Startseite ::: Leben ::: Hoffnung für das Spielzeugland: Jetzt gibt es sehbehinderte Puppen und Legofiguren im Rollstuhl

Hoffnung für das Spielzeugland: Jetzt gibt es sehbehinderte Puppen und Legofiguren im Rollstuhl

DÜSSELDORF.  Sie waren der Renner auf der Spielzeugmesse 2016: Barbies in Normalmaßen und Legofiguren im Rollstuhl. Die großen Spielzeughersteller reagieren damit auf Kritiker, die Ihnen Ideenlosigkeit und Klischees vorwerfen. Bleibt die Frage, ob das Nischenprodukte sind oder sie sich großflächig durchsetzen können.

Spindeldürre Barbies und muskulöse Actionhelden stehen schon lange in der Kritik pädagogisch kontraproduktiv zu sein. Zur Bildung eines inklusiven Weltbildes ist dieses Spielzeug jedenfalls nicht geeignet. Denn welches Kind  kann sich mit solch unerreichbaren Heldenfiguren schon identifizieren, vor allem wenn das eigene Selbstbewußtsein nicht riesig ist oder das Kind selbst mit Beeinträchtigungen leben muss?, mahnen Kritiker. Authentische Vorbilder würden dagegen Kinder in ihrem Selbstwertgefühl stärken. Eine Gruppe von Eltern macht mit der Aktion „Toy Like Me“ seit einigen Monaten im Internet auf dieses Problem aufmerksam. Einige Hersteller haben mittlerweile aber, unabhängig davon, ungewöhnliche Angebote, die jedem Inklusionspädagogen begeistern würden. Eine Auswahl.

makies

Der britische Spielzeughersteller Makie bietet individuelle Puppen nach Maß direkt aus dem 3D-Drucker, konfigurierbar mit Behinderungen. Wie hier als sehbehinderte Brillenträger-Puppe mit Taststock, mit Hörgerät oder mit Feuermal im Gesicht. (Foto: makie.com)

 

512K7il3yEL

Selbst beim Klischee-Hersteller Nr.1 Mattel ist Inklusion angekommen. Schon seit 2011 hat er diese Barbie im Rollstuhl im Angebot. (Gesehen auf amazon.de)

Eine ganze Kollektion an Down-syndrom-Puppe ist bei dem Hersteller Sowema erhältlich. (Foto: Sowema.de)

Eine ganze Kollektion an Down-Syndrom-Puppen ist bei dem Hersteller Sowema erhältlich. (Foto: Sowema.de)

 

Das Lego-Set "Stadbewohner", zu dem der Rollstuhlfahrer gehört, erscheitn im Juli 2016. (Bild: gesehen auf promobricks.de)

Das Lego-Set „Stadbewohner“, zu dem der Rollstuhlfahrer gehört, erscheint im Juli 2016. (Bild: gesehen auf promobricks.de)

 

Selbst Insulin kann dieser Puppe gespritzt werden. (Gesehen auf facebook/toylikeme)

Selbst Insulin kann dieser Puppe spielerisch gespritzt werden. (Gesehen auf facebook/toylikeme)

 

Sensation auf der Spielwarenmesse: Barbies gibt es jetzt in verschiedenen Größen und Hautfarben und mit Kurven. (Bild: Mattel.de)

Sensation auf der Spielwarenmesse 2016: Barbies gibt es jetzt in verschiedenen Größen und Hautfarben und mit Kurven. (Bild: Mattel.de)

Spielzeug soll die Welt der Kinder wiederspiegeln und ihnen den Umgang damit spielerisch erleichtern. Diese Produkte kommen der wahren Lebenswelt der Kinder wohl näher als viele andere Spielzeuge und verschaffen dem Unperfekten so zu mehr Normalität. Behinderten- und Gleichstellungsverbände begrüßen diese Entwicklung. Der Sprecher des Behindertenverbandes „Sozialhelden“ lobte das Unternehmen „Lego“ in der „Süddeutschen Zeitung“ vor allem dafür, dass der Rollstuhlfahrer nicht im Krankenhaus-Set enthalten ist, sondern im City-Set, also in einem alltäglichen Umfeld. Das seien gute Bedingungen dafür, dass gewohnte Sichtweisen verändert werden können.

Ob diese Produkte aber keine Nischenprodukte bleiben, sondern tatsächlich die Kinder erreichen und damit stereotype Bilder von Männern, Frauen, gesunden oder Kranken aufbrechen, hängt vor allem von den Eltern ab. Die sind kritischer geworden und reflektieren ihre Kaufentscheidungen mehr, heißt es jedenfalls von Barbiehersteller Mattel . Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass der Umsatz des Spielzeugherstellers seit 2012 um etwa 20 Prozent eingebrochen ist. Gute Voraussetzungen also, um verhalten optimistisch ins Spielzeugland zu blicken. nin

 

4 Kommentare

  1. Oooh nein. Normale Menschen als Spielzeug. Ist das nicht schon Frühideologisierung und gefährliche Realitätsorientierung unserer Kinder? Können die damit schon umgehen in so jungen Jahren?

    Mehrnachdenken, hat Kutschi dazu schon was vorgedacht?

  2. Die Spielzeuge sind im Sortiment des Herstellers und verkaufe sich wie sauer Wein.
    Die Gutmenschen freuen sich, denn sie haben wieder etwas durchgesetzt, was niemand braucht.

    • Na ja, der Rollstuhlfahrer von LEGO erscheint erst im Sommer. Zum Weihnachtsgeschäft 2015 kam LEGO mit dem Produzieren nicht nach. Der Firma geht es besser denn je. Zur Erinnerung: Um die Jahrtausendwende war sie kurz vor pleite, besann sich dann wieder auf ihre Wurzeln, erwarb Lizenzen (insbesondere Star Wars) und entdeckte die Erwachsenen als eigene Kunden mit entsprechend hochpreisigen Modellen (200€ und mehr).

      In den 1980er Jahren konnte man Geschlechter bei LEGO-Figuren nur anhand der Haare unterscheiden, das Gesicht war immer gleich. Wie stehen die Gutmenschen eigentlich zur Hautfarbe gelb? Realistischere Hautfarben gibt es nur in der Lizenzware.

      Wie sich die Normalbarbies verkaufen, weiß ich nicht.

    • Herrlich! Die „Gutmenschen“ sind wieder schuld.

      Die kann man auch noch für Entscheidungen verantwortlich machen, die Hersteller aus rein ökonomischen Kalkülen heraus fällen. Sicher haben die demonstriert und pöse E-Mails geschrieben und Mattel ist eingeknickt, muss jetzt millionenfach Ladenhüter produzieren und wird daran pleite gehen.

      Und wer hats verbrochen? Genau!

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*