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Informationen aus einer Hand – Wissensplattformen als wertvolle Quelle unternehmerischen Knowhows

Relevantes Wissen bündeln, in eine Struktur gießen und nach spezifischen Anwenderportfolios zur Verfügung stellen ist die Stärke von Wissensplattformen. Expertinnen und Experten führen ihr Wissen in einer frei zugänglichen Basisquelle zusammen und schaffen Anreize für Lernprojekte. Da jeder mit der Quelle je nach Ausrichtung mehr oder weniger interagieren und seine Erkenntnisse im System hinterlegen kann, stellen Wissensplattformen eine Art „ongoing knowledge cloud“ dar, die sich selbst aktuell hält. Die Rezipienten selbst schaffen Wissen, indem sie die Einträge um ihre eigenen Kenntnisse ergänzen und diese in Foren zur Diskussion stellen.

Klassischer Weise füllten Enzyklopädien und Lexika in der vorelektronischen Ära diese Funktion einer Wissenskonzentration aus, die jedoch vergleichsweise starr und unflexibel waren – der gedruckten Papierform geschuldet, die sich in regelmäßigen, überarbeiteten Auflagen manifestierte. Heute wirken die schweren Nachschlagewerke nahezu anachronistisch. Doch wie präsentieren sich diese Wissen-Basen in moderner Zeit,  was zeichnet sie aus, worin liegen ihre ideologischen Wurzeln begründet?

Inseln des Wissens – Vom Wesen und Sein

JGrafik 1 - Pyramidennetzwerkedes Individuum verfügt über ein ihm eigenes Wissensspektrum, das sich aus Erfahrungen und daraus gewonnenen aber auch angeeigneten Erkenntnissen speist. Da im Laufe eines Lebens ständig neue Erfahrungen gemacht und alte vergessen werden, unterliegt dieses Spektrum einem steten Wandel. Wer beispielsweise eine neue Sprache erlernt, sie aber in späteren Jahren nicht mehr nutzt, verkleinert seine zuvor aufgebaute Wissensinsel. Durch Prozesse des Vergessens schrumpft die Plattform, wohingegen bei ständigem Umgang mit Vorhandenem bereits Konstruiertes erhalten wird. Durch Bewahrung und Ausbau entstehen Wissensinseln, die grundsätzlich unabhängig voneinander nun bei Bedarf in Bezug zueinander gesetzt werden, ein Netzwerk an Bezügen und Verknüpfungen entsteht. Durch interdisziplinäres Verknüpfen von Wissensbausteinen erlangt der Lernende ein höheres Maß an Sicherheit, Vorhandenes im Bedarfsfall abzurufen, wie das beispielsweise bei Prüfungen der Fall ist. Wenn nun nicht nur mehrere solcher Inseln eines Einzelnen sondern mit denen anderer Lernkommilitonen vernetzt wird, entsteht ein Mehrwert an Erkenntnis, der als Zielvorstellung hinter dem Grundgedanken einer Wissensplattform steht.

Vom Anforderungsprofil einer Datenbank des Wissens

Solche vernetzte Inselplattformen bilden bereits eine Wissensplattform, die neue Möglichkeiten eröffnen und bieten kann:

  • Bündelung und Strukturierung relevanten Wissens
  • Verfügbarmachung von Wissen für einen offenen Interessenten- und Anwenderkreis mit unterschiedlichsten Wissensständen
  • Abbau von Schwächen heute verfügbarer Wissensquellen
  • Vernetzung von Akteuren und ihrem Know-how und Wissensbedarf aus einem bestimmten Themenbereich

Die einzelnen Bausteine einer Wissensplattform hat Weggemann in einem Buch („Wissensmanagement: Der richtige Umgang mit der wichtigsten Ressource des Unternehmens“) dabei als Multiplikation aus Information und der Summe aus Erfahrung, Fertigkeiten und Einstellungen definiert und in der Formel W = I x (E+F+E) zusammengefasst:

Wissen = Information x Erfahrung Fertigkeiten Einstellungen
W = I x E F E

(Quelle: content-analytics.at)

EFE stellt den spezifischen Nutzer von Information dar.

Die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort bei der richtigen Person zur Verfügung zu stellen ist die Grundanforderung von Informations-Intelligenz und bedingt, dass Information

  • aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und gebündelt wird
  • für den Endnutzer in möglichst leicht verständlicher Form aufbereitet wird
  • durch Grafiken, Bilder und Diagramme plastischer und anschaulicher präsentiert wird
  • auf die spezifischen Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten wird
  • zeitnah und anwenderfreundlich zur Verfügung gestellt wird.

