob man das verstanden hat, was man gefunden hat.

        • Genauso gut hätte er etwas aus einem Buch abschreiben können und das genau so unverstanden präsentieren können.

          • Es gibt schon grundlegende Unterschiede zwischen Büchern und digitalen Medien, die sich nicht mal eben in fünf Minuten erklären lassen – sondern sich nur durch kontinuierliche Arbeit mit dem Medium erschließen.

            Bücher herzustellen, erforderte früher einen ganzen Appparat – einen Verlag. So konnte man davon ausgehen, dass jede Veröffentlichung eine Mindestkontrolle durchlaufen hatte. Heute kann jeder jeden Mist im Internet ungeprüft veröffentlichen. Gleichzeitig gibt es auch viele gute und seriöse – vor allem aktuelle! – Informationen im Internet. Doch wie finde ich die? Wie unterscheide ich seriöse und falsche Informationen? Das gelingt ja offenbar vielen Lehrern nicht, wenn ich sehe, was für dubiose Quellen hier in den Foren von News4teachers zur Begründung eigener Meinungen herangezogen werden. Da wird dann irgendein Quatsch-Blog mit einem Beitrag von „Zeit“-online gleichgesetzt. Wie sollen Schüler das dann unterscheiden?

            Und wie sieht es denn mit Wikipedia aus? Alle Schüler benutzen Wikipedia – und wie hoch ist der Prozentsatz derjenigen, die die Infos dort gegenchecken? Wo denn überhaupt? Wie viele Kollegen nutzen Wikipedia unreflektiert? Oder Google: Was sind die Kriterien, nach denen die Reihenfolge der Suchergebnisse festgelegt wird – ist ja nicht unerheblich für die Informationsauswahl.

            Stichwort Datenschutz. Oder Cybermobbing. Können Ihre Schüler Excel? Oder auch nur mit Word umgehen? Wir reden hier nicht über irgendwelchen modischen Krimskrams, der in ein paar Jahren wieder verschwunden sein wird, sondern über Schlüsselkompetenzen im 21. Jahrhundert.

            Dazu kommen unendliche Möglichkeiten, den Unterricht anzureichern – ob ich im Fremdsprachenunterricht Kontakte zu Partnerschulen im Ausland pflege (klar, geht auch per Briefpost – wie viele haben das früher gemacht?), ob ich in den Naturwissenschaften Versuche mühsam aufbauen muss oder einen gefilmten Versuch zeigen kann, ob ich Schülern Möglichkeiten zur Selbstkontrolle anbieten kann, ob ich – Stichwort individuelle Förderung – zig verschiedene Arbeitsblätter entwickeln muss (und es deswegen gleich bleiben lasse), oder auf digitales Material zurückgreifen kann, das unterschiedliche Lernwege eröffnet. Stichwort Kommunikation: Ich kann Lerngruppen ermöglichen, gemeinsam am Nachmittag in Foren zu arbeiten – und stets den Stand der Dinge überblicken. Ich kann selber mit Schülern kommunizieren, ohne dass es mir den ganzen Nachmittag am Telefon auffrisst.

            Und und und…

            Und dafür, glauben Sie, reicht eine halbe Stunde in einer gesamten Schullaufbahn?

            Übrigens: Um das als Schule alles anbieten zu können, müssen sie nicht mit den Schülern in einen Wettlauf um die neueste Technik einsteigen. Sie brauchen einfach nur Zugänge ins Internet, die in der täglichen Praxis offenstehen.

          • Um eine geeignete Auswahl zu treffen brauchen Sie Wissen. Das müssen die Schüler erst mal haben. Ansonsten kann ich kein Dokument beurteilen. Dazu muss ich nicht noch mehr googeln.
            Zu Word: Wer es beruflich benötigt bzw. immer wieder verwendet, kann in 1 Monat die grundlegenden Dinge. Die Software ist heutzutage so benutzerfreundlich.
            Zu Excel: Auch hier gilt, wer es beruflich benötigt bzw. immer wieder verwendet, kann in sagen wir 2 Monaten die grundlegenden Dinge.
            Übrigens: meine Schüler können Word und Excel nicht, obwohl sie es im Informatikunterricht hatten. Der Grund: sie benutzen es einfach nicht regelmäßig.

          • Natürlich spricht nichts dagegen, den Unterricht mit digitalen Medien anzureichern. Braucht man dafür unbedingt Laptop-Klassen? Braucht man dafür eine digitale Revolution?
            Übrigens spielen Schüler am Stundenanfang bzw. Stundenende gerne mal an den Versuchen rum, die der Lehrer in den Naturwissenschaften zeigt. Mit Videos ist das nicht möglich.

          • Niemand will den Lehrer abschaffen, und ob Sie das im Unterricht benötigte Grundlagenwissen aus Büchern holen oder aus digitalen Medien, ist im Prinzip egal. Nur dass digitale Medien aktueller sind, den Schülern wesentlich attraktiver als verranzte Leihbücher erscheinen (Stichwort Motivation) und den Lehrern (bei entsprechender Ausstattung) viel mehr Möglichkeiten bieten, den Stoff anschaulich zu machen und zu vertiefen. Also landen wir am Ende sowieso bei digitalen Medien – was, glauben Sie, machen Ihre Schüler am Nachmittag? Woher holen sie sich Informationen, wenn sie etwas nicht verstanden haben? Dann kann man digitale Medien auch gleich im Unterricht einsetzen.

