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Studie: Schulen brauchen mehr Seiteneinsteiger zur Flüchtlingsintegration

BERLIN. Öffnet die Bildungsintegration junger Flüchtlinge Seiteneinsteigern den Weg an die Schulen? Der Personalbedarf der Länder ist jedenfalls derzeit kaum zu stillen. Eine Studie der Vodafone-Stiftung schlägt deshalb vor, den Weg in den Lehrerberuf zu erleichtern.

Das Lehramtsstudium sollte nach einer Studie der Vodafone-Stiftung auf wachsenden Bedarf für die Bildungsintegration von Flüchtlingen ausgerichtet und flexibilisiert werden. In den Schulen herrsche ohnehin schon ein zunehmender, altersbedingter Lehrkräftemangel, der nun durch die hohe Zahl von Flüchtlingskindern noch weiter verschärft werde. Deutschland brauche «dringend mehr Lehrer», zitiert die Stiftung den Geschäftsführer des Bildungsnetzwerks «Teach First Deutschland», Ulf Matysiak. «Aber um Lehrer zu werden, gibt es bisher nur einen Weg, der rund sieben Jahre dauert: Lehramtsstudium für zwei Fächer mit Referendariat.»

Wer soll künftig den Lehrernachwuchs in Schleswig-Holstein ausbilden? Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Soll angesichts der Flüchtlingskrise Absolventen anderer Fächer der Seiteneinstieg ins Lehramt erleichtert werden? Die Vodafone-Stiftung ist dafür. Foto: Jirka Matousek / flickr (CC BY 2.0)

Derzeit bestehende vereinzelte Möglichkeiten für Seiteneinsteiger reichten nicht aus, um das Problem des Lehrermangels in der Flüchtlingskrise zu lösen. Daher solle der Zugang zum Lehrerberuf auch für andere Hochschulabsolventen geöffnet werden, die erst einmal nur ein Fach unterrichten und ein berufsbegleitendes Aufbaustudium absolvieren könnten, sagte Matysiak.

Der Deutsche Philologenverband legt Wert darauf, «dass wir bei der Lehrerausbildung nicht die Standards senken», sieht aber ebenfalls das Problem Lehrermangel im Fokus. Der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger sagte: «Wir stopfen Lücken, indem wir Pensionisten reaktivieren, mit mäßigem Erfolg übrigens. Indem die Länder Stellen ausschreiben, aber oft nur befristet. Oder indem nun hastig für „Deutsch als Zweitsprache“ Lehrer nachqualifiziert werden.» Die Politik müsse hier «bessere Angebote machen, um den Job attraktiv und verlässlich zu machen».

Nach Schätzungen der Bildungsgewerkschaft GEW müssten die Schulen bundesweit 8000 zusätzliche Lehrer für die vielen neu dazukommenden Schüler einstellen. Die Kultusministerkonferenz geht bisher von rund 325 000 Flüchtlingskindern allein in den vergangenen zwei Jahren aus.

Laut Vodafone-Report «Nachhilfe für die Integration» sind mehr als die Hälfte der zuletzt nach Deutschland gelangten Flüchtlinge unter 25 Jahre alt. Es gelte angesichts dieser Tatsache «bestehende Schwachstellen im Bildungssystem» zu beseitigen, «was nicht unbedingt nur mehr Geld erfordert», heißt es in der Studie, die auf Befragungen der Stiftung unter gemeinnützigen Bildungsorganisationen beruht.

Auch Hürden für junge Flüchtlinge, die nicht mehr im Schulalter sind, sollten beseitigt werden, forderte Katja Urbatsch von der «Initiative ArbeiterKind.de» laut Studie. «Wer kein Abitur hat, kann es zwar theoretisch auch auf eine Hochschule schaffen. Aber die Wege dorthin sind sehr kompliziert und je nach Bundesland verschieden. Gleiches gilt auch für die Studienfinanzierung.» All dies sollte vereinfacht und möglichst einheitlich geregelt werden.

Philologenverbands-Chef Meidinger sieht Licht und Schatten beim Thema Bildungsintegration: ««Was da jetzt passiert in den Ländern – soviel Flexibilität hätte man den Kultusbehörden kaum zugetraut. Aber von einem übergreifenden, langfristig angelegten Masterplan sind wir noch weit weg.» So bedürfe es «weiterer Mittel des Bundes für die Länder, etwa bei der Finanzierung von Sozialpädagogenstellen an den Schulen». (dpa)

• „Nachhilfe für die Integration“ (Vodafone-Stiftung)

• zum Bericht: „didacta“-Thema Seiteneinstieg: GEW warnt Interessenten vor den Herausforderungen des Lehrer-Berufs
• zum Bericht: Statistik: Immer weniger Schüler in Deutschland – Trendumkehr durch Flüchtlinge noch nicht sichtbar

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