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TV-Tipp, 2. Mai 20:15 Uhr: „Im Namen meines Sohnes“ – Ein Vater wird zum einsamen Rächer

BERLIN. Für Eltern ist es eine Horrorvorstellung: Das eigene Kind verschwindet plötzlich, später wird es ermordet aufgefunden. Das ZDF erzählt nun eine solche Geschichte – basierend auf dem wahren Fall des «Maskenmannes».

Ein Mann steht vor einer Wand aus Zeitungsausschnitten. Das Telefon klingelt, eine Festnahme steht bevor. Eilig verlässt der Mann seine Wohnung. So beginnt der Film «Im Namen meines Sohnes», der an diesem Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist. Was ist passiert?

Nach der Anfangsszene folgt ein Rückblick auf das Jahr 1992: Es ist tiefer Winter, alles ist verschneit. Der Mann vom Beginn trägt einen Schnurrbart und sieht ein wenig jünger aus. Es ist Claus Jansen (Tobias Moretti) auf dem Weg zu einem Internat. Dort ist sein Sohn Hannes untergebracht, der vermisst wird. Gemeinsam mit Kommissar Jan Schnabel (Maxim Mehmet) macht er sich auf die Suche, während sich seine Frau Heike (Inka Friedrich) zu Hause um den kleinen Sohn Sebastian kümmert. Dann wird Hannes ermordet aufgefunden.

Ist er wegen einer verkorksten Mathearbeit weggelaufen – im Pyjama? Hatte er Angst vor Bestrafung? Oder wurde er von einer Art Verfolgungswahn gequält, der ihn in den eisigen Wintermorgen trieb?

Die Frage nach der eigenen Schuld quält Claus Jansen. Würde sein Sohn noch leben, wenn er ihn damals nicht ins Internat gegeben hätte? Jansen engagiert einen Detektiv, der ihn viel Geld kostet, und stellt sogar Strafanzeige gegen den Kommissar wegen «Strafvereitelung im Amt».

Doch dann wird er selbst wegen Verleumdung vor Gericht gestellt und riskiert zunehmend, sich selbst und die Liebe seiner Frau Heike zu verlieren. Aufhören kann er nicht. 1995 und 2001 sterben zwei weitere Jungen, sie werden tot in einer Kiesgrube gefunden. Jansen ist sicher, dass auch sie Opfer des gesuchten «Maskenmannes» sind, den wohl auch Hannes einmal erwähnt hatte.

Der ZDF-Spielfilm basiert auf dem wahren Fall des «Maskenmannes», der 2012 vom Landgericht Stade in Niedersachsen zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Der ausgebildete Pädagoge hatte sich vor allem in Schullandheimen und Zeltlagern nachts in dunkler Maskierung an die Betten seiner Opfer geschlichen. Drei Jungen im Alter von acht, neun und dreizehn Jahren tötete er, um Missbrauch zu verdecken.

Der Film ist nichts für schwache Nerven - Tobias Moretti spielt die Hauptrolle. (Bild: Screenshot http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/a48a4b94-9ee9-3154-a800-9c9bc56b8e43/0e653cf6-3e72-4c70-b40d-20b6d9deeb83?generateCanonicalUrl=true)

Der Film ist nichts für schwache Nerven – Tobias Moretti spielt die Hauptrolle. (Bild: Screenshot http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal)

Auch im Film wird der Täter nach 19 Jahren endlich gefasst. Erst jetzt kann sich Jansen von seinen Qualen befreien und zu Heike und seinem zweiten, inzwischen erwachsenen Sohn Sebastian (Merlin Rose) zurückfinden. Der Täter wird schließlich gefasst. Nur drei Jahre später stirbt Jansen bei einer Radtour an einem Herzinfarkt.

Der Schauspieler Tobias Moretti (56, «Luis Trenker», «Das Zeugenhaus», «Das finstere Tal») spielt den verzweifelten Vater als verbissenen, einsamen Rächer. «Man macht sich keine Vorstellung von dem Grauen dieses Schicksals», sagte er. «Bevor das Unvorstellbare über Claus Jansen hereinbricht, ist er wohl eher ein Pragmatiker, der den üblichen Kampf führt, wie viele Eltern ihn führen, nach dem Motto: Mein Junge muss einfach gut sein in der Schule. Das mag auch einer der Gründe sein, weshalb er seinen Sohn ins Internat gegeben hat.»

Der Film von Autor und Regisseur Damir Lukačević (50, «Transfer») stellt verstörende Fragen: Wie gut können Eltern ihr eigenes Kind kennen? Wie genau wissen sie über ihre Eigenheiten Bescheid? Und warum kommen Kinder in ein Internat? Die vielen Rückblenden mögen so manchen Zuschauer verwirren. Der Film fordert viel Aufmerksamkeit und verliert sich so manches Mal in Details, bietet aber tiefe Einblicke in seelische Abgründe.

Die Hauptfigur ist mit plötzlichen Ausbrüchen von Wut, Verzweiflung und Eigensinn recht sperrig gezeichnet. Tobias Moretti liefert aber eine Glanzvorstellung, die all die innere Zerrissenheit und sichtbare Wut seiner Figur greifbar macht. Klaus Braeuer, dpa

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Der Film steht bis zum 9. Mai in der ZDF-Mediathek

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