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Von wegen alles Pädagogen! im Bundestag sitzen nur 55 Lehrer – wir stellen eine Auswahl vor

BERLIN. Alles Lehrer? Nein, der ehemalige Wirtschaftsminister und FDP-Politiker Otto Graf Lambsdorff hatte unrecht, als er vor Jahren scherzhaft bemerkte, dass der Bundestag von Pädagogen bevölkert sei.

Ein Blick auf die aktuelle Statistik zeigt: 631 Mitglieder hat der Deutsche Bundestag (Wahlperiode seit 2013). Davon sind 42 Beamte aus dem Bildungsbereich. 28 arbeiteten vor 2013 in Schulen, die anderen waren vorher in Hochschulen, Universitäten oder Weiterbildungseinrichtungen beschäftigt. 71 weitere Beamte stammen aus dem Justizsystem, aus der kommunalen oder sonstigen Verwaltung, von der Polizei oder der Bundeswehr. Beamte sind damit im Bundestag mit 113 Personen eine der größten Gruppen.

Aus der öffentlichen Verwaltung stammen außerdem Angestellte, die in der Berufeliste des Bundestages extra aufgeführt werden. Davon stammen 27 aus dem Bildungssystem, also aus Schulen und Hochschulen, 39 aus der Verwaltung und medizinischen Berufen. Rechnet man die angestellten und die verbeamteten Lehrer zusammen, kommt man auf insgesamt 55 Lehrer bzw. Pädagogen, die im Bundestag sitzen. Ist das viel? Dabei hilft ein Vergleich mit der Gesamtbevölkerung. Rechnet man nämlich den Anteil der Beamten und Lehrer bzw. Pädagogen auf die Gesamtbevölkerung um, findet man Beamte überproportional häufiger im Bundestag – fünf Mal höher ist ihr Anteil. Der Blog „Lehrerfreund“ hat sich die Mühe gemacht, das auszurechnen. Pädagogen findet man im Bundestag demnach dreimal häufiger als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Womit beschäftigen sich die im Bundestag vertretenen Lehrerinnen und Lehrer? Im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sitzen 34 Mitglieder plus jeweils ein Stellvertreter. Die Vorsitzende Patricia Lips, CDU/CSU ist eine Seiteneinsteigerin, hat vorher in Sparkassen gearbeitet.  Immerhin ist ihre Stellvertreterin promovierte Chemikerin.  Dr. Simone Raatz, SPD,  war vor ihrer Tätigkeit im Bundestag habilitierte Dozentin an einem wissenschaftlichen Institut.

Unter den Mitgliedern des Ausschusses finden sich einige wenige Lehrer, vor allem für die Christdemokraten: Für die CDU/CSU sitzen im Aussschuss Xaver Jung, Gymnasiallehrer, und Eberhard Gienger, Kaufmann, Diplom-Sportlehrer, beide aus Baden-Württemberg.

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516px-Xaver_Jung_2013 Wer hätte das gedacht ? Eberhard Gienger ist ein ehemaliger Kunstturner (oben) Xaver Jung (unten) hat Klavier studiert. (Foto: Sven Teschke (oben) Laurence Chaperon (unten) beide Wikimedia/CC BY 3.0)

Zur Fraktion der CDU/CSU gehören aus Nordrhein-Westfalen  Sven Volmering und Kerstin Radomski, beide Gymnasiallehrkräfte,  sowie Marcus Weinberg, Lehrer aus Hamburg.

Volmering xxx (Foto: Sven Prößdorf/Wikimedia CC BY 3.0)

Volmering ist Kuratoriumsmitglied bei der Bundeszentrale für politische Bildung (Foto: Steffen Prößdorf/Wikimedia CC BY 3.0)


Radomski setzt sich besonders für den Wald ein. (Foto: Foto AG Gymnasium Melle/Wikimedia CC BY 3.0)

Radomski setzt sich besonders für den Wald ein. (Foto: Foto-AG Gymnasium Melle/Wikimedia CC BY 3.0)

für die steuerliche Gleichstellung von Eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe. (Foto: Sven Teschke/Wikimedia)

Weinberg setzt sich für die steuerliche Gleichstellung von Eingetragenen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe ein. (Foto: Sven Teschke/Wikimedia CC BY 3.0)

Unter den Mitgliedern der SPD-Fraktion findet sich ein Lehrer, es handelt sich um Rainer Spiering, (kein Foto vorhanden) Berufsschullehrer aus Niedersachsen. Unter den drei Mitgliedern und ihren Stellvertretern der Fraktion Die Grünen sind keine Lehrer.

Hein war auch schon in der SED und der PDS aktiv. (Foto: Moko1998/WikimediaCC-BY-SA 4.0)

Hein war auch schon in der SED und der PDS aktiv. (Foto: Moko1998/WikimediaCC-BY-SA 4.0)

Von der Fraktion Die Linke sitzt Dr. Rosemarie Hein, Die Linke, Lehrerin aus Sachsen-Anhalt im Ausschuss. nin

2 Kommentare

  1. Das „nur“ in der Überschrift ist angesichts des drei Mal so hohen Anteils als in der Gesamtbevölkerung überaus missverständlich bzw. sogar falsch.

    • Das „nur“ bezieht sich aber auf die Aussage des früheren FDP-Vorsitzenden „Graf Hinkebein“; insofern ist es richtig. Das die 8,7% der Bundestagsmandate nicht den 3% der Erwerbstätigen entsprechen, ist eine andere Geschichte. Nur der Anteil der Juristen in den Parlamenten ist noch größer als der an der Gesamtbevölkerung.

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