Die ideale Wissensplattform – Den Wissensbedarf für notwendige Handlungen und Entscheidungen abdecken

Kompetenz Erfahrung KonzeptDa Wissen auf Grund unterschiedlicher Erfahrungen und Erkenntnisse an ein Individuum gebunden ist, kann ein und dieselbe Information bei jedem Menschen zu unterschiedlichem Wissen führen, da jeder Einzelne andere Kenntnisse erlangt hat, mit denen neue Informationen verknüpft werden können. Eine Wissensplattform muss diesen Gesetzmäßigkeiten Rechnung tragen können und dem Wesen von Wissen gerecht werden, das Theo Wehner 2001 in einer Publikation als  situationsgebunden, reflexiv, handlungsgebunden, dynamisch veränderlich und verändert beschreibt.

Aus Vorgenanntem ergibt sich eine Erweiterung der Grundanforderungen an eine modernere Variante von Wissensbasis.

Flexibilität Interaktivität Subjektivität
Aus der Situation heraus entstehen Aufgaben, zu deren Erkenntnis, Gestaltung, Bewältigung und Bewertung Wissen benötigt wird, das sich eintretenden erwartenden und unerwarteten Ereignissen anpassen können muss. Interaktive Gestaltungselemente wie Feedback, Bewertungen und Kommentare tragen dem Wesen von Subjektivität von Wissen durch persönlichen Erfahrungsaustausch von Wissensschätzen Rechnung und erleichtern die Minimierung von Verständnisproblemen. Da Wissen immer aus dem subjektiven Verhältnis des Einzelnen zu Phänomenen, Gegenständen oder Geschehnissen entsteht, enthält es auch immer eine persönliche Komponente, die in der individuellen Perspektive des Einzelnen auf die Außenwelt zum Ausdruck kommt.

Daher ist es notwendig, den Informationsinhalt auf die handelnde Person, deren Aufgaben und Verantwortungsbereiche abzustimmen. Dies geschieht durch

  • Schaffung umfangreicher Netzstrukturen durch weiterführende Verlinkungen
  • Intelligente Indexierung durch großzügige Verschlagwortung und Bildung sinnvoller Strukturen
  • Hocheffiziente Suchmaschinen mit vereinfachten, suchanwendungsfreundlichen Zugangsmöglichkeiten (Suchmasken) auf einer Rechercheplattform

Effektives Wissensmanagement in Unternehmen – Corporate Learning

Aufbau und Nutzung von Wissensplattformen gehören in Unternehmen mit zum Corporate Learning, wie adgonline.de zum Thema ausführt. Weiterbildung in Unternehmen kommt in einer heutigen Zeit ständiger Veränderung, strategischer Neuausrichtung und flexibler Geschäftsmodelle eine immer größere Bedeutung zu. Corporate Learning trägt diesem Bedarf durch betriebliche Bildungsarbeit Rechnung, indem Schulungen, Trainings, Seminare und Kurse straffer organisiert und durch Lehrsysteme systematisiert und professionalisiert werden. Eine Informations- und Weiterbildungskultur trägt wesentlich zu Wettbewerbsvorteil und verbesserter Außendarstellung bei, auch steigert ein Unternehmen durch ein umfangreiches Angebot an Lernmodulen seine Attraktivität als potentieller Arbeitgeber unter den Beschäftigten.
Der Bedarf an interaktiven Projekt- und Wissensplattformen in Unternehmen ist in den letzten Jahren ständig angewachsen. Sie vernetzen nicht nur Wissen, sondern auch Personen, Projekte und Kunden. Diese können zunehmend in die Geschäftsabläufe und Kommunikationsprozesse mit einbezogen werden.

Wikis als Werkzeug für Wissensmanagementsysteme

WissensmanagementWissen ist für ein Unternehmen ein kostbares Gut. Daher gehen Unternehmen wie hager verstärkt dazu über, externes wie internes Wissen von eigenen Mitarbeitern aus dem speziellen Fachbereich systematisch zu sammeln, aufzubereiten, zu strukturieren und wieder einem breiten Fachpublikum zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen hat unter dem Begriff e-volution eine Wissensplattform geschaffen, die verschiedene Zielgruppen im Bereich Elektrotechnik wie Schüler, Auszubildende, Techniker oder Lehrpersonal Fachwissen durch praxisnahe Lernmodule, Tipps, Online-Trainings Leitfäden etc. systematisch aus- und fortbilden will.