            Nein, wir brauchen keine Laptop-Klassen, wir brauchen über kurz oder lang digitale Arbeitsgeräte (ob Laptops oder Tablets) für jeden Schüler, für jede Schülerin. Es darf doch nicht von Zufällen wie freien Plätzen in einer willkürlich zusammengestellten Lerngruppe abhängen, ob wir Kinder und Jugendliche medienkompetent machen oder nicht.

            Nein, die Kinder können mit digitalen Videos nicht herumspielen wie mit Versuchsaufbauten – Sie als Lehrerin können Filme aber zum Beispiel zwischendurch stoppen, um die Schüler beispielsweise Erwartungen hinsichtlich der Ergebnisse äußern zu lassen. Sie können Versuche (oder Biologie: Tiere oder Pflanzen, oder Sprachunterricht: Szenen aus Literaturverfilmungen, Geschichte: Originalaufnahmen, Erdkunde: Impressionen aus fernen Ländern etc.) zeigen, die sonst nicht oder nur mit riesigem Aufwand in die Schule zu bekommen wären. Darüber hinaus bleibt es Ihnen ja unbenommen, selbst auch hin und wieder einen Versuch aufzubauen.

          • Na dann hoffe ich, dass Ihre Schüler die digitalen Arbeitsgeräte auch zum Arbeiten verwenden und nicht zum Zeitung lesen, Videos gucken, Mails checken oder sonstigen Ablenkungen.

        • Marcus Petzold

          Eine Formel kann man aus Wikipedia abschreiben, aus dem Buch oder von sonst wo. Deswegen gibts bei mir nach einem Vortrag noch ein kurzes Gespräch, wo der Schüler sein Verständnis zeigen kann, z.B. mit Erklärungen zur Formel und Beispielrechnungen.

  6. @GriasDi , xxx und Pfälzer
    Ihre Kommentare teile ich allesamt. Sie treffen den Kern der Sache.

  7. Meiner Meinung nach gehört der Umgang mit dem Internet sehr wohl in den Unterricht – wie eben auch der Unterricht mit Lexika. Und ja, auch das habe ich mit den SuS genutzt und geübt.
    Wer Referate haben möchte, sollte bedenken, dass auch das Erstellen eines solchen nicht vom Himmel fällt, sondern Anleitung benötigt. Und auch das sollte man nicht dem Elternhaus überlassen.

    Es gibt gute Ansätze, genau solche Inhalte oder aber die Gefahren des Internets im Unterricht auch jüngerer Schüler aufzugreifen. Allerdings fehlt dazu die Zeit, denn das regelt sich nicht nebenbei in einem anderen Fach. Dafür kann man Unterrichts-Bausteine erstellen.
    Man sollte darüber nachdenken, ob dies in einem Fach, z.B. Medienkunde o.ä. aufgegriffen und die Grundlagen vermittelt werden. Dann können im Anschluss sämtliche Fachlehrer darauf zurückgreifen und oder verweisen.

    Der zweite Teil wäre eine fachliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, die sich durch Digitalisierung bieten … und ebenso die Frage danach, ob sich dadurch wirklich nicht nur „anderes“ Lernen, sondern sinnvollere oder hilfreichere Ansätze bieten.

    Sowohl bei den Bausteinen zur Medienkunde wie auch bei der fachlichen Auseinandersetzung wäre es hilfreich, wenn nicht jede Lehrkraft und jede Schule selbst alles entwickeln muss. Wenn man also Digitalisierung fördern möchte, dann sollte man über die Bildungsserver Ressourcen zur Verfügung stellen … und über die Personalschlüssel.

    • Bildungsserver gelingen nur, wenn das Urheberrecht insofern entschärft wird, dass die tägliche Praxis (Zusammenstellen irgendwelcher Materialien mit Quellenangabe aber ohne Quellenabgabe) legalisiert wird bzw. das Land die Lizenzgebühren als Pauschale übernimmt. Kommerzielles Interesse dürften die wenigsten Lehrer an ihren Werken haben, wohl jedoch Angst vor den berühmten Abmahnanwälten.

      • Seit Jahren ist die Alternative, dass in jeder Schule Lehrkräfte selbst Materialien erstellen, zur Verfügung stellen und viel Arbeit auf vielen Schultern ruht.
        Forderungen zur Digitalisierung stellen kann man, aber man sollte sich auch Gedanken um die Umsetzung machen.
        In den letzten Jahren war es viel zu oft ein Nullsummenspiel auf Kosten der Lehrkräfte.

        • Da haben Sie Recht – und deswegen ist es auch besonders ärgerlich, wenn es (wie der Artikel oben nahelegt) bislang keinerlei Strategie für die digitale Bildung in Deutschland gibt.

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