Oft sieht jedoch die Wirklichkeit anders aus. Aus Scheu und Vorurteilen, vorhandenes Wissen in firmeninternen Datenbanken allen zugänglich zu machen, bleibt ein Potenzial ungenutzt liegen. In einer Studie (mehr dazu auf dieser Übersichtsseite) haben die Autoren Florian Adler, Ingo Frost und Daphne Gross acht von über 100 Wissens-Management-Programmen, sogenannten Wikis, auf ihre Nutzbarkeit in Unternehmen auf einen vorab definierten Kriterienkatalog hin abgeklopft, so unter anderem:

  • Individualisierungspotential durch Einrichtung spezifischer User-Rechte
  • Vorhandensein sicherheitstechnischer Lösungen wie Sperrmöglichkeit einzelner Seiten
  • Verwendung organisatorisch verstreuter Anmeldeinformationen für die Integration in bestehende IT-Infrastrukturen
  • Erleichterung der Datenerfassung durch spezielle Editoren
  • Anbieten kommerziellen Supports
  • Aktive Einbindung von Nutzer-Communities
  • Einsatz gängiger, weit verbreiteter Software-Tools

Das Fazit der Studie kommt zum Schluss, dass für Unternehmen besonders nützliche Wissensplattformen über ein Management-System verfügen sollten, das ein ausreichendes Sicherheitskonzept bietet und Flexibilität und Anpassbarkeit sicherstellt. Benötigte Schnittstellen sollten vorhanden und hinreichend nutzbar sein. Benutzerfreundlichkeit, eine ausreichend strukturierte Wissensbasis, ein einfacher Zugang inclusive Recherchemöglichkeiten und Qualitätssicherung stellen zusätzliche, wertvolle Eigenschaften von Managementsystemen dar. Auch sollte ein besonders nutzbringendes Wiki über Beurteilungsmöglichkeiten für Beiträge verfügen. Es sollte so einfach und transparent in seiner Anwendung gestrickt sein, dass es die Mitarbeiter regelrecht zum Eintragen und Aktualisieren von Wissen einlädt und durch Schaffung von Anreizen zu einem Klima unter den Angestellten eines Unternehmens beiträgt, das zu einer Speicherung von Wissen motiviert. Idealerweise führt das dazu, dass die Wissensplattform bei der täglichen Arbeit auch tatsächlich genutzt wird. Sinn und Nutzen müssen für den User deutlich erkennbar sein.

Der größere Bruder

In größeren Organisationen kommen vermehrt auch strukturierte Wissensdatenbanken oder sogenannte Groupware-Systeme zum Einsatz, die eine verbesserte Kontrolle bei der Wissenserstellung und -wiederverwendung durch gegliederte Artikel-Vorlagen, vorgegebene Arbeitsabläufe, definierte Rollenkonzepte und komplexe Klassifikationshierarchien bieten. Wissen kann somit stärker in kleinere Einheiten gegliedert und strukturiert werden. Externe Datenquellen können mit eingebunden werden, Schlagwort-Verzeichnisse stellen die Suche auf eine breitere Basis. Wortwolke GeburtDie Indizes basieren auf Begrifflichkeiten und den zwischen ihnen bestehenden Beziehungen in einem bestimmten Gegenstandsbereich, die formal geordnet dargestellt werden. Ein logisches Beziehungs-Netzwerk von Begrifflichkeiten untereinander entsteht. Ein Regelwerk steuert dabei die logischen Verflechtungen der Begriffe und bildet ein semantisches Netzwerk von Informationen aus. In diesem sogenannten Semantic Web, einer Idee, die vom Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee 1999 entwickelt wurde, sind nicht mehr nur Informationen miteinander hierarchisch, sondern ihre Bedeutungen logisch-inhaltlich verknüpft. Seine Vision ist, dass Maschinen Inhalte und Daten selbsttätig auf Basis von Algorithmen miteinander in Beziehung setzen können, um die Bedeutung der einzelnen Inhalte zu erschließen. So könnten beispielsweise komplexe Mehrwort-Suchanfragen in Zukunft auch dann zu sinnvollen Antworten führen, wenn eine Internet-Seite die exakte Abfolge von mehreren Wörtern zwar nicht enthält, aber dennoch inhaltlich passende Antworten auf die Anfrage liefern kann.

Bilder:
Abbildung 1: pixabay©Peggy_Marco (CCO 1.0)
Abbildung 2: fotolia©Coloures-pic (#60531591)
Abbildung 3: fotolia©Andrey Popov (#93172334)
Abbildung 4: fotolia©Uli-B (#98162233)
Abbildung 5: fotolia©aotearoa (#87244689)

 

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